Bischof Dr. Gebhard Fürst: Schöpfungsglaube und Schöpfungsverantwortung 2009

Stuttgart, Haus Stella Maris

Wer aufmerksam Themen und Diskussionen in der Gesellschaft verfolgt, der stößt immer wieder auf eine Gemengelage von Themen die – durchaus auch im Umfeld der Sorge um den Zustand der Umwelt und die Klimaentwicklung um die Frage nach der Schöpfung und in diesem Zusammenhang um die Frage nach Gott, um die Auseinandersetzungen um die Evolutionstheorie, den Kreationismus und das intellegent design drehen. Dazu gehört auch die Frage: darf der Mensch dem Schöpfer ins Handwerk pfuschen: Fragen der Gentechnologie und der Frage, wer ist Herr über Leben und Tod?

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

gestatten Sie mir, dass ich in einem kleinen inhaltlichen Impuls auf ein Thema zu sprechen komme, das vordergründig zunächst seinen aktuellen Anlass im Gespräch zwischen christlichem Glauben und Naturwissenschaft, zwischen Evolutionslehre und Schöpfungsglauben hat. Ein Gespräch, dessen Hintergrund aber sehr viel über Entwicklungen in unserer Gesellschaft und allgemeine Grundhaltungen verrät, Entwicklungen, bei denen es mir wichtig erscheint, hier aus kirchlicher Sicht auch öffentlich Stellung zu beziehen.

I. Der Hintergrund

Das Jahr 2009 wurde vielfach als Darwinjahr ausgerufen. Vor 200 Jahren, am 12. Februar 1809, wurde Charles Darwin geboren. Zudem veröffentlichte Darwin sein zentrales Werk ‚Über die Entstehung der Arten durch natürliche Auslese’ im November 1859, also vor 150 Jahren.

Darwins Theorie war eine Antwort auf die zu seiner Zeit in der Luft liegende Frage nach der Konstanz oder Veränderlichkeit der Arten. Und es ist auch heute unbestreitbar, dass der Kerngehalt des Darwinismus – Selektion als ein mächtiges Motiv bei der Entwicklung der Artenvielfalt – bisher die tauglichste Hypothese zur Erklärung der biologischen Geschichte ist. Was die Frage von allem Anfang theologisch brisant machte, hat mit unserem Staunen vor der ungeheuren Vielfalt und Komplexität der Organismen zu tun.

Die Evolutionslehre war lange Zeit auch mit ungeprüften weltanschaulichen Voraussetzungen belastet, die den Konflikt mit dem christlichen Glauben verstärkten. So wurde die Grundüberzeugung auch in andere Wissenschaften und Kulturgebiete übertragen, nicht zuletzt auch auf die Ethik, dass nämlich die Evolution die Best-Angepassten mit dem Sich-Durchsetzen belohnt. Dieses „Recht des Stärkeren“ wurde dominant. Eine vergröbernde und gezielte Popularisierung brachte erst voll den Konflikt. Das Darwin-Jahr 2009 hat die Auseinandersetzung um die Frage Darwinismus und Schöpfungsglaube verschärft. Mit der Ablehnung des Schöpfungsglaubens geht auch die Bestreitung Gottes einher. Der Darwinismus liefert vielen das Argumentationsmaterial für die atheistische Position, Gott existiere nicht.

Vereinfacht wird z.B. gesagt: Der Mensch hat sich aus dem Tierreich entwickelt, also braucht es keinen Schöpfer, überhaupt entstehe und entwickle sich das Leben aus sich selbst. Deshalb gelte es den unaufgeklärten Schöpfungs- und Gottesglauben endlich ad absurdum zu führen.

Wie weit das geht, zeigen besonders deutlich die Forderungen der Giordano-Bruno Stiftung anlässlich des Darwin-Jahres: Ein „Evolutionsfeiertag“ solle das Fest Christi Himmelfahrt ersetzen, wird gefordert. Denn der Staat, so die Bruno-Stiftung, müsse den Atheismus bei den Feiertagen gleichberechtigt berücksichtigen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

das ist der von mir skizzierte größere Kontext und Hintergrund: Aus einem unterschwellig vorhandenen Agnostizismus ist ein offensiv auftretender und sich inszenierender ‚neuer Atheismus’ geworden. Hierzu möchte ich gern Stellung beziehen.

