Bischof Fürst spricht bei den Weikersheimer Wirtschaftsgesprächen

Das Christentum leiste kritischen Widerstand gegen Tendenzen der Überhöhung der Politik und ziehe sich nicht in einen klerikalen Sonderraum zurück. Es spreche vielmehr in der Welt, im Staat und der Gesellschaft mit. Der Anspruch der Kirche sei es immer dort mit zu reden, wo die Grundrechte des Menschen oder sein Heil tangiert oder gefährdet werden. Die Kirche werde ihre Stimme erheben und kritisch mitreden.

Etwa bei der gegenwärtigen Vision vom perfekten Menschen. Nachdem die Vision der perfekten Gesellschaft mit dem Kommunismus untergegangen sei, herrsche jetzt die Vision vom perfekten Einzelmenschen vor. Mit Hilfe der Biotechnologien solle er durch das Klonen menschlicher Embryos kreiert werden, so das heutige Heilsversprechen. Christen glaubten demgegenüber nicht an die Utopie des perfekten, endgültig erlösten menschlichen Lebens auf Erden.

Neben der Tendenz zur Perfektionierung des Individuums gerate die Verantwortung für den Anderen zunehmend aus dem Blick. Es gehe darum, für den imperfekten Menschen einzutreten und zwar mit aufmerksamer Sympathie und tatkräftiger Liebe für die Menschen an den Rändern der Gesellschaft. Nach christlichem Verständnis sei Leben nicht machbar, so der Bischof. Es besitze keine Qualität, die der Mensch selbst gewinnen könne. „Das Leben bestimmt sich als Beziehungsbegriff, es ist ohne die Relation von Gott und Mensch nicht denkbar. Mit dieser Beziehung und der Relationalität des Lebens verbindet sich eine Gestaltungsverantwortung für das Leben,“ sagte der Bischof.

In seinem Vortrag ging der Bischof auch auf die Globalisierung und ihre Folgen für die ärmsten Länder der Welt ein. Er kritisierte, dass es immer die Ärmsten in der Gesellschaft seien, die den größten Teil der Schulden mit ihren Steuern bezahlten und die Lasten tragen müssten. „Die Folgen sind in vielen Staaten Arbeitslosigkeit, der Zusammenbruch von Kleinunternehmen, sinkende Lebenserwartung, steigende Kindersterblichkeit und der Zusammenbruch der Gesundheits- und Bildungssysteme“, so der Bischof. Die Schuldenkrise der so genannten Dritten Welt sei unsere gemeinsame Krise. Bischof Fürst: „Die ganze Situation ist in den armen und ärmsten Ländern eine Struktur der Benachteiligung, die mit Hilfe von Außen aufgebrochen werden muss, damit sie nicht alte Benachteiligungen erhält oder sogar noch verstärkt und weiter neue hervorbringt.“