Bischof Dr. Gebhard Fürst: Predigt bei der Lichterprozession an Christi Himmelfahrt 2009

Weingarten, Basilika St. Martinus

Schrifttext: Eph 1,17-23

Liebe Gemeinde des Heiligen Martin in Weingarten,
Verehrter Herr Apostolischer Nuntius, verehrter Pater Basilius,
liebe Pilgerinnen und Pilger,
liebe Schwestern und Brüder aus Nah und Fern!

Ich freue mich, dass wir in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum Blutfreitag in Weingarten mit dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset begehen können. - Exzellenz, sehr geehrter Herr Nuntius, ich heiße Sie sehr herzlich willkommen!

Ich danke Ihnen, dem Botschafter des Heiligen Vaters in Deutschland sehr, dass Sie meine Einladung zum Besuch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart schon vor Jahresfrist so spontan angenommen haben. Gestern Abend konnte ich Sie in der Bischofsstadt in Rottenburg willkommen heißen. Heute Vormittag haben wir Ehingen besucht, wo wir die Eucharistiefeier zum Fest Christi Himmelfahrt gefeiert und anschließend die große Öschprozession begangen haben. Wir werden am Samstag noch das Kloster der Franziskanerinnen von Bonladen besuchen und dann in der Landeshauptstadt Stuttgart die Konkathedrale und katholische Einrichtungen besichtigen. Nochmals herzlichen Dank, dass Sie, Exzellenz, uns ihre Zeit schenken, um unsere Diözese kennenzulernen.

Liebe Schwestern und Brüder, morgen tragen wir bei der größten Reiterprozession von Europa die Heilig-Blutreliquie durch die Straßen der Stadt Weingarten, durch die Fluren und Felder der Umgebung. 100 Blutreitergruppen mit ihren Standarten, Fahnen und Musikkapellen sind auf dem Weg. Die Reitergruppen beten auf den Wegen außerhalb der Stadt und der Blutreiter segnet die Menschen mit der Reliquie vom Heiligen Blut. Das ist kein Folkloreschauspiel wie manche kritisieren, sondern in Fest und Prozession wird augenfällig: Jesus Christus hat für uns alle gelebt und sein Leben, sein Blut für uns gegeben – uns allen zum Segen. Durch ihn sind wir gewiss, dass wir unter dem Segen Gottes leben, ja, dass Gott selbst mit uns ist.

Gott ist ein Freund des Lebens, er will unser Heil, das Heil eines jeden Menschen, im Leben und im Sterben, von der Zeugung bis zum Tod, ja hinein ins ewige Leben. Darum hat Gott uns seinen Sohn gesandt, der uns lehrte zu leben, zu lieben und sich einzusetzen für den Anderen; wenn es sein muss bis aufs Blut. Welch ein Segen ist dieser Glaube für unser aller Leben und Zusammenleben. Der Segen mit der Reliquie vom Heiligen Blut erinnert uns, dass wir in Christus Jesus Gesegnete sind. Der Segen mit der Reliquie vergegenwärtigt uns den Segen des Heiles von Gott.

Die große Reiterprozession stellt unseren Gottesglauben dar, vor aller Welt. Sie legt freudiges, farbenfrohes Zeugnis ab vom Gott mit uns.

Liebe Schwestern und Brüder, Papst Benedikt XVI. hat uns Bischöfen in seinem Brief vor einigen Wochen geschrieben, dass er es zu seinen erstrangigen Aufgaben zählt, „Gott in der Welt präsent zu machen.“ Eine Prozession, die Gottes Segen in die Welt und zu den Menschen bringt, macht auf ihre Weise Gott in der Welt gegenwärtig.

