Bischof Fürst: Leben ist ein Geschenk Gottes

Kinder, die als Wunschbabies erzeugt, Chimären aus Tier und Mensch oder die Versuche, einen Menschen zu klonen, zeigten, dass es der Orientierungsmarken in der Biotechnologie bedürfe. Das technisch Machbare gebe sonst den Takt der wissenschaftlichen Entwicklung an. Grundlage für die christliche Sicht des Menschen sei der Glaube daran, dass Gott den Menschen geschaffen habe. Das Leben sei von Gott geschenkt, und zwar als unperfektes Leben. Die Erlösung schaffe der Mensch nicht von sich aus. Sie sei die Sache Gottes, so der Bischof. Der Mensch sei also weder Schöpfer noch Erlöser seiner selbst.
Christen vertrauten deshalb auch nicht auf Ideologien, die das perfekte Leben auf Erden verkünden, sei es unter bestimmten gesellschaftlichen, wie auch individuellen Bedingungen.

Die Tötung menschlicher Embryonen, das therapeutische ebenso wie das reproduktive Klonen sei nicht akzeptabel, so Fürst. Die Kirche vertrete dabei keine Sondermoral, sondern auch „nichttheologische Begründungen führen zu der Erkenntnis, dass die Menschenwürde dem Menschen allein schon aufgrund seines Menschseins zukomme.“ Die Kirche sei mit ihrer Haltung nicht wissenschafts- oder forschungsfeindlich. Vielmehr befürworte sie eine Gentechnik und Biomedizin, „wo sie die Würde des Menschen achtet und fördert“.

Der Bischof widersprach der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die dem im Reagenzglas gezeugten Embryo die Menschenwürde absprach, weil er sich nicht von sich aus zu einem Menschen entwickeln könne. Unweltbedingungen, so der Bischof, seien zwar notwendig für den Embryo, bestimmten aber nicht sein Selbstsein. „Die Würde des Menschen ist nicht teilbar“, betonte Fürst. „Ein Embryo ist ein Mensch und individuelle Person von Anfang an.“ Kinder hätten ein Recht darauf, gezeugt, nicht produziert zu werden. Elternschaft sei nicht die Herstellung einer Nachkommenschaft, sondern Ausdruck einer sittlichen und sozialen, liebenden Beziehung.

Die Folgen heutiger biotechnischer Weichenstellungen sollten bedacht werden, und jeder müsse sich ein Urteil darüber bilden. Die EU-Regelungen müssten langfristige und konstruktive Perspektiven für das Menschenbild und den Umgang mit Mensch und Technik bieten, statt nur Mindeststandards zu definieren. Es gelte, der Kultur des Lebens zum Durchbruch zu verhelfen.

Fürst sprach beim Provinztag der Ritter des Ordens vom Heiligen Grab in Jerusalem, zu dem sich die Ritter einmal im Jahr treffen. Der Orden hat das Ziel, die Katholische Kirche im Heiligen Land, besonders den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem ideell und materiell zu unterstützen, etwa beim Bau von Kirchen, Schulen und Kindergärten. Er hilft auch direkt sozial Schwachen. Gegründet wurde der Orden im 14. Jahrhundert. Die Franziskaner verstanden sich damals als Wächter des Heiligen Grabes und hielten den Laienorden lebendig. Die heute weltweit 20.000 Mitglieder wollen in der Tradition der Franziskaner sich im Glauben gegenseitig stärken und der Kirche, besonders im Heiligen Land, dienen.