Bischof Fürst: Ordensleute sind Träger der missionarischen Kirche im Volk

6ischof Fürst zeigte sich besorgt über die Tendenzen und Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft: Die Kirche müsse Veränderungen in der Gesellschaft sensibel wahrnehmen, um heilsam Zeichen in und für die Zeit zu setzen. Der wachsenden Anonymität und Entsolidarisierung der Gesellschaft müsse die Kirche positive Gegenkräfte, wie Hoffnungskraft, Zukunftsfähigkeit und Zutrauen in die Eigenkräfte des Menschen, die aus dem christlichen Glauben erwachsen, entgegenstellen, so der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nach den Worten des Bischofs halte die Kirche als Überzeugungs- und Wertegemeinschaft die Gesellschaft zusammen, stifte Zusammengehörigkeit und ermögliche Zugehörigkeit: „Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in der Übergangssituation zu einer neuen Gestalt von Kirchesein, die als Weg zu einer missionarischen Kirche im Volk begriffen werden sollte.“

In diesem Zusammenhang lobte Bischof Fürst das Wirken der Ordensgemeinschaften. Gerade hier leisteten die Orden und geistlichen Gemeinschaften „einen Dienst an der Kirche und auch an der Gesellschaft, der gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Sie geben dadurch, dass es sie gibt, unserer Zeit ein wichtiges Zeichen dadurch, dass sie beten, dass in ihrem Leben Gott die Mitte und das Ziel ist und, dass sie gerade so Freude und Zuversicht ausstrahlen.“

Christ sein, heiße Zeugnis zu geben von Gottes Kraft und aufzustehen für das Leben, gerade dort, wo es bedroht, behindert oder gefährdet sei, sagte Bischof Fürst. Angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Strukturen, sei es vor allem angezeigt, die sozial-diakonisch-karitative Dimension von Kirche auf die missionarische Grunddimension hin zu bekennen und damit eine zentrale Facette der Kirche für die Zukunft zu bewahren, zu stärken und zu neu erschließen. So erscheine der diakonische Grunddienst der Kirche in herausgehobener Weise als missionarische Kraft in der heutigen Zeit. „Die Entwicklung in Staat, Politik und Gesellschaft fordern die Kirche geradezu heraus, sich der neuen Armen und Bedrängten aller Art anzunehmen“, so der Bischof. Die Glaubwürdigkeit der Kirche, ihre öffentliche Reputation, Relevanz und ihr missionarisches Wirken werde von der Verlebendigung der inneren Kraft der Caritas profitieren.

Die Orden und geistlichen Gemeinschaften trügen in herausgehobener Weise zur missionarischen Dimension im Volk bei. Sie seien das „spirituelle Gedächtnis“, das sich selbst und die Gesellschaft immer wieder neu an die Caritas als Grunddimension erinnert und sie von innen her lebendig halte.
Als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart werde er seinen Beitrag dazu leisten, dass die „diakonische Identität und Wirkung der katholischen Kirche in Württemberg in sich wandelnder Zeit und mit sich verändernden Mitteln, Organisationsformen und Einrichtungen weiter erhalten und wo irgend möglich gestärkt wird, versprach Fürst. Denn in diesen Einrichtungen könne erfahren und erlebt werden, was christliche Nächstenliebe bedeute. Dort geschehe Glaubensverkündigung durch kompetentes helfendes und heilendes Lebenszeugnis. Sie seien die Orte in denen Heil und Heilung erfahren werde und somit ein lebendiger und wirkungsvoller Bereich missionarischen Kircheseins. Hier werde die Identität von Kirche öffentlich sichtbar und erlebbar. „Missionarische Kirche im Volk können wir dort besonders sein, wo das persönliche aber auch das amtllich-organisierte christliche Engagement im Interesse des Nächsten, insbesondere zum Heil der Armen und Schwachen gestärkt wird. Wo dies geschieht, wird Kirche glaubwürdig“, sagte Bischof Fürst.

Die Arbeitsgemeinschaft der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des Lebens (AG Orden) ist der Zusammenschluss der in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wirkenden in- und ausländischen kirchlichen Ordensgemeinschaften, Säkularinstitute und der Caritas-Gemeinschaft.