Papst Benedikt schreibt in seinem Brief: „In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht, wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt, und den Menschen Zugang zu Gott zu öffnen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, dass Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und dass mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichtes Orientierungslosigkeit in die Menschen hereinbricht, deren zerstörerische Wirkung wir immer mehr zu sehen bekommen.“ (Benedikt XVI., An die Bischöfe der katholischen Kirche, 12.3.09)

Wir dürfen Papst Benedikt dankbar sein dafür, dass er uns alle immer wieder erinnert an das wirklich Entscheidende unseres Christseins: Uns Gott zu vergegenwärtigen in unserem Leben und Zusammenleben. Der Blutfreitag in Weingarten ist ein solches öffentliches Zeugnis unseres Glaubens an Gott, der unser aller Heil will. Mit den Gottesdiensten und der großen Prozession öffnet sich ein Zugang zu Gott und tritt Gott in den Horizont des Menschen.

Dies geschieht in diesen Tagen in besonderer Weise. Darum bin ich froh und dankbar für dieses kraftvolle und eindrucksvolle Zeugnis des Glaubens!

Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, die sie mitwirken an dieser Glaubensdemonstration, auch Ihnen allen, die sie gekommen sind und mitfeiern auch nachher bei unserer Lichterprozession zum Kreuzberg: Ihnen allen möchte ich dafür herzlich danken. Sie legen durch ihr Dasein und Mitwirken Zeugnis ab vom Gott unseres Heiles. Ihr Zeugnis macht Gott gegenwärtig in der Welt! Der Blutfreitag in Weingarten rund um die größte barocke Klosteranlage Europas diesseits der Alpen verbunden mit dem Konvent der Benediktiner der Abtei, ist ein öffentliches Zeugnis von unserem Glauben an Gott, der unser aller Heil will.

Dies alles geschieht nicht im stillen Kämmerlein. In aller Öffentlichkeit segnet der Blutreiter mit der Reliquie die Menschen. Mitten auf den Straßen dieser Stadt. Von Jesus Christus geht ein heilsamer Segen aus für uns alle. Hier lebt und wirkt christliche Religion in aller Öffentlichkeit, für alle Menschen. An vielen anderen Orten und bei vielen anderen Prozessionen in Oberschwaben ist das so. Dafür sind wir alle dankbar in diesem, unserem traditionsreichen Land. Die Prozessionen tragen unseren Glauben aus dem Binnenraum der Kirchengebäude hinaus in den öffentlichen Raum, hinein in das Leben der Menschen.

Für viele ist gerade das ein Ärgernis. Religion sei doch etwas ganz persönliches, privates, aber keine öffentliche Angelegenheit, sagen sie. Deshalb habe sie auch nichts verloren in der Öffentlichkeit, nichts in öffentlichen Einrichtungen wie z. B. der Schule. Wir kennen den Streit um die Kreuze in den Klassenzimmern. Und auch das Abstimmungsergebnis in Berlin um den Religionsunterricht erklärt sich vor diesem Hintergrund. Hier und heute aber, liebe Schwestern und Brüder, setzen wir ein heilsames, ein notwendiges und von der Sache des Evangeliums her richtiges öffentliches Zeichen: Denn die christliche Religion ist nichts Privates, sie drängt von ihrem Wesen darauf, in der Öffentlichkeit, mitten in unserer Gesellschaft, mitten in der jeweiligen Zeit Rechenschaft abzulegen vom Grund unserer Hoffnung.

Sie drängt uns, Zeugnis zu geben von der Kraft unseres Glaubens. Und das ist für alle gut so! Denn das Christentum ist ein wichtiger, ein unverzichtbarer Nährboden für unser Gemeinwesen. Genau das zeigen wir heute und morgen: Mit den Gottesdiensten und der großen Prozession tritt Gottes Heil in den Horizont der Menschen, findet er neu Eingag in die Herzen der Menschen.

Wir feiern unseren Glauben in einer Zeit, in der die Gefahr wächst, dass unsere christlichen Wurzeln in Vergessenheit geraten. Deshalb müssen wir diese Wurzeln wieder ins Bewusstsein rufen.

Gerade heute bedarf es der Besinnung, um die eigenen Ursprünge nicht zu vergessen und so orientierungslos einer ungewissen Zukunft entgegenzutaumeln: in Deutschland und in Europa, dessen Parlament wir bald wählen! Gehen sie wählen, Schwestern und Brüder!

