Bischof Fürst erinnert in Rom an Eugen Bolz und Bischof Sproll

Mit einem feierlichen Gottesdienst in der St. Bartolomeo-Kirche auf der Tiber-Insel in Rom hat Bischof Gebhard Fürst gemeinsam mit einer knapp sechzigköpfigen Delegation aus Politikern, Kirchenvertretern und Angehörigen von Bolz und Sproll, den beiden Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Höhepunkt des Gottesdienstes war die feierliche Niederlegung von Gedenkstücken an die NS-Opfer an einem Seitenaltar der Kirche. Ein Stein, der von nationalsozialistischen Demonstranten in das Fenster des Arbeitszimmers von Bischof Sproll in Rottenburg geworfen wurde, und ein Mäppchen, in dem Maria Bolz konsekrierte Hostien in die Todeszelle ihres Mannes brachte, erinnern an die Glaubenszeugen.

In seiner Predigt hob der Bischof die Bedeutung der beiden großen Katholiken Bolz und Sproll hervor. Eugen Bolz würdigte der Bischof als einen engagierten Katholiken, der aus innerer Verbundenheit mit seiner Heimat und tiefer Verwurzelung im Glauben dem deutschen Nazismus energisch widerstanden habe. Das Mäppchen, in dem ihm seine Frau in der Todeszelle die Kommunion brachte, stehe für die tiefe Frömmigkeit und sein intensives Glaubensleben. Kein anderer Bischof habe unter den Nationalsozialisten so gelitten wie der Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll, betonte Bischof Fürst. Schon frühzeitig widerstand er dem nationalsozialistischen Pöbel und wurde mehrfach bedroht. Er musste aus der Bischofsstadt Rottenburg fliehen und konnte erst nach dem Krieg als gebrochner und schwerkranker Mann in seine Heimat zurückkehren.

Der Bischof erinnerte daran, dass niemand aufgrund seiner Geburt oder seines Berufs Glaubenszeuge werde. Dies geschehe vielmehr aufgrund einer Berufung, bei der der Glaube mit einer bestimmten Situation zusammentreffe. Es seien die Situationen, in denen man sich frage, wer man sei und wofür man stehe. „Zeuge sein lässt sich nicht abtreten an andere“, so der Bischof. „Dort, wo es um Wichtiges geht, kann ich nicht schweigen, ohne den Glauben an den zu verraten, der für uns in den Tod gegangen ist.“ Deshalb bedeute Zeuge zu sein, Christ zu sein.

Die Erinnerung an Bolz und Sproll könne den Menschen von heute zu einem heilsamen Impuls werden, „am gegebenen Ort, in der jeweiligen Gegenwart Zeugen für unseren Glauben zu sein.“ Solche Glaubenszeugen könnten nicht alles mitmachen und müssten dann, wenn menschliches Leben mit Füßen getreten werde, eine Grenze ziehen. Sie müssten Mahner werden und darauf hinweisen, „dass unser Heil nicht in einer noch so perfekten äußeren Sicherheit liegt, die sich mehr und mehr gegen den Menschen richtet.“ Vielmehr gäbe Jesus Christus der Welt Zukunft und Hoffnung, so Bischof Fürst in Rom.

Begleitet wurde Bischof Fürst von den Weihbischöfen Johannes Kreidler und Thomas Maria Renz, dem Generalvikar Clemens Stroppel, dem Ministerpräsidenten a. D. Erwin Teufel, dem Rottenburger Oberbürgermeister Klaus Tappeser, seinem Amtsvorgänger Winfried Löffler, von Nachkommen von Sproll und Bolz, Professoren der Theologischen Fakultät Tübingen, Vertretern der Heimatgemeinden von Sproll und Bolz und Mitgliedern des Diözesanrats.

Bischof Sproll wurde 1927 zum Bischof geweiht und trat in seinen Predigten und Schriften offen gegen das nationalsozialistische Regime ein. Der Reichstagswahl vom 10. April 1938, bei der auch dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland zugestimmt werden sollte, blieb er demonstrativ fern. Die Nationalsozialisten organisierten daraufhin in Rottenburg zahlreiche Demonstrationen gegen den Bischof. Am 18. Juli 1938 wurde die Wohnung Sprolls gestürmt und die Demonstranten warfen mit Steinen die Fenster ein. Wochen später musste Sproll ins Exil gehen, aus dem er erst 1945 wieder zurückkehren konnte. Bischof Gebhard Fürst legt einen der Steine, mit denen die Fenster von Sprolls Wohnung eingeworfen wurden, in der Kirche St. Bartholomeo in Rom nieder.

Der gläubige Katholik Eugen Bolz übte von 1928 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten das Amt des württembergischen Staatspräsidenten aus. Nach der Machtergreifung 1933 verlor er sein Amt und wurde in „Schutzhaft“ genommen, weil er vor dem Nationalsozialismus gewarnt hatte. Christentum und freiheitliche Demokratie waren für Bolz wie zwei Seiten einer Medaille, während er die nationalsozialistische Weltanschauung schon früh als einen "Rausch" betrachtete, aus dem es bald ein "böses Erwachen" geben werde. 1941 nahm Carl Goedeler mit ihm Kontakt auf und weihte ihn in die Pläne des Widerstands ein. Nach dem Attentat am 20. Juli 1944 wurde Bolz verhaftet und am 23. Januar 1945 in Berlin hingerichtet. Vor seinem Tod empfing Bolz die Heilige Kommunion. Sie wurde ihm in einem Mäppchen ins Gefängnis gebracht, das Bischof Gebhard Fürst jetzt in der Kirche der Glaubenszeugen in Rom niedergelegt hat.