Bischof Dr. Gebhard Fürst: Predigt zur Priesterweihe 2013

Weingarten, Basilika St. Martinus

Schriftlesungen: 1 Sam 3,3b-10.19 – Joh 13, 1-15

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben an Jesus Christus,liebe Familien und Freunde unserer Weihekandidaten,liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst!

Heute ist ein schöner Tag! Heute ist obendrein ein guter Tag! Wir alle freuen uns und sind sehr dankbar! Heute stehen in der Basilika zum Heiligen Martinus von Weingarten zehn Diakone vor uns. Sie haben sich vor Gott und uns allen bereit erklärt, Priester zu werden und im Vertrauen auf Gott den Menschen zu dienen.

Sie treten heraus und sprechen für ihr ganzes Leben: "Hier bin ich!" - Ich bin bereit vieles zu lassen und zu verlassen und mich ganz zu geben in den Dienst an der frohen Botschaft Jesu Christi für das Wohlergehen und Heil der Menschen. - Das ist alles andere als selbstverständlich. Erliegen wir alle heutzutage oft der Gefahr, dass wir nur um uns selbst kreisen, dabei die Not um uns herum übersehen, den Nächsten vergessen, ja dass wir den Mitmenschen als Hindernis unserer Selbstverwirklichung sehen? Wider diesen Un-Geist der Selbstverliebtheit sind dienende Menschen, sind Diener der Botschaft Jesu Christi Gegen-Zeichen zugunsten aller, die jemand brauchen, der ihnen hilft.

Liebe Diakone! Deshalb sind Sie ein großes Geschenk für Menschen, für unsere Kirche. Gerade in der bedrängenden Zeit, die wir durchleben. Sie, liebe Diakone, bekunden heute, dass Sie in der Nachfolge Jesu Christi Menschen nicht benutzen wollen für ihr eigenes Fortkommen, sondern dass sie Menschen dienen wollen, zu ihrem Heilsein. Dass Menschen ihr Leben nicht verspielen, sondern ihr Wohlergehen gewinnen bis zur Vollendung in Gott, dazu lassen Sie sich senden. So sind Sie, liebe Diakone, Botschafter einer dienenden Kirche, einer diakonischen Kirche.

Liebe Schwestern und Brüder! Auch in einer schweren Stunde der Kirchengeschichte ruft am Ende des Zweiten Weltkriegs Alfred Delp die Kirche auf, eine den Menschen dienende Kirche zu werden. "Rückkehr in die 'Diakonie', Rückkehr zum selbstlosen Dienst am Menschen, sage ich. Damit meine ich das Nachgehen und Nachwandern auch in die äußersten Verlorenheiten und Verstiegenheiten des Menschen, um bei ihm zu sein."

"Geht an die Peripherie der Existenzen der Menschen", sagt heute Papst Franziskus. Und er geht nach Lampedusa zu den gestrandeten Flüchtlingen. Das meint "Nachgehen und Nachwandern auch in die äußersten Verlorenheiten des Menschen". So handelt, so lebt diakonische Kirche!

Durch die Weihe zum Priester legen Sie, liebe Weihekandidaten dieses ihr Diakonsein nicht ab, nein, Sie bleiben immer Priester einer pilgernden Kirche in der Nachfolge Jesu, "der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen." Sie wissen das. Und Sie haben deshalb das Evangelium der Fußwaschung für ihre Priesterweihe gewählt. Jesus, der "Meister und Herr", wie seine Jünger ihn nennen, tut an ihnen einen Sklavendienst. Er erniedrigt sich zum Dienst an ihnen.