Die katholische Kirche hat im Prozess um das zusammenwachsende Europa immer wieder auf diese geistige Grundlage Europas hingewiesen und gemahnt, den geistigen und geistlichen Nährboden nicht zu vergessen. Zu ihnen gehört ganz wesentlich die christliche Glaubenstradition.

Auch hierzu gibt Papst Benedikt wegweisende Worte. Er schreibt:

Das ‚Haus Europa’, wie wir die Gemeinschaft dieses Kontinents gerne nennen, wird nur dann ein für alle gut bewohnbarer Ort, wenn es auf einem soliden kulturellen und moralischen Fundament von gemeinsamen Werten aufbaut, die wir aus unserer Geschichte und unseren Traditionen gewinnen. Europa kann und darf seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen. In Europa ist zuerst der Begriff der Menschenrechte formuliert worden. Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Abtreibung kann demgemäß kein Menschenrecht sein – sie ist das Gegenteil davon. Sie ist eine ‚tiefe soziale Wunde’.“

Und dann fährt Papst Benedikt mit einer bemerkenswerten Überlegung fort: „Mit alledem spreche ich nicht von einem speziell kirchlichen Interesse. Vielmehr möchte ich mich zum Anwalt eines zutiefst menschlichen Anliegens … machen. Ich sage das aus Sorge um die Humanität.“ Soweit Papst Benedikt.

Liebe Schwestern und Brüder, das Christentum, der christliche Glaube und die Kirche sind der beste Anwalt der Grundrechte aller Menschen. Sie sind darum auch der beste Verbündete unseres Grundgesetzes! Wenn das aber so ist, müssen wir alle auch und gerade die in der politischen Verantwortung Stehenden, dazu beitragen, dass diese Wurzeln und Quellen auch geschützt, gepflegt und erhalten werden.

In wenigen Tagen feiern wir in Deutschland ‚60 Jahre Grundgesetz’. Das Grundgesetz ist unbestritten die freiheitlichste Verfassung unserer Geschichte. Und doch lässt sich fragen: Wir haben zwar eine hervorragende Verfassung. Aber sind wir selbst darum schon in guter Verfassung? Wie wird es weitergehen? Das Grundgesetz ist erwachsen aus den Erfahrungen der schrecklichsten, der gottlosesten Zeit unserer Geschichte. Deshalb haben die Verfasser des Grundgesetzes in der Präambel die „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ verankert.

Diese Verantwortung vor Gott neu zu beleben in allen Bereichen unseres Handelns ist die große Aufgabe unserer Zeit. Lebendige Religion und religiöses Leben fördern diese Verantwortung vor Gott.

Religion ist ein Entstehungsgrund und ein Geltungsgrund (P. Kirchhof) unserer Verfassung. Wir alle wissen, dass der Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren oder gar hervorbringen kann (Böckenförde). Zu diesen Voraussetzungen unseres Grundgesetzes gehört ganz wesentlich die christliche Tradition "weil die Verfassung nicht allein durch einen Willensakt entsteht, sondern Ausdruck ist der gewachsenen Kultur.“ (Paul Kirchhof). Was beispielsweise der verengte Blick auf eine allein ökonomische Freiheit für Folgen zeitigt, das lässt sich ja gerade am Beispiel der Finanzkrise begutachten. Unser geltendes Recht hat Voraussetzungen. "Und diese Voraussetzungen sind in unserer Kulturtradition gewachsen, erprobt. Ohne diese Hochkultur hätten wir diese Verfassung, das deutsche Grundgesetz, nicht." So eine herausragende Persönlichkeit in unserer Gesellschaft. Und weil "die Verfassung die Früchte des Christentums" nützt, zum Beispiel bei der Entwicklung unserer Vorstellung von Menschenwürde, ist es konstitutiver Bestandteil unserer Verfassung - das gilt bei aller weltanschaulichen Neutralität. In einfacheren Worten: Unsere Gesellschaft ruht auf Grundlagen, für die wir sorgen, die wir pflegen müssen.

