Bis an die Grenzen des Möglichen gekämpft

Diese Entgegnung bezieht sich auf Professor Küngs Bewertung der Rolle von Bischof Georg Moser in der jahrzehntelangen Auseinandersetzung Küngs mit der römischen Glaubenskongregation. Diese Auseinandersetzung hatte sich vor Weihnachten 1979 dramatisch zugespitzt und führte auf Grund einer sogenannten „Declaratio“ aus Rom am 30. und 31. Dezember 1979 zum Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis für Hans Küng sowie zur Mitteilung Bischof Mosers an den baden-württembergischen Wissenschaftsminister, er müsse sein „nihil obstat“, also die kirchliche Zustimmung zu Küngs Lehrtätigkeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, widerrufen.

Hans Küngs Darstellung des Ablaufs der Ereignisse zum Jahresende 1979 treffe im Wesentlichen zu, betonte Bischof Fürst. Sie decke sich mit den Tagebuchnotizen von Bischof Georg Moser. Allerdings, so Bischof Fürst, weise er Küngs Vorwurf einer „schmalbrüstigen Vermittlungstätigkeit“ Mosers in aller Form zurück. Vielmehr führe eine unvoreingenommene Auswertung der persönlichen Dokumente Mosers, von denen Küng Kenntnis hatte, zu der Schlussfolgerung, dass der damalige Rottenburger Bischof bis an die Grenzen des Möglichen gekämpft habe, um die Maßregelung Küngs zu verhindern. Bis zuletzt habe Moser versucht, in Rom im Interesse Küngs Zeit zu gewinnen. Bischof Moser selber habe von einem „Dialog bis zur Erschöpfung“ sowohl mit Rom als auch mit Küng gesprochen. Im entscheidenden Moment sei Moser von Küng im Stich gelassen worden. Dies hatte der Rottenburger Bischof selbst gesagt. Er, Moser, habe Professor Küng um eine gegenüber einem vorausgegangenen Dokument weiterführende Erklärung seiner Position zu Händen des Papstes gebeten. Diese Erklärung hätte zum Ausdruck bringen sollen, dass Küng auf dem Boden des katholischen Glaubens steht. Dieses Schreiben hätte dem Hochschullehrer zugleich erlaubt, sein Gesicht zu wahren. Diese weitere Erklärung habe Küng verweigert.

Die Dramatik dieser Situation beschreibt Professor Küng selbst, wie Bischof Fürst betont. „Für Bischof Moser geht es um seine Existenz als Bischof, für mich um meine Existenz als Theologe, als Universitätslehrer“, heißt es in Küngs Buch. Dabei wirft Hans Küng Bischof Moser vor, dieser trage „nicht die eigene Haut zu Markte“, sondern gebe „die meine der Inquisition preis“, und er, Moser, versage „in entscheidender Stunde“. Professor Küng müsse sich umgekehrt fragen lassen, so Bischof Fürst, ob er nicht die Verantwortung eines Bischofs für seine Diözese seinem eigenen Absolutheitsanspruch rigoros unterordne.

Er schätze das Lebenswerk von Professor Hans Küng und verkenne nicht dessen persönliche Dramatik in der Auseinandersetzung mit Rom, betonte Bischof Gebhard Fürst. Dennoch sei er über manche harte, lieblose und aus seiner Sicht ungerechte Formulierung in Küngs Buch irritiert. Der verstorbene Bischof Georg Moser könne sich gegen eine Bewertung der Ereignisse nicht mehr selbst verteidigen. Deshalb erfordere es die Redlichkeit gegenüber den Fakten ebenso wie der Respekt vor der Würde seines Amtsvorgängers, diesen gegen den Vorwurf zu verteidigen, er sei „römisch angepasst“ und unglaubwürdig geworden. „Wer den Vorwurf der Unglaubwürdigkeit erhebt“, so Bischof Fürst, „der muss auch bereit sein, sein eigenes Verhalten kritisch zu überprüfen.“