Bischof Fürst: Alle sind berufen, jeder an seinem Platz

„Alle sind berufen, jeder an seinem Platz“, sagte der Bischof. Auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit sei jeder berufen, seinen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten. Jeder einzelne werde gebraucht. „Wenn alle ihre Gaben in unsere Gesellschaft einbringen können, dann werden wir auch den einen Geist wieder spüren können“, so der Bischof. Auch in der Kirche seien alle Gaben gefragt. Die Kirchengemeinden, so zitierte der Bischof aktuelle soziologische Studien, seien abgeschlossene Milieus, die manche, gerade jüngere und experimentierfreudige Gruppen der Gesellschaft verloren hätten. „Wir brauchen Menschen aus allen Milieus, brauchen alle Menschen. Sie bringen das Leben in die Kirche. Sie belebten unsere Kirche mit all ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit ihren Einsichten und Ansichten, mit ihrer Art sich Gott und der Welt zu nähern, von ihm zu sprechen und auf ihn zu hören.“ Nicht nur die hauptberuflich Tätigen, auch die Ehrenamtlichen oder die Menschen, die Kinder erziehen, Angehörige pflegten oder den Nachbarn unterstützten, folgten dem Ruf Gottes. Jede und jeder, der seine Berufung neu entdecke, sei ein unendlicher Gewinn, so Fürst.

Im pastoralen Dienst seien derzeit 1.500 Hauptamtliche tätig. Obwohl die Zahl der Priester abgenommen habe, sei durch den Einsatz von Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten die Zahl der in der Seelsorge Tätigen in den letzten zehn Jahren gleich geblieben. Die pastoralen Berufe seien bewusst von den Einsparungen ausgenommen worden. Der Priester sei durch seine Weihe in besonderer Weise beauftragt, der Eucharistie vorzustehen und auf Jesus Christus hinzuweisen. Deshalb sei sein Dienst von so grundlegender Bedeutung für die Kirche. Große Sorge bereite dem Bischof, dass die zahlen der Priester in den letzten Jahren zurückgegangen seien.

Das Jahr der Berufung, das am 26. November 2006, dem Christkönigssonntag eröffnet wird, wolle einen deutlichen Impuls setzen, so der Bischof. Die Christen sollen ihrer Berufung nachspüren und sich als Gemeinschaft der Berufenen erfahren. Es sei nicht der Zufall oder das Schicksal, das den Lebens- und Berufsweg bestimme. Es sei vielmehr Gott, der „die Menschen in seinen Händen halte“. Der Bischof erhoffe sich vom kommenden „Jahr der Berufung“, dass manche den Ruf Gottes zur intensiveren Mitarbeit an Gottes Reich vernehmen, Gottes Spur folgen und einen kirchlichen Beruf ergreifen.

Das Jahr der Berufung steht unter dem Motto „Entdeck den roten Faden deines Lebens. Gottes Ruf auf der Spur!“ Das Plakat zum Jahr und die Materialien zeigen Jugendliche, die zwischen Himmel und Erde Orientierung suchen: Einer zeigt, andere schauen, Jugendliche in ihrer Suchbewegung nach dem eigenen, individuellen Lebens-, Berufs- und Glaubensweg.

Eröffnet wird das Jahr der Berufung am Sonntag, 26. November 2006, um 10:00 Uhr in der Domkirche St. Eberhard mit einem feierlichen Pontifikalamt mit Bischof Gebhard Fürst, das von Jugendlichen mitgestaltet wird. Auch in vielen Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird das Thema Berufung an diesem Sonntag meist jugendgerecht im Gottesdienst aufgegriffen. In anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinden, in der Jugendarbeit, im Religionsunterricht und in den Orden wird die Frage nach der Berufung gestellt. Zur Fastenzeit 2007 bieten viele Kirchengemeinden „Exerzitien im Alltag“ an, einen fünf-wöchigen Glaubenskurs für Erwachsene. Am 27. April folgt die Aktion „Glaubenszeugnis“, bei der Geistliche, Ordensleute oder Jugendliche, die sich auf einen Beruf in der Kirche vorbereiten, von ihrem Lebens- und Glaubensweg in verschieden Kirchengemeinden der Diözese berichten. Am 7. Juli 2007 werden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart alle Kirchen eine Nacht lang offen stehen. Bei der „Nacht der offenen Kirchen und Klöster“ gestalten verschiedene Gruppen der Gemeinden ein buntes Abendprogramm rund um das Thema „Berufung“. Das Kinderfranziskusfest in Sießen, die Jugendtage im Kloster Reute und in Untermarchtal werden unter demselben Motto gestaltet. Vom 26. bis 31. Oktober 2007 führt die Diözesanjugendwallfahrt mit Bischof Gebhard Fürst nach Assisi. Die Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ bietet Erlebnis- und Glaubenstage an, sowie Informationsveranstaltungen zu den pastoralen Berufen.

Alle Informationen zum „Jahr der Berufung“ und den vielfältigen Angeboten unter www.entdeck-den-roten-faden.de.