Unser Gemeinwesen speist sich aus christlich-religiösen Wurzeln, die sorgsam behandelt und nicht mit Füssen getreten werden dürfen. Wir alle leben aus Quellen, die wir nicht mutwillig oder auch nachlässig vergiften oder gar zuschütten dürfen. Andernfalls laufen wir Gefahr, unsere Menschlichkeit selbst zu verlieren. Genau in dieser Linie sehe ich auch die lebendigen christlichen Traditionen, wie wir sie in unserer Diözese gerade hier in Oberschwaben erleben können.

Wir alle sind aufgerufen in unserer Zeit, den Glauben zu feiern, mit guten Argumenten für die Bedeutung Gottes für unsere Welt zu streiten, unseren Glauben aber auch in tätiger Nächstenliebe, in der Caritas zu bezeugen.

Papst Benedikt XVI. schreibt in seiner ersten Enzyklika «Deus caritas est» - Gott ist Liebe – von der Unentbehrlichkeit der Caritas. Sie ist, so schreibt der Papst, „für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst“ (Nr. 25a).

Als Konsequenz aus dieser inneren Wesensbestimmung der Kirche ruft Papst Benedikt zur Universalität der Liebe auf und verweist dabei auf den programmatischen Urtext jeder kirchlichen Caritas, das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter: „Die Kirche ist Gottes Familie in der Welt. In dieser Familie darf es keine Notleidenden geben. Zugleich aber überschreitet Caritas-Agape die Grenzen der Kirche.“ (25b, vgl. Lk 10,31 und Gal 6,10)

Die Entwicklung in Staat, Politik und Gesellschaft fordern die Kirche heraus, sich der neuen „Armen und Bedrängten aller Art“ (Gaudium et Spes 1) anzunehmen. Sie verlebendigt damit die Sache des Evangeliums und schließt an eine starke Tradition an, die so alt ist wie das Christentum.

Diese Tradition gelebter Caritas ist für den missionarischen Erfolg des jungen Christentums von größter Bedeutung gewesen. Christen sind Anwälte für das Heil und Heilsein des Menschen und des ganzheitlichen Gelingens seines Lebens im umfassenden Sinn. Sie treten damit ein in die Lebenspraxis Jesu. Die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihr missionarisches Wirken wird von der Verlebendigung der inneren Kraft der Caritas nur profitieren. Denn damit kommen wir einerseits dem Auftrag des Evangeliums nach und sorgen zugleich dafür, dass die soziale Dimension der Kultur unserer Gesellschaft hier in Deutschland und europaweit keinen nachhaltigen Schaden nimmt.

Wir deutschen Bischöfe stellen in unserem Schreiben „Zeit zur Aussaat“ (2000) unmissverständlich fest: „Die Kirche sucht, in dem was sie tut und wie sie sich darstellt, ihr Leben aus dem Glauben zu bezeugen. Das drückt sich besonders durch das Zeugnis der Nächstenliebe aus, wie wir es in persönlicher und amtlicher Caritas wahrnehmen dürfen, in der Sorge für Arme, Kranke, Alte, für Menschen mit Behinderung, für Alleinstehende und Fremde.“ – Soweit unser Wort. Was wir in unserer Diözese als diakonische Kirche leben wollen, findet in den Worten des Heiligen Vaters und in den Worten der deutschen Bischöfe seine theologisch herausragende Begründung. Auch hier dürfen wir dankbar sein, wie Papst Benedikt das Wesen des christlichen Glaubens als Liebe, als Nächstenliebe fasst.

Die zahlreichen und vielfältigen Einrichtungen der Caritas, die diese christlich-karitative Dimension verwirklichen, verstehe ich als Orte von zeichenhafter Vergegenwärtigung katholisch-kirchlichem Lebens im Sinne von Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Ich verstehe sie als Orte des Zeugnisses für den Glauben an Gott und die Verantwortung für die Menschen. In Orten dieser Einrichtungen kann erfahren werden, was christliche Nächstenliebe, ‚Caritas’ heißt und wie sie sich heute verwirklichen läßt, wie Caritas auf Menschen wirkt und was sie für sie bedeutet. Karitative Einrichtungen handeln aus christlichem Selbstverständnis, sie sind deshalb eine unverzichtbare Lebensäußerung der Kirche.

