Bilder – Medien der Religion

Am Mittwochabend hielt dazu Bischof Gebhard Fürst einen Festvortrag „Bilder – Medien der Religion. Über die Bedeutung eines Museums christlicher Kunst in Zeiten missionarischer Kirche“. Das Diözesanmuseum mit seiner eindrucksvollen Geschichte sei ein Ort von Glaubensverkündigung durch Bilder ganz eigener Art. Das Museum zeige zudem die reiche Entwicklung der Frömmigkeit in der württembergischen Diözese und im gesamten südwestdeutschen Raum. Religiöse Kunst weise wie alle gute Kunst auf unsagbare Wirklichkeit hin, unterstrich Bischof Fürst in der Rottenburger Festhalle.

In Erinnerung an geschichtliche Perioden, in denen die Verwendung von Bildern in der religiösen Praxis kritisiert oder gar verboten wurde, hob der Bischof Werke der religiösen Kunst als Medien der Religion hervor. „Ein religiöses Kunstwerk, das zunächst fremd erscheinen mag, kann sich nach und nach erschließen und einen weiten Horizont der Lebens- und Sinnerschließung eröffnen.“ Dies schließe jede fehlgeleitete Verehrung der Bilder selbst aus, sondern könne vielmehr zum religiösen und geistlichen Dialog mit anderen motivieren und stärken. Glaube komme nach traditionellem Verständnis vom Hören und vom Sehen; wie die Verkündigung in Wort und Musik das Ohr anspreche, „so dringen die Aussagen von Bildern und Plastiken in Herz und Seele“. Damit heutige Generationen auch die Botschaften alter Werke verstehen können, bedürfe es kompetenter Museumspädagogik, sagte der Bischof.

Direktor Wolfgang Urban stellte beim Festakt die Geschichte des Museums vor; seine Kollegin Melanie Prange gab einen Einblick in den von ihr erstellten Bestandskatalog mit über 500 Seiten und erinnerte an die zum Jubiläum im Museum eingerichtete Sonderausstellung „Glaubenshorizonte – Sammlungshorizonte“. Zudem haben Urban und Prange eine Vortragsreihe mit renommierten Referenten organisiert.

Gegründet wurde das Rottenburger Diözesanmuseum, das nach Paderborn und Freising drittälteste in Deutschland, 1862. Es verfügt heute über insgesamt 3.000 Objekten, von denen 500 in der Dauerausstellung zu sehen sind, darunter einige von europäischem Rang. Die Wurzeln des Museums liegen in Wurmlingen bei Tuttlingen. Dort hatte der Pfarrer und Dekan Georg Martin Dursch bereits seit 1835 Bilder und vor allem Skulpturen gesammelt. Durschs Leidenschaft entzündete dessen Tübinger Professor, Pastoraltheologe und einer der bedeutendsten katholischen Theologen des 19. Jahrhunderts überhaupt, Johann Baptist Hirscher. Er selbst trug drei große Sammlungen zusammen, von denen Exponate bis heute in Museen in Berlin, Stuttgart, Karlsruhe und Nürnberg zu sehen sind. 1862 erwarb der damalige Rottenburger Bischof Josef von Lipp 62 Gemälde der Sammlung und neun Skulpturen für seinen Privatbesitz: Geburtsstunde des Diözesanmuseums.

Längst hat das Rottenburger Diözesanmuseum einen national und international wohl klingenden Namen. Bedeutende Ausstellungen waren dort bereits zu sehen, eine große über Martin von Tours 1999 oder unter dem Titel „Glanz des Himmels – mediterrane Wege christlicher Ikonen“ 2005 eine Ausstellung von Ikonen aus dem Nationalmuseum in Belgrad. Wichtige Rottenburger Exponate wiederum wie zwei Tafeln des Gutenzeller Altars (um 1460) wurden zuletzt in Brügge gezeigt; andere kostbare Stücke waren an große Ausstellungen in Deutschland wie auch unter anderem nach Lüttich, Illegio (Friaul) oder an den Vatikan ausgeliehen.

Uwe Renz