Auszeichnung

Bischof Fürst zeichnet Projekte zur ökologischen Umkehr aus

Jacob Fiedler, Juliana Miehle und Johanna Kopp vom BDKJ freuten sich über den ersten Platz und 6.000 Euro Preisgeld, überreicht von Bischof Gebhard Fürst und Umweltminister Franz Untersteller. Bild: DRS/Eva Wiedemann

Die Veranstalter des Zeltlagers Schwende der BDKJ-Ferienwelt haben die Siegerurkunde aus den Händen von Bischof Fürst und Umweltminister Untersteller in Empfang genommen. Bild: DRS/Eva Wiedemann

Bischof Dr. Gebhard Fürst und Umweltminister Franz Untersteller haben am Sonntag den Franziskus-Preis der Diözese Rottenburg-Stuttgart vergeben.

Damit würdigt die katholische Kirche in Württemberg herausragende und zukunftsweisende Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung und zur Nachhaltigkeit. Platz eins ging an das Zeltlager Schwende des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), bei dem Kinder und Jugendliche eine nachhaltige und demokratische Lebensweise lernen. Auf dem zweiten Platz rangiert die Aktion „Faire Rems“, gefolgt vom Bau einer Biogasanlage in einer Schule der Vinzentinerinnen aus Untermarchtal in Tansania. Den vierten Platz erzielte der Kindergarten St. Eberhard aus Stuttgart mit dem Projekt „Echte Kerle ackern selbst“.

„Die Preisträger und die Bewerber um den Franziskuspreis sind auf dem Weg der ökologischen Umkehr bereits ein gutes Stück vorangeschritten“, sagte Bischof Fürst bei der Preisverleihung. „Sie handeln beispielhaft für die ganze Diözese. Ihnen liegt, wie uns allen in der Diözese, die Bewahrung und der Schutz der Schöpfung Gottes am Herzen und Sie setzen sich mit aller Kraft dafür ein.“

Der heilige Franz von Assisi als Namensgeber des Preises sei Vorbild und Ermutigung zugleich. Jeder Einzelne könne sein Alltagsleben bewusst gestalten. „Mit unserem Konsum- und Einkaufsverhalten können wir gezielt Einfluss nehmen auf globale Produktionsverhältnisse und uns für einen fairen Umgang mit den Produzenten und für einen achtsamen Umgang mit der Natur und Umwelt stark machen“, so Bischof Fürst weiter. Auch die Diözese werde sich in ihrem Verantwortungsbereich künftig verstärkt für einen sozial fairen und ökologisch verantwortungsbewussten Einkauf engagieren. „Schöpfungsfreundlich zu handeln, gehört als Markenzeichen zum Profil der Diözese Rottenburg-Stuttgart – ebenso, wie missionarische, diakonisch-karitative und dialogische Kirche zu sein.“

Mit nachhaltigem Zeltlager ganz oben auf der Siegertreppe

Sie haben Kindern und Jugendlichen den gewissenhaften Umgang mit der Natur gelehrt, ihnen gezeigt, wie Müll vermieden und Energie zielgerichtet eingesetzt wird. Zudem simulierten sie gemeinsam, wie eine demokratische Gesellschaft ganz praktisch funktioniert. Und nun haben sie den ersten Platz bei der Verleihung des Franziskus-Preises der Diözese Rottenburg-Stuttgart erzielt: Die Veranstalter des Zeltlagers Schwende der BDKJ-Ferienwelt haben die Siegerurkunde aus den Händen von Bischof Fürst und Umweltminister Untersteller in Empfang genommen. Dieser würdigte das umfassende Konzept des Angebots.

„Was der BDKJ mit dem Zeltlager Schwende auf die Beine gestellt hat, ist mehr als eine Spiel- und Sportveranstaltung mit Lagerfeuerstimmung. Sie üben mit den Kindern und Jugendlichen einen nachhaltigen Lebensstil und regen zum bewussten und eigenständigen Handeln an“, so der Minister, der als Juryvorsitzender und in Vertretung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Schirmherr des Franziskus-Preise, die Laudatio für die Sieger hielt. „Dadurch erreichen sie jedes Jahr zwischen 200 und 300 Kinder und Jugendliche, die nicht nur eine unvergessliche Zeit mit Gleichaltrigen verbringen, sondern eben auch gemeinsam eine neue, bewusstere Lebenseinstellung erlernen.“