In den sozial-karitativen Einrichtungen geschieht Glaubensverkündigung durch kompetent helfendes, heilsames Lebenszeugnis. Hier wird das innere Wesen von Kirche öffentlich sichtbar und erlebbar. Wo dies geschieht, wo wir heute diakonische, caritative Kirche sind und leben, wird Kirche glaubwürdig. Wahrhaft diakonische Kirche ist zugleich in ihrer Wirkung missionarische Kirche.

Liebe Schwestern und Brüder, Sie werden also verstehen, warum mir als Bischof die caritativ-diakonischen Einrichtungen und Stiftungen in unserer Diözese so wichtig sind. In ihnen gewinnt oder verliert unsere Kirche ihren Glaubwürdigkeitstest. Auch deshalb liegen sie mir am Herzen und deshalb möchte ich all meine Kraft einsetzen, dass sie sich im Interesse und zum Heil der Menschen in unserer Zeit als kirchliche Einrichtungen im Konkurrenzkampf behaupten können. Ich danke allen in diesen Einrichtungen, die wir in so reichem Maße haben, für ihren Einsatz im Dienst der Nächstenliebe. Sie, liebe Schwestern und Brüder in den karitativen Einrichtungen, sind lebendige Glaubenszeugen.

Die Menschen brauchen heute angesichts solcher Orientierungslosigkeit das Zeugnis unseres gelebten Glaubens, die Wärme unserer liebenden Nähe. Die Gottesdienste heute Abend und morgen und die festliche Feier der Eucharistie nach dem Empfang der Heilig-Blutreliquie und zum Abschluss der Reiterprozession sind Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen. Die Liebe zu Gott ist die Kraftquelle der Liebe zum Nächsten, besonders zu den Armen und Bedrängten aller Art. Denn Jesus ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. (Lk 7) Das sagt Er von sich selbst. Dafür steht seine Person, seine Liebe zu uns, sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung. Dafür hat er gelebt und geliebt, dafür hat Er sein Blut gegeben. Darin zeigt sich Gottes Liebe zu uns Menschen. In unseren Gottesdiensten und Prozessionen bezeugen wir dies.

Liebe Schwestern und Brüder, mit unserer Lichterprozession setzen wir gleich ein wichtiges Zeichen hinein in die Dunkelheiten unserer Zeit. Ein Zeichen, dass wir heute und auch morgen als Christen aufstehen für das Leben, dass wir eintreten für unseren Glauben, dass wir uns auf den Weg machen, um Zeugnis abzulegen für die heilende Kraft des Christentums!

Das können wir von Jesus Christus lernen und an die Welt weitergeben: Er hat sein Blut für die Menschen, für uns gegeben.

Für uns und zu unserem Heil ist Gott in ihm Mensch geworden, für uns und zu unserem Heil ist er am Kreuz gestorben: Im Kreuz ist Heil! Er hat sich hingegeben für uns – so sind wir erlöst. Darum muss eine missionarische Kirche in unserer wie zu jeder Zeit immer auch eine diakonische, eine dienende Kirche sein. Dazu segnet uns das Heilige Blut.

Liebe Schwestern und Brüder, die Worte des Apostels Paulus über Jesus Christus und die Christen, die ich abschließend weitergeben möchte, sie gelten auch uns heute: ‚Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen erweist.’ (Eph 1,18f)

Seien wir darum selbstbewusster als Christen! Uns ist eine heilsame und heilende Botschaft anvertraut wie es sonst keine gibt weit und breit! Tragen wir diese frohe Botschaft ins Leben. Und darum ist es nicht nur ein gutes, sondern auch ein höchst sinnvolles Zeichen, dass wir hier am Vorabend des Blutfreitags die Prozession der Lichter feiern. Tragen wir das Licht Christi in aller Öffentlichkeit! Tragen wir es auf die Straßen und Plätze, in die Köpfe und vor allem auch in die Herzen und Hände der Menschen!

Amen.