Bischof Fürst: Auch nicht religiöse Kunst hat eine religiöse Tiefe

Ebenso, betonte Bischof Fürst, gebe es eine tiefe innere Nähe zwischen der Religion und der Kunst. In beidem bringe der Mensch seine Beziehung zur Transzendenz zum Ausdruck und versuche, das Unsagbare in Bildern, Gleichnissen und zeichenhaften Handlungen zum Ausdruck zu bringen, ohne es je angemessen darstellen zu können. Er verstehe das Anliegen von Kardinal Meisner, der den Zusammenhang „von Kultur und Kultus“ betonte habe, in diesem Sinne und könne es in dieser Interpretation bejahen. Allerdings sehe er diesen Transzendenzbezug auch bei Künstlern und ihren Kunstwerken, die nicht ausdrücklich religiös oder gar christlich seien und sein wollten, betonte Bischof Fürst. Deren Verdienst sei es oft geradezu, in einer säkularen Gesellschaft und mit deren Ausdrucksmitteln die Frage nach dem Sinn zu stellen und so letztlich auch die religiöse Dimension des Menschen zur Sprache zu bringen. Die religiöse Tiefe der Kunst dürfe nicht darauf reduziert werden, ob darin ein ausdrückliches Glaubensbekenntnis erkennbar sei, sagte der Bischof. „Nicht nachvollziehbar“, so der Rottenburger Bischof, sei es, bei der Frage nach Nähe oder Distanz zwischen Kunst und Religion den Begriff „entarten“ zu verwenden. Man könne es Kunstschaffenden nicht verdenken, wenn sie sich dadurch diffamiert fühlen, sagte der Bischof. „Diese durch die Nationalsozialisten geprägte Begrifflichkeit beschwört den Horizont schlimmer Exzesse der Barbarei und fürchterlicher Schicksale von Künstlern und Schriftstellern herauf. Man muss auch nur den Anschein irgendeiner Nähe dazu ohne Wenn und Aber meiden“, sagte Bischof Fürst.