Bilanz einer nichtöffentlichen Katastrophe

Medienberichten zufolge haben sich 9.402 Menschen im Jahr 2007 das Leben genommen. Das bedeutet, dass alle 47 Minuten ein Mensch in Deutschland durch Selbsttötung stirbt. Die Zahl der Suizidversuche wird auf mehr als 100.000 im Jahr geschätzt. „Hinter diesen anonymen Zahlen“, so Bischof Fürst, „verbergen sich ungezählte einzelne Schicksale von psychischen Erkrankungen, aber auch von Verzweiflung, von Vereinsamung und von nicht wahrgenommenem Leid.“ Dies sei ein unüberhörbarer Appell an jeden einzelnen, achtsam und sensibel mit seinen Mitmenschen umzugehen, sagte Bischof Fürst. Angehörigen von Suizidopfern werde häufig mit hilfloser Distanz begegnet; dabei seien sie am allermeisten auf solidarische Begleitung angewiesen.
Es sei offenkundig, so der Bischof, „dass äußerlicher Wohlstand, der nach wie vor für viele Menschen gegeben ist, keineswegs einfach Hand in Hand mit seelischem Wohlergehen geht“. Deshalb müsse die Pastoral der Kirche sich auch als Beziehungspflege verstehen, die oft lebensrettend sein könne.

Der Bischof würdigte ausdrücklich die Arbeit von Telefonseelsorge, von Psychologischen Beratungsstellen und anderen Einrichtungen der Krisenintervention sowie von Ärzten und Kliniken. Ihnen sei es mit zu verdanken, dass die Zahl der Suizidopfer, so bedrückend sie sei, bereits zum zweiten Mal unter 10.000 liege und dass neun von zehn Menschen bei einem Suizidversuch gerettet werden könnten. „Sie leisten ausdrücklich oder unausdrücklich einen zutiefst christlichen Dienst, wenn sie dazu beitragen, dass Menschen auch aus schwierigsten Situationen heraus wieder leben und hoffen lernen“, sagte Bischof Fürst.