Folgen Sie dem Beispiel Christi darin, den Mitmenschen, den Fremden, den Verlorenen, den Verängstigten und Verzweifelten den Dienst zu tun, sie zu lieben. - Sie wollen und sollen sich vom Geist Jesu leiten lassen und mit ganzem Herzen und der ihnen zu Verfügung stehenden Kraft für Menschen da sein, die sie brauchen. So verkünden sie als priesterliche Seelsorger das rettende und erlösende Wort Gottes und spenden die heilsamen und heiligenden Sakramente der Kirche. Allein aus sich selbst vermag niemand dieser Berufung gerecht zu werden. Aus der Gottesbeziehung, liebe Weihekandidaten, und deshalb aus dem immerwährenden Gebet, erwächst ihnen die Kraft für ihr priesterliches Leben!

Liebe Weihekandidaten! Sie lieben Jesus Christus und seine Botschaft. Aber lassen auch Sie sich von Christus lieben, der sich zu Ihnen herunterbeugt. Lassen Sie sich, so wie schließlich Petrus an sich den Liebesdienst Jesu hat geschehen lassen, von Christus lieben. Sich von Jesus Christus lieben lassen, weil wir dieser seiner Liebe bedürfen, das ist der Schlüssel zur wirklichen Gemeinschaft mit IHM. Nicht durch eigenes Tun und Können, sondern durch die Liebe Christi, die er mir erweist, werde ich selbst fähig, andere zu lieben. Sich eingestehen, dass wir nicht stark sind aus eigener Kraft, dass wir der Liebe Jesu Christi bedürfen, das musste Petrus erst lernen. Kein Jünger Christi findet zum Jüngersein ohne diese Lernerfahrung. Halten Sie Jesus Christus Ihre eigene Bedürftigkeit hin, Ihre Fehler und Ihr Versagen, halten Sie ihm das alles so hin, wie Petrus dann doch seinen Fuß Jesus hinhält, dass Jesus Christus ihn wasche und so Anteil an ihm erhält, Gemeinschaft mit ihm! So werden sie erfahren: Gottes Kraft geht alle Wege mit! Gemeinschaft in der Liebe Christi, der sein Leben für uns gibt, damit wir unser Leben für andere geben können. Das ist das Geheimnis der Fußwaschung genauso wie dies auch das Geheimnis der Feier der heiligen Eucharistie ist.

Liebe Schwestern und Brüder! Unsere Kirche braucht Priester, sonst kann sie nicht sein, was sie ist, nämlich eucharistische Kirche: Kirche, Volk Gottes, das aus Wort und Sakrament, aus der Verkündigung der Frohen Botschaft und der Feier der Eucharistie lebt. Die Gemeinden, denen ein Priester fehlt, spüren den Priestermangel besonders als Mangel an Eucharistie; als Mangel an der lebendigen Vergegenwärtigung der großen Liebe Gottes zu uns, die von Jesus Christus, seinen Worten und Taten, seinem Tod und seiner Auferstehung, ausgeht.

Liebe Schwestern und Brüder, zum Schluss habe ich eine Bitte an sie alle! Ich wünsche mir auf dem Weg der geistlichen Erneuerung unserer Kirche, dass unsere Gemeinden den eucharistischen und diakonischen Dienst unserer Priester für die Menschen und für unsere Kirche neu sehen und schätzen lernen. Ich möchte die Wertschätzung, die ich mir für unsere Priester wünsche, auch auf ihre zölibatäre Lebensform ausdehnen. Die Ehelosigkeit unserer Priester ist lebendiges Zeichen dafür, dass sie um Gottes willen in der Spur Jesu Christi den Menschen nahe sein wollen in den dunkelsten und verlorensten Stunden ihres Lebens.

Liebe Mitbrüder, in ihrem priesterlichen Amt, auf Ihrem priesterlichen Weg, dürfen Sie gewiss sein: Christus selbst geht mit Ihnen, auch Ihnen bricht er in der Feier der Eucharistie immer wieder das Brot des Lebens und reicht den Kelch des Heiles. Darin erfahren Sie IHN als gegenwärtig. Jesus Christus beruft Sie mit seinem Wort: Meine Freunde seid ihr – "ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe." (Joh 13,15)

Amen.