Bildung: junge Menschen zu einem gelingenden Leben befähigen

Etwa 50 Elternbeiräte der 70 allgemeinbildenden Schulen unter dem Dach der Stiftung Freie Katholische Schule waren seiner Einladung ins Rottenburger Bischofshaus gefolgt. Zusammen mit den berufsbildenden Schulen gehören in der Diözese Rottenburg-Stuttgart 82 Schulen der Rottenburger Schulstiftung an.

Die nach dem „Marchtaler Plan“ arbeitenden katholischen Schulen der Diözese markieren nach Fürsts Worten eine „Erfolgsgeschichte“. Sie weisen durch das Zusammenwirken von Eltern, Lehrern und Trägern nicht nur eine für die jungen Menschen wohltuende und fördernde Atmosphäre auf, sondern haben auch in „Grundeinsichten und gestalterische Elemente von Schulkonzept und Schulalltag staatlicher Schulen in Baden-Württemberg Eingang gefunden“, betonte der Bischof.

In den katholischen Schulen gehe es, so Bischof Fürst, um Sachwissen, Orientierungswissen und Existenzwissen zugleich. Nur im Miteinander dieser drei Dimensionen könnten junge Menschen befähigt werden, in den Anforderungen einer pluralen Gesellschaft zu bestehen, selbstbestimmt zu leben, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten. Entgegen einem verengten Verständnis von Bildung als reiner Wissensvermittlung gehe es in einem umfassenden Sinn darum, dass sich in jungen Menschen das herausbilde, „was Gott in jedem von ihnen angelegt hat“, sagte der Bischof. Bildung bedeute, Menschen zu einem gelingenden Leben zu befähigen.

Im Gespräch mit den Elternvertretern unterstrich Bischof Fürst die Bedeutung fremdsprachlicher Kompetenz junger Menschen als wichtigen Bestandteil kultureller Kompetenz und aktiver Friedenserziehung. Auch müssten sich Leistungsbewusstsein und christliche Wertorientierung in der Schule nicht widersprechen. Er wandte sich jedoch dagegen, die Ausbildung junger Menschen für ausschließlich wirtschaftliche Interessen zu instrumentalisieren. „Eine einseitige Ökonomisierung der Bildung zerstört die Bildung“, betonte der Bischof. Er unterstütze das Anliegen der Elternbeiräte, vor Ort mit den öffentlichen Schulen, vor allem mit den Hauptschulen, intensiv zu kooperieren, damit auch benachteiligte Jugendliche an den Bildungsstandards der kirchlichen Schulen besser teilhaben könnten. Kirchliche Schulen, so Bischof Fürst, dürften nicht zu einer weiteren Aufteilung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer beitragen, sondern sie müssten sich ihrer Verantwortung für die gesellschaftliche Integration bewusst sein. Unterstützt wurde er darin vom Direktor der katholischen Schulstiftung, Berthold Saup: „Mit dem neuen Bildungsevangelium der out-put-Orientierung gehen wir äußerst kritisch um. Zuerst geht es uns um Imput im Sinne eines christlichen Menschenbildes.“ Und: „Da läuft bei uns nichts aus dem Ruder“, sagte Saup.