Bischof Dr. Gebhard Fürst: Eingangswort bei der Ökumenischen Adventseröffnung 2006

Comburg

Lieber Bruder July, liebe Dekane Aldrighetti und Haug,
liebe Schwestern und Brüder!

Das lateinische Wort adventus heißt Ankunft. Wir gehen bewusst und in bewährter Tradition ökumenisch vereint in die Adventzeit.

Advent aber heißt nichts anderes, als dass wir uns auf das Kommen Gottes vorbereiten. Advent ist die Wartezeit auf Gottes Kommen in die Welt. Wie aber finden wir ihn vor? Ein neugeborenes Kind in Bethlehem, der kleinsten aller Städte. Statt Gott in Herrlichkeit eine Krippe. Statt eines kosmischen Ereignisses einen Stall. Gott ist gekommen, aber er kommt selbst als Mensch auf die Welt. Das stellt nun in der Tat alles auf den Kopf. Gott zieht uns durch seine Menschwerdung in seine Ewigkeit, seine Herrlichkeit hinein. Aber er tut dies, indem er Mensch wird. Mensch von Anfang, Mensch bis zum Ende. Ein Kind in der Krippe, ein Wanderprediger, ein Gekreuzigter auf Golgatha. Mit dem Kind in der Krippe ist Gott unser Bruder geworden. Gott kommt so zu den Menschen, dass er mit ihnen mitgeht, teilt, was sie erleben, sie nicht allein lässt in Not oder Trauer.

Gott selbst kommt und geht uns voran. Er ist uns in Jesus Christus längst vorausgegangen. Gott im Menschen Jesus an der Seite der in Trostlosigkeit Verbannten. Ein Hirte, der sich vor die Seinen stellt, sie sammelt, sie in sich birgt und dabei seinen Namen, seine Ehre, Leib und Leben aufs Spiel setzt. Ein Tröster, der die Ungetrösteten in ihrem Schmerz, in ihrer Tiefe aufsucht und sie so aus der Tiefe heraus hebt und trägt.

Das hat wunderbare, heilsame Folgen: wer getröstet ist, vermag seinerseits zu trösten, die des Trostes bedürfen. Wer in Ordnung gebracht ist, kann in Ordnung bringen; wer befreit ist, kann Türen zur Freiheit auftun und zur Freiheit anleiten; wer auf der vom Herrn geebneten Straße, aus seinen Gefangenschaften herausgeführt wurde, wird selbst Wege ebnen können; wer verstanden ist, kann andere verstehen und Gräben des Unverständnisses zuschütten; wer erhört ist, kann hören, zu-hören. So werden dann Straßen des Heils gebaut, so Bahnen geebnet. Straßen heilsamer Begegnungen und Bahnen, auf denen ein Zueinander und Miteinander möglich wird. Wir selbst werden durch Gottes Advent erneuert, durch das Kommen des Heilandes können auch wir dazu beitragen, dass in der Welt etwas mehr Heil-Land möglich wird.