Bildung muss auch die Herzensbildung umfassen

Bildung, so der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sei mehr als die Vermittlung von Wissen. Zwar seien Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten entscheidend für die Entwicklung der Gesellschaft in einem hoch industrialisierten Land. Ziel der Bildung sei jedoch nicht die Anhäufung des Wissens, sondern die Fähigkeit, sich zu orientieren und das Wissen ins Handeln umzusetzen. Bildung heiße letztlich Heraus-Bildung der Persönlichkeit, so der Bischof. Aus christlicher Sicht, die den Menschen als Abbild Gottes sehe, gehe es um Ausformung des Bildes Gottes im Menschen. „Die Begegnung zwischen Gott und Mensch, die nach christlichem Verständnis in einmaliger Weise in Jesus Christus vorgestellt wurde, könnte so zum Vor-Bild aller Bildung werden“, sagte Bischof Fürst.

In der Bildung gehe es auch um das Erlernen zentraler ethischer Kompetenzen wie Mitmenschlichkeit, Toleranz, Nächstenliebe und Gerechtigkeit. „Bildungsdiskussionen sind daher notwendigerweise immer auch Diskussionen darüber, welches Wissen und welche Verhaltensweisen wir für so wertvoll halten, dass wir sie der nachwachsenden Generation vermitteln wollen, sollen oder müssen“, betonte Fürst. In der Begegnung mit Menschen und ihrem Handeln würden Werte, Wertüberzeugungen und Grundhaltungen konkret und exemplarisch erfahrbar. Vorbilder seien für diese Art der Bildung unverzichtbar.

Jeder Bildung liege ein bestimmtes Menschenbild zugrunde, so der Bischof. Das christliche Menschenbild beschreibe den Menschen als leistungsfähig und fehlbar, als veränderbar und verführbar. Vor allem aber besitze er die Möglichkeit zur Umkehr und so die grundlegende Voraussetzung für die Bildung ethischer Kompetenzen. Zum Christlichen und Katholischen gehöre immer eine grundlegende Offenheit für Andere, die Bereitschaft zu Begegnung und Dialog. „Bildung muss Menschen befähigen, sich zu orientieren und einen eigenen Standpunkt zu finden“, so Fürst. „Wer keine Chance hat, sich seiner selbst zu vergewissern und seine eigene Sicht sprachlich angemessen darzustellen, ist in der Gefahr, zu Mitteln der Gewalt zu greifen, um sich zu verteidigen. Bildung hat die Aufgabe, den Menschen zu helfen, ihre Sprachlosigkeit in den wesentlichen Fragen zu überwinden, indem sie sie mit ihren geschichtlichen und kulturellen Wurzeln vertraut macht. Nur in Verbindung mit Ihren Wurzeln können Menschen wachsen und mutig in die Zukunft schreiten.“ Toleranz in einer pluralen Gesellschaft sei nur dann möglich, wenn der Einzelne sich in seiner Kultur orientieren und die anderen wertschätzen könne.

Die Referenten des Instituts für Fort- und Weiterbildung (IFWB) führen Fortbildungen und Beratungen für kirchliche Mitarbeiter z. B. in den Arbeitsfeldern Theologie und Kultur, Diakonie und Ehrenamt und Seelsorge und Katechese durch.