Bischof Fürst hat den in der Stammzellenforschung tätigen Wissenschaftlern niemals eine Nähe zu den Verbrechen der Nationalsozialisten unterstellt

Es liege ihm völlig fern, betonte Bischof Fürst, Wissenschaftler in dieser Weise zu diffamieren, auch wenn er in wichtigen ethischen Fragen eine kritische Auseinandersetzung für unabdingbar halte. Die Verbrechen, die im menschenverachtenden System des Nationalsozialismus geschehen und durch keinen Vergleich zu relativieren seien, stünden in einem ideologischen und historischen Kontext, den er niemals in einen Zusammenhang mit der Stammzellenforschung bringen würde, sagte der Bischof.

Die Zeitung „Sonntag aktuell“ hat in ihrer Ausgabe vom 9. Dezember 2007 ein Gespräch mit Bischof Fürst wiedergegeben, auf das sich die 18 Unterzeichner der Erklärung berufen. Selbst aus der verkürzten Form, in der „Sonntag aktuell“ dieses Gespräch wiedergegeben habe, könne keine in dieser Weise diffamierende Aussage herausgelesen werden, gegen die sich die Wissenschaftler zur Wehr setzten. Eine solche Äußerung entspreche auch nicht seinem Denken, sagte Bischof Fürst.

Die Passage des Gesprächs mit „Sonntag aktuell“, deren Wiedergabe jetzt zu der öffentlichen Auseinandersetzung geführt hat, stehe in einem anderen Gesprächskontext als die Äußerungen zur Stammzellenforschung und habe sich mit den Konsequenzen und den Grenzen einer Ethik des Heilens befasst. Es sei um die Frage gegangen, ob eine Ethik des Heilens bestimmte Experimente mit Menschen wie etwa in der Arzneimittelforschung nicht notwendig mache. Auch unter dem grundsätzlich begrüßenswerten Aspekt, Heilungschancen zu verbessern und zu erweitern, so die Entgegnung des Bischofs, sei jedoch die Freiheit der Forschung nicht grenzenlos. Sie habe ethische Grenzen und müsse ihr Maß an der unveräußerbaren Würde des Menschen und an dessen körperlicher und seelischer Integrität finden. Dabei sei die Erprobung neuer Medikamente an erwachsenen Personen, die sich in Kenntnis der Risiken freiwillig dazu bereit erklärten, etwas völlig anderes als Experimente mit Menschen, die keine Entscheidungsmöglichkeit hätten – gleich ob geboren oder ungeboren. Eine Ethik des Heilens ohne Selbstbegrenzung durch die Würde des Menschen könne zu einer Instrumentalisierung von Menschen führen, betonte der Bischof. Ein extremes Beispiel dafür seien die Menschenversuche an Häftlingen in Auschwitz, die damit begründet worden seien, dass mit ihnen z. B. die Auswirkungen schwerer Verletzungen und deren Heilungsmöglichkeiten bei Soldaten erforscht werden sollten. Dies, so Bischof Fürst, sei jedoch eine völlig andere Problematik als die kritischen Fragen, die er an die Stammzellenforschung zu richten habe.

Sofort nach der Veröffentlichung des Beitrags in „Sonntag aktuell“ hat Bischof Gebhard Fürst die Redaktion des Blatts gebeten, die entsprechende Passage des Gesprächs in der nächsten Ausgabe in ihrem Zusammenhang darzustellen, um Missverständnisse zu vermeiden, wie sie jetzt durch die Erklärung der Wissenschaftler zutrage getreten sind. Die Redaktion von „Sonntag aktuell“ hat umgehend eine Klarstellung in der Ausgabe vom 16. Dezember zugesagt. In einer elektronischen Aufzeichnung des Gesprächs, die bei der Redaktion liegt, sind Inhalt und Verlauf des Gesprächs dokumentiert und können jederzeit zur Bestätigung dieser Entgegnung herangezogen werden.