Bischof Fürst: Neues Sterbehospiz ist Zeichen der Hoffnung

Der Namensgeber der ersten katholischen Einrichtung dieser Art in Stuttgart, der Diözesanheilige Martinus, steht mit seiner berühmten Mantelteilung dem Bischof zufolge für das Teilen und die Hinwendung zum bedürftigen Nächsten. Das Hospiz knüpfe an die Tradition christlicher Hospitäler an, die aus der gelebten Glaubenspraxis erwachsen seien, zu der auch "das Bedenken des Todes und das Annehmen der eigenen Sterblichkeit" gehöre. In einer Zeit der Betonung von Wellness und Fitness würden heute Fragen nach Krankheit, Sterben und Tod an den Rand gedrängt und tabuisiert, sagte Fürst. Gleichzeitig werde aber auch der Wunsch geäußert, Menschen in Krankheit und Sterben nicht allein zu lassen, sondern "mit liebevoller Zuwendung zu begleiten".

Nach den Worten des Bischofs ist das Hospiz ein wichtiger Schritt, um den Ängsten von Patienten und Angehörigen angesichts einer auch als bedrohlich erlebten "Apparatemedizin" offensiv zu begegnen. Fürst äußerte sich auch dankbar dafür, dass durch die geglückte Zusammenarbeit von katholischer Stadtkirche und der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart sowie weiteren Vernetzungen und Partnerschaften in Zeiten zurückgehender Ressourcen der Bau des Hospizes möglich werde. Ausdrücklich dankte er Stadtdekan Michael Brock für seine Initiative sowie der Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute, Schwester Paulin Link, für die Entsendung von drei Ordensschwestern nach Stuttgart.

Das Hospiz St. Martin, das im Januar 2007 eröffnet werden soll, bietet Platz für acht sterbenskranke Menschen unabhängig von ihrer Konfession. Es hat Wohnräume für die Ordensschwestern und einen Geistlichen und beherbergt eine Kapelle, einen medizinischen Bereich und eine Küche sowie Räume für die Begleitung trauernder Angehöriger und die Schulung ehrenamtlicher Helfer. Einziehen wird auch die Sozialstation Degerloch, die Sterbende ambulant betreut, und der häusliche Kinderhospizdienst der Malteser. In den Komplex hat die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart insgesamt 3,3 Millionen Euro investiert. Unterstützt wird sie mit 400.000 Euro von der ARD Fernsehlotterie. Einen Teil der Kosten trägt eine neu gegründete Hospiz-Stiftung, deren Stiftungskapital von derzeit über 670.000 Euro durch Zustiftungen auf drei Millionen Euro anwachsen soll. Die Leitung des Hauses wird Angelika Daiker übernehmen, die mit ihrem Team seit zehn Jahren die ambulante Trauer- und Sterbebegleitung und Palliativpflege in häuslicher Umgebung der katholischen Kirche in Stuttgart aufbaut. Das erste katholische Hospiz in Stuttgart mit 1.200 m? Nutzfläche wird auch eng mit dem evangelischen Hospiz kooperieren, das seit 1994 Betten für Sterbende in der Stafflenbergstraße anbietet. Das Marienhospital der Untermarchtaler Vinzentinerinnen unterhält eine Palliativstation.