Hierzu zunächst konkret einige Bemerkungen im Umkreis von Darwin’schem Evolutionsverständnis und Schöpfungsglauben aus christlichem Glauben. Dabei ist unaufgeregten Zeitgenossen seit langem klar: Die Naturwissenschaften und die theologische Deutung der Weltentstehung gehen zunächst einmal verschiedene Wege und dürfen nicht miteinander vermischt werden. Dabei lässt sich durchaus sagen: Die Evolutionstheorie ist, sofern sie nicht über ihre Methode hinausgehende Aussagen trifft, grundsätzlich mit der Bibel und der kirchlichen Lehre vereinbar, da es sich dabei eben um zwei Sichtweisen auf ein Geschehen handelt: einerseits um die naturwissenschaftliche Erklärung, andererseits um die theologische Dimension und Deutung der Entstehung der Welt und der Schöpfung insgesamt. Diese Klärung ist längst erfolgt. Sowohl Natur- als auch Geisteswissenschaftler sind sich darüber einig, dass weder die Tatsache der Evolution noch die darwinistische Interpretation auf Fragen nach dem Sinn beschriebener Ereignisse Antworten geben können. Denn Fragen über Sinn und Bedeutung einer Entwicklung liegen ausdrücklich jenseits des Bereichs der Naturwissenschaften.

Man kann sich nur wundern, wie wenig in der derzeitigen, aus Anlass des Darwinjahres lautstark inszenierten Diskussion Kenntnisse über die intensive Auseinandersetzung der Theologie mit einem evolutiven Weltverständnis wirksam sind. Teilhard de Chardin – um einen prominenten Namen zu nennen – hat hier über viele Jahrzehnte Bedeutendes geleistet.

Denn Teilhard war nicht nur ein brillanter Theologe, sondern auch ein Naturwissenschaftler und Forscher mit großen Kenntnissen gerade im Bereich der Evolutionsforschung. Mit seinem so klaren wie einfachen Merksatz ‚Gott macht, dass die Dinge sich selber machen’ baute er eine tragfähige Brücke zwischen den verschiedenen Denk- und Deutungsmustern, mit denen Naturwissenschaft und Glaube die Entstehung der Welt erklären. Gott macht, dass die Dinge sich selber machen: Es wird also kein plumper Denkgegensatz zwischen den wissenschaftlichen Erklärungsmustern etwa der Evolutionsforschung und der Genetik einer- und den Glaubenssätzen der Schöpfungserzählungen andererseits aufgebaut. Solche tiefer gehenden, heute aber weithin anerkannten Grundlagen der Verständigung werden von populistisch vereinfachenden Autoren bewusst ignoriert.

Ein lautstarker Neo-Atheist in Deutschlands z.B. lässt die Heldin seines Kinderbuchs mit dem Titel: ‚Susi Neunmalklug erklärt die Evolution’ die Schöpfungserklärung ihres Lehrers mit Häme und Gelächter kommentieren: „Einen so doofen Gott kann es gar nicht geben! Gott ist so was wie ein Riesen-Osterhase für Erwachsene!“ Für Susi Neunmalklug ist klar, dass allein Urknall und Evolutionslehre als Ursache und ausreichende Erklärung für die Entstehung von Welt und Menschen ausreichen. Hier wird auf den ersten Blick klar, dass diese Polemik keineswegs einen modernen Gottes- und Schöpfungsglauben, sondern allenfalls dessen verkürzte Karikatur den Kreationismus trifft. Dieser vor allem in Amerika existierende Kreationismus erklärt die biblische Schöpfungsgeschichte für ein naturwissenschaftliches Lehrbuch über die tatsächliche Entstehung des Universums und des Lebens.

