Beziehungen pflegen am vertrauten Ort

Das von mehreren Partnern drei Jahre lang verfolgte Projekt der Diözese Rottenburg-Stuttgart „Pastoral in der vierten Lebensphase“ zeigte den Projektbetreibern zufolge, wie groß der Wunsch von Senioren sei, am vertrauten Ort zu altern und auch dort zu sterben. Kirchengemeinden hätten den Auftrag und die Chance, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels Senioren in einem so genannten dritten Sozialraum Beziehungen zu ermöglichen und Lebenshilfe zu bieten.

Das Projekt wurde in Kirchengemeinden in Nürtingen, Schwäbisch Gmünd, Ulm, Crailsheim und Böblingen realisiert. Zum Abschluss betonte Bischof Gebhard Fürst am Freitag in Stuttgart, im Projekt seien die richtigen Fragen gestellt worden, auf die es wichtige Antworten gegeben habe. Dass Kirchengemeinden stärker zu wesentlichen Elementen eines konkreten Sozialraumes werden und ihre Mitglieder an Netzwerkbildungen mitwirken können, bezeichnete der Bischof als wichtige Herausforderung.

Diese Herausforderung wird nach Überzeugung von Bischof Fürst umso größer, da das derzeitige Gesundheitssystem etwa pflegedürftige Menschen zu bloßen Leistungsempfängern zu degradieren drohe. Damit sie ihr Leben vor Ort zu Hause oder in einer Einrichtung dort als lebenswert und würdig erfahren können, gelte es, Netzwerke aus Familie, Kommune, Wohnquartier, Nachbarschaft, Kirchengemeinde und anderen örtlichen Einrichtungen zu stärken. Die Kirchen mit ihrer großen Erfahrung in Seelsorge und Begleitung hätten hier viele praktische Gestaltungsmöglichkeiten. Als Beispiel nannte der Bischof ein altersgemäßes Lied- und Gebetheft „Nun danket all“, das im Rahmen des Projekts erstellt wurde und große Nachfrage erzielt.

Nicht verdrängt werden darf nach Überzeugung des Bischofs in der vierten Lebensphase das Fragen nach Tod und ewigem Leben. Die Kirche habe hier den Auftrag, den Menschen Trost aus der Frohen Botschaft Christi zu spenden und „der Todesangst das Fürchtet-euch-nicht des auferstandenen Christus entgegenzusetzen“. Einen reichen pastoralen Schatz für die Begleitung von Menschen im Leben und im Sterben böten vor allem „die Sakramente, die als Heilszeichen Gottes Kraft und Hoffnung schenken können“.

Kontakt: Christine Czeloth-Walter, Geschäftsführung Forum Katholische Seniorenarbeit, Jahnstr. 30, 70597 Stuttgart, Telefon (0711) 9791 282, cczeloth@bo.drs.de.

Uwe Renz