Bischof Fürst: Dienen als neues Lebensmodell

Bischof Gebhard Fürst ging in seiner Predigt beim Festgottesdienst besonders auf die Bedeutung des Dienens ein. Jesus habe von den Jüngern erwartet, dass sie ihre Macht und Größe nicht für sich selbst, sondern für die anderen nutzen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Heute jedoch habe das Dienen keinen guten Klang mehr. Denn manche verbänden damit unmündiges, unterwürfiges und anbiederndes Verhalten. Diener gelten heute als „Menschen zweiter Klasse“. „Und wenn schon dienen, - dann eher sich bedienen lassen“, fasst der Bischof das Lebensmotto vieler Menschen zusammen.

Jesus habe dagegen den Dienst am Nächsten als eine ganz neues Lebensmodell vorgelebt und ein von den Strömungen seiner Zeit unabhängiges Leben, ein selbstbewusstes und selbst bestimmtes Leben aufgrund seiner Gottesbeziehung gelebt. „Jesus wendete sich in großer Souveränität den Menschen zu. Er teilte sich zuerst den Armen und Weinenden mit. Für die Hungernden, die Schwachen und Leidenden, für die Verzweifelten und Niedergeschlagenen war er da“, so der Bischof. Das Dienen nach dem Evangelium führe dazu, dass man sich selbst vergesse und zugleich aber reich beschenkt werde. Die konsequent diakonische, dienstbereite Kirche sei verantwortlich für den missionarischen Erfolg am Anfang des Christentums gewesen. „Die Bereitschaft zum Dienen und die kontinuierliche diakonische Tradition der Kirche von Anfang an, das hat sie leben lassen bis heute“, so der Bischof.

Der Münsterchor von St. Paul sang unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Felix Muntwiler die von ihm selbst extra zum Jubiläum komponierte Messe „Missa 2006“. Zum Festgottesdienst kamen auch zahlreiche ehemalige Seelsorger der Esslinger Innenstadtgemeinde.