Die theologische Schöpfungslehre fragt dagegen, warum überhaupt etwas ist. Den Schöpfungsaussagen der Bibel geht es nicht um eine Beschreibung des Wie, sondern um ein grundlegendes Verständnis für das Das des Seins. Es fällt in die Kompetenz der Naturwissenschaften zu erklären, wie die Welt entstanden ist; auf dieser Ebene lassen sich aus dem biblischen Schöpfungsglauben und dem theologischen Schöpfungsbegriff keine Aussagen ableiten, die in Konkurrenz zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Theorien treten könnten. Versuche, beide Denk- und Sprachwelten zusammen zu zwingen, übersehen etwas ganz Grundlegendes. Biblische Schöpfungsaussagen sind keine protokollartigen Berichte über den Entstehungsvorgang der Welt, sondern ursächliche Sinndeutungen. Der Glaube der Bibel, dass die Schöpfung – ich rede bildlich – im Letzten aus der Hand des Schöpfers kommt, und mein eigener Glaube an den Schöpfer müssen also durch die Erkenntnisse der Evolutionstheorie nicht in Frage gestellt werden, da es sich um zwei unterschiedliche Erkenntniswege handelt. Sie bereichern sich gegenseitig. Wer behauptet, das Schöpfungsglaube und naturwissenschaftliche Erklärung einander ausschlössen, stellt eine irrtümliche Behauptung auf.
In solchen Behauptungen wird bewusst ignoriert, wie differenziert und sauber argumentiert es längst Gespräche, Austausch und Verständigung zwischen Theologie und Naturwissenschaft gerade auch auf dem Gebiet der Evolutionsfragen gibt. Hier wird einfach verschwiegen, dass in der Katholischen Kirche auch lehramtlich längst eindeutig und höchst differenziert Stellung genommen wurde.

So hat bereits Papst Pius XII. in einer Rede aus dem Jahr 1941 und später in der Enzyklika „Humani generis“ (1950) eindeutig erklärt, dass die Kirche nichts dagegen einzuwenden habe, dass „die Evolutionslehre (insofern sie nämlich den Ursprung des menschlichen Leibes aus schon existierender und lebender Materie erforscht) … gemäß dem heutigen Stand der menschlichen Wissenschaften und der Theologie in Forschungen und Erörterungen von Gelehrten in beiden Feldern behandelt werde, und zwar so, dass die Gründe beider Auffassungen, nämlich der Befürworter und der Gegner, mit der nötigen Ernsthaftigkeit, Mäßigung und Besonnenheit erwogen und beurteilt werden.“ Und in eben dieser Richtung hatte etwa Papst Johannes Paul II. 1985 eindeutig erklärt: „Recht verstandener Schöpfungsglaube und recht verstandene Evolutionslehre stehen sich nicht im Wege: Evolution setzt Schöpfung voraus.“ Gerne erinnere ich hier auch nochmals an den Merksatz von Teilhard: „Gott macht, dass die Dinge sich selber machen.“ Christlicher Schöpfungsglaube geht davon aus, dass Gott die Grundlage, den Ausgangspunkt, den notwendigen (inneren und äußeren) Impuls gibt, dass überhaupt Werden und Entstehen beginnen und sich Vielfalt entfalten kann.

Der Konkurrenzsituation zwischen Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben ist eine hinreichende Absage erteilt. Gott ist nach christlichem Verständnis kein Handwerker, der als Lückenbüßer eingreift und einfach nur mehr oder weniger statische Dinge macht. Er ist nach moderner, theologisch-kirchlich weithin akzeptierter Schöpfungstheologie vielmehr die Ursache, die Grundlage, die ermöglicht, dass etwas entsteht, wächst und sich entwickelt.

Gegenwärtig scheint es allerdings so, dass die Auseinandersetzung im Umkreis des Darwinismus und der Evolutionslehre für manche nur ein willkommener Anlass ist, um hier auch grundsätzlicher aus einer atheistischen Position heraus gegen Glauben, Christentum und Kirche zu polemisieren. Gemäß der Maxime: ‚Eine Institution, die einen – so wie Susi Neunmalklug das formuliert - Gott als ‚Oster-Hasen für Erwachsene’ vorstellt, ist auch ansonsten für denkende Menschen keineswegs ernst zunehmen und trägt allenfalls zur Verdummung bei.’

