Bischof Fürst ruft die Glaubenden zur Vorbereitung auf das Jahr der Berufung auf

Ausgangspunkt für das Fastenschreiben des Bischofs ist die Berufung aller Christen. Jedoch könne keiner seine Berufung im Alleingang finden. Die Förderung der Berufungen sei ein besonderer Auftrag aller, die hauptamtlich im pastoralen Dienst tätig seien. Der Bischof dankte allen, die auf den verschiedenen pastoralen Feldern mit Begeisterung und Einsatz heilsam wirkten, auch den Ordensleuten und allen, die in den diakonisch-karitativen Einrichtungen Menschen pflegten. Die Vielfalt der Dienste und Ämter sei Reichtum und Kraft für die Zukunft der Diözese.

Bischof Fürst hob besonders die Berufung zum priesterlichen Dienst hervor. Durch die Weihe sei der Priester in besonderer Weise beauftragt, der Eucharistie vorzustehen. Er weise durch seinen Dienst auf Jesus Christus als den eigentlichen Leiter der Gemeinde hin. Deshalb sei sein Dienst von grundlegender Bedeutung für die Kirche. Keine Gemeinde könne auf diesen Dienst verzichten. In seiner ganzen Existenz sei der Priester durch diesen Anspruch berührt. Priesteramt und priesterliche Lebensform hingen deshalb so eng zusammen. Mit der Ehelosigkeit, der Armut und dem Gehorsam, den drei evangelischen Räten, lebten die Priester so, wie Jesus selbst gelebt habe. Sie verzichteten wie er auf die enge Bindung an Ehe und Familie, an die Bindung an einen festen Ort und an rein materielle Werte. Das mache ihn frei für Gott und den Dienst an den Menschen.

Sorgen mache dem Bischof der Rückgang der Zahl der Priesteramtskandidaten. Die Bedingungen, dem Ruf Gottes zu folgen, seien schwieriger geworden, räumte er ein. Doch müssten sich alle Glaubenden fragen, ob sie so lebten, dass andere neugierig auf den Grund ihrer Hoffnung würden. Sie sollten junge Menschen auf ihre Zukunft, ihre Möglichkeiten und Pläne ansprechen. „Geben wir ihnen zu erkennen, dass wir sie uns im Priesterberuf oder in einem anderen kirchlichen Dienst gut vorstellen können? Tragen wir zu einem Klima in unseren Gemeinden bei, in dem Berufungen wachsen können?“, fragte der Bischof.

Gott rufe auch heute Menschen in seine Nachfolge, doch sei es Aufgabe der Glaubenden, den Berufungen Raum zu geben. „Wir können ein Klima schaffen, in dem Berufungen erkannt werden und heranreifen können“, so der Bischof. Das Jahr der Berufung, das zu Beginn des neuen Kirchenjahres 2006/2007 in der Diözese Rottenburg-Stuttgart begangen werde, wolle dazu einen Impuls geben. In diesem Jahr sollten die Glaubenden die Kirche wieder als eine Gemeinschaft von Berufenen entdecken, ihren Berufungen nachspüren und Berufungen von anderen fördern und unterstützen. In der österlichen Bußzeit sollten sich die Glaubenden der Diözese Rottenburg-Stuttgart darauf vorbereiten, so Bischof Gebhard Fürst.