Bischof Fürst: Gewalt nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen

So groß das ehrliche Entsetzen aller über derartige Gewaltexzesse auch sei, so dürfe man die Augen nicht davor verschließen, dass sich Gewalt fast als etwas Gewohntes im Bewusstsein vieler Menschen etabliert habe, von dem aus man rasch zur Tagesordnung übergehe. Nicht zuletzt durch die erschreckende Überflutung mit entsprechenden Szenen im Internet und über Handys bekomme selbst brutale Gewalt immer mehr den Charakter alltäglicher Unterhaltung, sagte Bischof Fürst. „Gewalt beginnt nicht erst da, wo sie in spektakulärer Weise ausgeübt wird, sondern sie beginnt schon zu wirken, wo sie als etwas Selbstverständliches hingenommen wird, sei es aus Gleichgültigkeit oder aus Resignation“, betonte der Bischof.

Kinder und Jugendliche seien der zunehmenden Gefahr einer mentalen Verrohung besonders ausgesetzt. Viele seien Opfer, bevor sie zu Tätern werden. Verstärkte Bemühungen in einer präventiven Sozialarbeit und in der Medienpädagogik sowie höhere gesetzliche Hürden bei der medialen Verbreitung von Gewaltdarstellungen seien unabdingbar, forderte Bischof Fürst. Ebenso unerlässlich sei aber eine Besinnung auf elementare menschliche Haltungen wie Mitfühlen, Wachsamkeit für die Belange der Mitmenschen sowie Zivilcourage bereits dort, wo Menschen im Kleinen Unrecht geschehe, sagte der Rottenburger Bischof.