„Biogas mit Augenmaß“

Landwirte müssten von ihrer Arbeit gut leben können und gleichzeitig Sachwalter der Schöpfung sein, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Donnerstag beim Besuch eines Biohofs mit Biogas-Anlage im oberschwäbischen Erolzheim. Regional ausgerichtete Biogas-Anlagen bezeichnete er als ethisch unbedenklich, vor allem, wenn sie mit Verrottungsabfällen in hoch effizienten Anlagen betrieben würden und die Abwärme wie auf dem Erolzheimer Biohof zusätzlich genutzt werde. Auch ein Betrieb mit eigens angebauten Energiepflanzen sei hinnehmbar, da in Deutschland derzeit keine Gefahr bestehe, Anbauflächen zugunsten der Energiegewinnung vom Acker und zu Lasten der Nahrungsmittel auszuweiten. „Biogas mit Augenmaß“ müsse die Devise heißen.

Die globale Konkurrenz um Anbauflächen für Energiepflanzen nannte Bischof Fürst dramatisch. Studien besagten, dass im vergangenen Jahr durch die massive Verteuerung der Nahrungsmittel weltweit rund 100 Millionen Menschen mehr hungern müssten, zusätzlich zu den bereits 830 Millionen Hungernden. Fatal sei, dass die Preisgestaltung auf dem Markt für Energie aus Pflanzen wie jeder Markt nach den Regeln von Angebot und Nachfrage funktioniere. „Die Industrie- und die wachsenden Schwellenländer brauchen immer mehr Energie und zahlen für Energiepflanzen immer höhere Preise“, unterstrich Bischof Fürst. Damit würden Pflanzen für die Ernährung verdrängt, immer teurer und für viele Menschen unbezahlbar. Als besonders problematisch bezeichnete er die Pläne von Industrieländern Europas und Amerikas, den Anbau Pflanzen zur Gewinnung von Biosprit massiv auszuweiten.

Eine für Mensch und Umwelt verträgliche Landwirtschaft müsse sich an den Leitlinien einer Verantwortungsethik orientieren, sagte Bischof Fürst. „Das bedeutet Ausrichtung des Betriebs auf die jeweilige Region, nachhaltige Wirtschaftsweise sowie Beiträge zur Wertschöpfung auf dem Lande.“ Die Bauern schützte der Bischof vor Kritik, sie würden sich zu sehr auf den Sektor der Energiegewinnung verlagern. Bauern hätten seit je Energie produziert, betonte er. So hätten sie in früheren Zeiten rund ein Viertel ihrer Pflanzenproduktion für die Fütterung ihrer Zugtiere eingesetzt.