Bischof Gebhard Fürst bei DJK-Diözesantag in Stuttgart

Auf der Grundlage des ganzheitlichen Verständnisses des Menschen habe sich die Kirche immer schon für Bewegung, Sport und Spiel eingesetzt, so der Bischof. Er erinnerte daran, dass die Gründung des Deutschen Sportbundes 1950 unter maßgeblicher kirchlicher Beteiligung erfolgte und dem katholischen Sportverband DJK, Deutsche Jugend Kraft, bundesweit 530.000 und in der Diözese Rottenburg-Stuttgart 15.000 Mitglieder angehörten.

Die Kirche sei in der Vergangenheit immer ein kritischer Partner und Mahner des Sports gewesen, gerade wo es um Fragen wie Leistungsmanipulation, Kommerzialisierung und Gewalt gegangen sei. Sie habe aber auch immer auf die Bedeutung des Sports für den Menschen, seine Gesundheit und für Gemeinschaft hingewiesen. Sie bemüht sich gemeinsam mit den Sportverantwortlichen um einen freudigen, menschengerechten und menschenwürdigen Sport. Denn christlicher Glaube sorge sich nicht allein um die Seele des Menschen, sondern ebenso um sein Wohlergehen und seine Gesundheit. Sportliche Aktivitäten vermittelten Selbstvertrauen, unterstützten die menschliche Entfaltung und stärkten die Gemeinschaft auch über nationale Grenzen hinweg.

Kritisch sieht der Bischof den heutigen Sportkult. Das beherrschende Motiv für diesen Trend sei nachweisbar nicht die Sorge um die Gesundheit. „Mein Eindruck ist, dass man vieles, was man heute für die Gesundheit tut, früher aus religiösen Motiven tat – Wallfahrten, Pilgerreisen, Fasten usw.“, sagte der Bischof in Anspielung an die Heilsversprechen der Fitness-Branche. „Unsere Gesellschaft hat geradezu eine neue Religion: die Gesundheitsreligion, mit verschiedenen selbst ernannten Gesundheitsaposteln und unzähligen Gläubigen. Sie alle verkünden als ihre Botschaft: Gesundheit geht über alles.“ Die Fitness-Center seien die modernen Tempel. Zu fragen sei nicht, was bringe der Mensch sportlich, sondern was bringe der Sport menschlich.

Der Bischof erinnerte an die eigentliche Würde des Menschen, die von Gott komme. Da, wo nur der Fitteste und der perfekte Mensch eine Chance habe, sei es Aufgabe der Kirche, auf den Reichtum und die Möglichkeiten von Menschen hinzuweisen, die dem Siegertypus nicht entsprächen. Nach christlicher Überzeugung sei der Mensch auch ohne Leistung angenommen. Das befreie zur spielerischen Freude an den eigenen Möglichkeiten und Talenten, so der Bischof. Auf diese Weise nähre der Gottes-Glaube die Freude am Sport und Spiel.