Bildung dient dem sozialen Frieden einer freiheitlichen Gesellschaft

Als „mitverantwortliche Partner“ unterstützen die vier großen Kirchen die bildungspolitischen Ziele der Enquêtekommission, die die Zukunft junger und älterer Menschen in einer Wissensgesellschaft sicherten und zu deren Realisierung die Kirchen vieles beitrügen. Ihr Engagement für die Bildung sei „eine Form kultureller und interkultureller Diakonie“ und basiere auf einem Verständnis von Bildung im allgemeinen und von beruflicher Bildung im besonderen, die auf eine Förderung des ganzen Menschen und auf ein gelingendes menschliches Leben und Zusammenleben zielten.

Ein besonderes Gewicht legen die Autoren der kirchlichen Stellungnahme auf die allgemeine Weiterbildung. Sie sei ein „Motor zivilgesellschaftlicher Entwicklung und bürgerschaftlichen Engagements“ und erfordere im Bildungskonzept des Landes einen höheren Stellenwert. Lebenslanges Lernen bewahre die Menschen vor dem sozialen Abseits und gewährleiste die Zukunftsfähigkeit und den sozialen Frieden einer freiheitlichen Gesellschaft. Daher müsse die gesellschaftliche und politische Relevanz allgemeiner Weiterbildung bewusster wahrgenommen werden. Diese werde besonders augenfällig bei der religiösen und interkulturellen Bildung, der Familienbildung und der Seniorenbildung. Da diese in die Zuständigkeit unterschiedlicher Ministerien fielen, müssten die Potenziale und Chancen der allgemeinen Weiterbildung auf interministerieller Ebene bedacht und entwickelt werden. In einer Zusammenschau werden dann auch deutlich, „was das Land an der Erwachsenenbildung und ihren Trägern hat“, betont das Kirchenstatement. Zu den Konsequenzen gehöre auch eine Anhebung der Landesförderung der Weiterbildungsmaßnahmen auf den Bundesdurchschnitt von 14 Prozent. Schließlich regen die Kirchen an, Familienbildungsmaßnahmen mit Kindern und Kinderbetreuungsangeboten so zu bezuschussen, dass auch einkommensschwachen Familien die Teilnahme ermöglicht werde.

In ihren „Handlungsempfehlungen“ zur beruflichen Bildung fordern die Kirchen im Sinne einer ganzheitlichen Bildung auch die Sicherung und den Ausbau der Qualität religiöser Bildung. „Bildung unter Ausblendung des Religiösen wäre eine Beschneidung des menschlichen Geistes und eine Verkürzung der Kulturgeschichte“, so das Statement. Das bedeute auch, die Qualität des Religionsunterrichts an den Berufsschulen zu fördern. Die Fördermittel des Landes dürften hier nicht gekürzt werden, zumal die Kirchen ihre beträchtlichen Investitionen hier nicht auf Dauer durchhalten könnten. Konkret gefordert wird der Fortbestand der personellen Mittel des Landes für die evangelischen und katholischen Institute für berufsorientierte Religionspädagogik, ebenso der Erhalt der Theologischen Institute in Mannheim und Stuttgart-Hohenheim, deren Absolventen zu einer besseren Versorgung des Religionsunterrichts an Beruflichen Schulen beitrügen. Der zweite Bildungsweg, dessen Einrichtungen sich vollständig in kirchlicher und privater Trägerschaft befänden und zu 100 Prozent die Aufgaben des Schulwesens übernähmen, müsse in der Refinanzierung dem ersten Bildungsweg gleichgestellt werden. Erforderliche Erhöhungen des Schulgelds träfen sonst ausschließlich junge Menschen aus bildungsfernen Familien und Familien mit Migrationshintergrund. Diese seien auf dem ersten Bildungsweg benachteiligt. Benachteiligte müssten im Arbeitsmarkt integriert werden, ebenso brauche es eine Förderung der assistierten Ausbildung und der Ausbildung in Teilzeit. Angesichts der zunehmenden Zentralisierung der Berufsschulen und der damit verbundenen Mobilität der jungen Menschen sei ein flächendeckendes Netz von Einrichtungen für das Jugendwohnen erforderlich. Besonders der erhöhte Aufwand für die sozialpädagogische Betreuung der jungen Menschen, denen die freien Träger während deren schulischer und beruflicher Ausbildung Unterkunft in sozialpädagogisch begleiteten Wohnformen zur Verfügung stellten, benötige eine verstärkte Förderung durch das Land. Viele Ausbildungsplätze blieben unbesetzt, weil die Ausbildungskosten die Attraktivität bestimmter Ausbildungsbereiche minderten, monieren die Kirchen. Die Internatskosten stellten dabei einen erheblichen Faktor dar.

Die Erklärung der evangelischen und der katholischen Kirche verlangt auch ausdrücklich, die Gesundheits- und Sozialberufe in ihrer gesellschaftlichen Anerkennung zu stärken. Obwohl das Gesundheits- und Sozialwesen zu den Schlüsselbranchen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gehörten und in Baden-Württemberg mehr Arbeitsplätze stellten als Metall- und Kraftwagenbranche zusammen, würden sie auch in dieser Enquêtekommission nicht ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entsprechend gewürdigt, kritisiert das Statement der Kirchen.