Bischof Dr. Gebhard Fürst: Brief an alle pastoralen Mitarbeiter/-innen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart 2007

Am Geburtsort des Heiligen Martin, Szombathely

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den pastoralen Diensten und Ämtern,
liebe Schwestern und Brüder!

In den letzten Tagen des Juli habe ich mich mit über 130 Pilgerinnen und Pilgern unserer Diözese nach Mariazell in Österreich auf den Weg gemacht. Von meiner Wallfahrt grüße ich Sie alle sehr herzlich!

Heute, am zweiten Tag unserer Pilgerreise, sind wir in Ungarn am Geburtsort des Heiligen Martin eingetroffen. Bei der Eucharistiefeier in seiner Geburtskirche in Szombathely haben wir unseres Diözesanpatrons gedacht. In Ungarn geboren und in Frankreich begraben ist Martin - von 371 bis 387 Bischof von Tours – einer der großen Heiligen an der Wiege eines christlichen Europas.

In seiner Gestalt tritt uns anschaulich vor Augen, was einen Christenmenschen ausmacht. Martins Geschichte – insbesondere die Mantelteilung vor den Toren von Amiens - wird deshalb bis heute weiter erzählt, weil in ihr das Wort Jesu ‚was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan!’ (Mt 25, 40) lebendig und erfahrbar wird.

Martin gibt den Gläubigen und den kirchlichen Berufen, den Diensten und Ämtern in unserer Diözese Orientierung und Wegweisung für unsere Zeit: Wendet euch den Schwachen und Bedrückten aller Art zu, unterstützt die Unglücklichen! Martin erinnert uns unablässig daran, dass die Kirche Jesu Christi eine diakonische, eine helfende und heilende Kirche ist. ‚Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe!’(Joh 15,12) ruft Jesus uns zu. Und die Welt braucht gerade in unserer Zeit vorbildhafte Gestalten christlicher Liebe zum Nächsten – solche wie Sankt Martin!

Die Gestalt des Martin als Heiliger Europas ist für uns heute von großer Aktualität. Denn ich habe die Sorge, dass in unserer Gesellschaft und noch mehr im zusammenwachsenden Europa die an der christlichen Nächstenliebe orientierte soziale Dimension unseres Zusammenlebens Schaden nimmt und viele Menschen unter die Räder kommen. Martin ist für uns alle bleibende Mahnung und Aufforderung, zum Heil der Menschen wachsam zu sein, Aufmerksamkeit und Sympathie besonders denen zu schenken, die in Not geraten sind und die verloren zu gehen drohen.

In unserem Diözesanlied ‚Sankt Martin, dir sei anvertraut’ singen wir zurecht: ‚Sei nun zur Hilf für uns bereit, dass die Gemeinde sich bewährt und Hoffnung trägt in unsre Zeit.’ Ein Mensch wie Martin handelt im Moment der Mantelteilung spontan aus Liebe. Er macht durch sein Handeln die Liebe Gottes in unserer Welt sichtbar. Er ist in diesem tiefen Sinn ‚eine Ikone des Liebeszeugnisses’, wie Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika ‚Deus caritas est’ schreibt. Martin spornt uns an, so wie er auch heute zu handeln.

Liebe Schwestern und Brüder, unser Diözesanpatron, der Heilige Martin, möge uns immer mehr zum Vor-Bild werden, uns selbst und unsere Ortskirche in Christus zu erneuern! Der Heilige Martin möge immer mehr zur Orientierungsfigur und zum Leitbild unserer Pastoral werden! Es ist mir ein herzliches Anliegen, Ihnen dies vom Geburtsort des Heiligen Martin zu schreiben,.

In diesem Sinn grüße und segne ich Sie alle und wünsche Ihnen eine erholsame Ferienzeit!

Ihr

Bischof Gebhard Fürst

Zusammen mit mir grüßen Sie alle Wallfahrerinnen und Wallfahrer auf ihrem Weg nach Mariazell vom Geburtsort des Heiligen Martin!