II. Darwinismus und der ‚neue Atheismus’

Mir scheint, dass es dringend erforderlich ist, dass wir uns im Zusammenhang mit den Fragen des Darwinismus auch mit einem in letzter Zeit aggressiver werdenden Atheismus beschäftigen. Denn teilweise ist der Eindruck nicht von der Hand zu weisen, dass einige Organisationen wie etwa die Giordano-Bruno-Gesellschaft oder die sogenannte Humanistische Union das Darwinjahr nur als Vehikel benutzen, um ihre Thesen auf offensiv werbende und teilweise auch auf subtil-aggressive Art in die Gesellschaft hineinzutragen. Und darum gilt es für uns, hier sehr wachsam zu sein, zur notwendigen Klärung und Unterscheidung der Geister beizutragen und selbst offensiv Stellung zu beziehen.

Als Beispiele möchte ich das infame Buch des sich selbst als einen atheistischen Philosophen bezeichnenden Autors nennen mit dem Titel ‚Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen’. Worum geht es darin? Das Buch stellt auf äußerst tendenziöse Weise die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam vor. Die Zielrichtung dabei geht weiter. Denn die Frage, ob einem religionsfreien Kind ‚etwas fehlt’, wird dabei aus der Perspektive des weltlichen Humanismus beantwortet: „Und die Moral von der Geschicht': Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht ...“
Andere Beispiele ließen sich anführen. Was aber steckt dahinter?

Eines der wichtigsten Argumente der Religionskritiker ist es, den Gottesglauben aus einem Bedürfnis des Menschen heraus zu erklären. Es gibt vital-biologische Bedürfnisse, für die man Gott nicht braucht. Dieses Denkmuster des nach menschlichen Bedürfnissen geschaffenen Gottes (schon von Ludwig Feuerbach her bekannt, doch auch schon aus der antiken Polemik gegen den Götterglauben) begegnet heute wieder. Allerdings, das muss man sagen, in einer plumpen und plakativen Art. Über die Dürftigkeit der Argumente kann man sich nur wundern.

Andere erklärte Atheisten distanzieren sich von so dürftigem Argumentationsniveau, weil sie wissen, dass diese Art plumper Polemik die eigenen, seriös vorgetragenen atheistischen Positionen nur schaden kann.
Der amerikanische Autor Richard Dawkins ergeht sich in seinem Buch – das man eher eine wütendes Pamphlet nennen müsste - „Der Gotteswahn“ in einziger Polemik. Da wird kein Klischee ausgelassen und ersichtlich darauf abgezielt, eine religiöse Leserschaft zu provozieren mit der These, dass der, der da als Weltengrund und Ursprung allen Daseins geglaubt werde, in Wahrheit ein unaufgeklärtes Hirngespinst sei. Dawkins ist an der Praxis der Religion interessiert, also zum Beispiel auch an der Frage, warum sie so verbreitet ist. Zur Beantwortung dieser Frage greift er nun interessanterweise auf Charles Darwin zurück und erklärt den erstaunlicherweise immer noch allgegenwärtigen Glauben an Gott als evolutionäres Nebenprodukt. Religiöse Gedanken sind für Dawkins nicht mehr als mentale Viren, die sich ähnlich einem Computervirus von Gehirn zu Gehirn verbreiten. Die Kindern vermittelte religiöse Erziehung bezeichnet er dabei gar als geistigen Kindesmissbrauch. Aus infantilen Bedürfnissen entspringe andererseits die Erfindung eines Gottes, der eben genau diese Bedürfnisse befriedige. Hunger beweise aber nicht die Existenz von Brot, Durst beweise nicht, dass es so etwas wie Wasser geben müsse.
Große Zeitungen sprachen darüber von „säkularem Fundamentalismus“, nannten Dawkins einen „biologische(n) Hassprediger“, ‚Der Spiegel’ sah einen „Kreuzzug der Gottlosen“ in Gang gekommen.

Dawkins versucht sich mit dem Instrumentarium einer biologistischen Sprache an einer Destruktion alles Religiösen. Religion ist für ihn einst als Instrument des Überlebenskampfes entstanden zur Förderung und Stärkung des Vertrauens in die Vorgaben von erfahrenen Anderen. Aber durch den Fortgang der Evolution sei sie längst zu einem irrelevanten Nebenprodukt abgesunken. Die neu-atheistische Kurzformel heißt: ‚Jeder soll nach seiner Fasson selig werden; Hauptsache, er versucht es ohne Gott.’