Sieger reichen vom Remstal über Afrika bis zurück in die Landeshauptstadt

Die Aktion „Faire Rems“, die den zweiten Platz erzielte, entstand in Zusammenhang mit der Remstal-Gartenschau im vergangenen Jahr. Die katholische und evangelische Erwachsenenbildung des Ostalb- und Rems-Murr-Kreises setzten sich hier mit Informationsveranstaltungen dafür ein, dass sich die Kirchengemeinden entlang der Rems aktiv mit den Themen globaler und fairer Handel beschäftigten. Ziel war eine Teilnahme am Projekt „Faire Gemeinde“, das Kirchengemeinden zertifiziert, die Kriterien für ökologischen und fairen Handel erfüllen. „Im Namen der Jury wünsche ich dem Projekt einen ‚Schneeballeffekt‘, damit weitere Kirchengemeinden den fairen Handel für sich entdecken und künftig auf einen öko-fairen Einkauf setzen“, so Minister Untersteller in seiner Laudatio.

Weit über die Grenzen Württembergs hinaus führt das Siegerprojekt auf Platz drei. Unter dem Motto „Mit (Bio)Gas voraus!“ hat die Genossenschaft der barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal hier bei einer von den Schwestern betriebenen Schule in Tansania eine Biogasanlage errichtet. Dabei besorgen die Schülerinnen die organischen Abfälle für die Anlage selbst, sparen so Brennholz und wirken der Entwaldung entgegen.

Zurück in die Landeshauptstadt führt der vierte Platz des Franziskus-Preises 2020. „Hier lernen die Mädchen und Jungen des Kindergartens der Kirchengemeinde St. Eberhard durch eigenes Gärtnern, dass Nahrungsmittel nicht aus der Tiefkühltruhe kommen und Pommes nicht auf dem Acker wachsen“, erläutert Minister Untersteller den Projekthintergrund. Die Kinder sind an allen Arbeiten beteiligt und können bei der Auswahl der Gemüsepflanzen mitentscheiden. Auch die Auswirkungen des Wetters erleben sie bei ihrem Gartenprojekt hautnah. „Bewusstseinsbildung im Umgang mit Lebensmitteln und ein Verständnis für das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen ist sehr wichtig. Damit können wir gar nicht früh genug beginnen“, lobte der Minister.

Auch die Franziskusmedaille wurde an diesem Abend verliehen. Bischof Fürst überreichte sie Pfarrer Karl Enderle aus Westerheim und würdigte damit dessen großes Engagement für den Naturschutz, die Artenvielfalt und die Schöpfung Gottes. Pfarrer Enderle realisiert in seinen Kirchengemeinden mit großem persönlichen Einsatz Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt. Seine Gemeinden und er wurden bereits von der UN-Dekade für „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet.

Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm, Leiter der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“ im Bischöflichen Ordinariat und damit verantwortlich für die Preisverleihung, hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung darauf verwiesen, dass Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sowie der Erhalt der Artenvielfalt zu den Kernaufgaben der Kirche zählten. „Wir freuen uns, wenn viele Bewerberinnen und Bewerber die Chance wahrnehmen und ihre Projekte einreichen. Damit sind sie schon alle Gewinner, denn aus ihrem Ideenreichtum profizieren Akteure und Kirchengemeinden in der gesamten Diözese und darüber hinaus.“

Hintergrundinformationen zum Franziskus-Preis

Der Franziskus-Preis ist der Nachhaltigkeitspreis der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kretschmann und Bischof Fürst, wird alle drei Jahre vergeben und ist mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro dotiert. Auf den Hauptpreis entfallen 6.000 Euro. Ein Anerkennungspreis ist mit 2.000 Euro ausgestattet, zwei weitere Anerkennungspreise mit je 1.000 Euro. Die Preisträger erhalten außerdem ein Bronzemedaillon zum Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi, das der 2011 verstorbene Rottweiler Bildhauer und Maler Siegfried Haas gestaltet hat.

Den Vorsitz der Jury für die Vergabe des Franziskus-Preises hat Umweltminister Untersteller inne. Um ihn bewerben können sich Kirchengemeinden, kirchliche und karitative Einrichtungen, Ordensgemeinschaften, Verbände, Bildungseinrichtungen, Initiativgruppen und Einzelpersonen. Komplexe Projekte können genauso Berücksichtigung finden wie Einzelleistungen oder Maßnahmen mit Multiplikationswirkung. Für die diesjährige Preisverleihung gingen insgesamt 16 Projektbewerbungen ein.

Weitere Informationen finden sich im Internet unter https://umwelt.drs.de/umwelt-klimaschutz-nachhaltigkeit.html.

In der Broschüre zum Franziskus-Preis 2020 erfahren Sie mehr über Preisträger und Bewerber.