Meine sehr geehrten Damen und Herren, hierbei geht es bei weitem nicht nur um eine theoretische Diskussion, die uns als Kirche zwar betrifft, die wir aber insgesamt eher den Fachwissenschaftlern und Universitäten überlassen könnten. Denn die Offensive des neuen Atheismus zielt darauf ab, das Klima, ja die Grundorientierungen in unserer Gesellschaft insgesamt zu verändern. In seiner Bestreitung Gottes höhlt der Atheismus auch den Geltungsanspruch der Gebote Gottes für den Menschen aus. Dass es keinen Gott gibt, gegenüber dem man letztlich Verantwortung zu tragen hat und vor dem man sich letztlich verantworten muss, diese mit steigender Aggressivität vorgetragene Überzeugung nimmt in den letzten Jahren zu. Die Bestreitung Gottes ist letztlich eine Kampfansage auch an eine bindende Moral. Und auch eine Kampfansage gegenüber dem in der Präambel unseres Grundgesetzes festgeschriebenen Grundsatz, die Verfassung unseres Gemeinwesens und seine Gestaltung stehe ‚in Verantwortung vor Gott und den Menschen’.

Mir ist zum Schluss noch eine Überlegung wichtig, die mich sehr beschäftigt: Ich habe in meinen Überlegungen bewusst die Verbindung von Atheismus und Darwinismus angesprochen. Denn der Atheismus weitet das im Darwinismus als innere Dynamik der Evolution formulierte Gesetz, nach dem der Stärkere überlebt, erheblich aus und entwickelt es leicht zum Wirtschaftsdarwinismus und zum Sozialdarwinismus: die Entwicklung wird vorangetrieben durch das alleinige Überleben des Stärkeren und Besseren – alles Andere hat kein Recht zum Da-Sein.

Könnte es nicht sein, dass die zunehmende Entwicklung in unserer Gesellschaft alle Lebensbereiche unter den Maximen einer bedingungslosen Ökonomisierung zu betrachten und beurteilen, letztlich auch hier einen unerkannten Hintergrund hat? Dass Wirtschaft und Banken ihre Grundregeln aus der Welt der Ökonomie schöpfen, mag noch nachvollziehbar sein. Wobei ja auch hier im letzten Jahr deutlich zu spüren war, wohin und in welche Abwege dieser Weg führt.

Aber dass auch im sozialen Bereich, in den Fragen der Menschenwürde am Beginn und am Ende des Lebens, bei den Entscheidungen in der Biomedizin etc. stets der Maßstab bedingungsloser Ökonomisierung gelten soll und damit allein die Frage nach der Nützlichkeit und die Dominanz des je Stärkeren und Fitteren, lässt mich sehr besorgt in die Zukunft unserer Gesellschaft schauen. Mit der Menschenwürde und den Grundrechten der Menschen ist dies unvereinbar.

Der neue offensive Atheismus fordert Christen heraus, Rechenschaft zu geben von ihrem Glauben. Und dies sei als Abschluss deutlich gesagt: Wer sein Leben aus Glauben verantwortet führt, braucht dabei seinen Verstand keineswegs abzugeben. Christen sind vielmehr herausgefordert, unseren Glauben mit den guten Argumenten, die für ihn sprechen, auch gegenüber den Herausforderungen der Gegenwart offensiv zu verteidigen. Denn die Attacken betreffen keineswegs nur die geistige Auseinandersetzung mit Christentum und Kirche. Auch die Grundlagen unseres Gemeinwesens und unserer Gesellschaft sind davon betroffen. Die moralischen Werte und tragenden Grundorientierungen unseres Zusammenlebens werden hier unterlaufen. Darum sind gerade Christen herausgefordert, Stellung zu beziehen und die eigene Glaubensüberzeugung offensiv vertreten.

Das wollte ich durchaus auch mit dem Impuls am heutigen Nachmittag! Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!