Bischof Gebhard Fürst: Kirche als Raum für Heil und Heilung

Im Handeln der Kirche werde die befreiende Wahrheit des Evangeliums erfahrbar. „Für die Kirche bestehe heute eine große Chance, ihre befreiende, stärkende, heilende und orientierende Botschaft auf lebenspraktische Weise tatkräftig zu bezeugen“, sagte der Bischof. Dieser Weg der Verkündigung finde Anknüpfungspunkte für eine neue Thematisierung der großen Fragen im neuen Erwachen von Religiosität. Die Kirche könne sich heute nicht mehr auf die sich „automatisch ereignende Selbstüberlieferung der Christentum“ verlassen.

Kirche solle den missionarischen Charakter der christlichen Religion wieder neu entdecken, forderte der Bischof. Den Übergang von der Volkskirche zur missionarischen Kirche könne sie durch zeichenhaftes, exemplarisches und glaubwürdiges Handeln schaffen. Im profilierten kirchlichen Handeln lege sie die in den Menschen schlummernden Fragen offen. „Verkündigendes Handeln“ nannte der Bischof diese Art des christlichen Engagements.

Kirche könne mit ihrem heilenden und sinnstiftenden Handeln nicht nur dem Wohl des Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft dienen. Das Christentum sei eine Quelle für das Leben der Gesellschaft, die diese nicht austrocknen lassen dürften. „Der christliche Glaube als lebendige Lebensform, als Lebenspraxis, als ‚Tat und lebendige Wahrheit’ ist auf diese Weise zentrale Lebensressource für die Gesellschaft“, betonte der Bischof.

Kirche brauche für ihre missionarischen Aufgaben begeisterte Menschen, so der Bischof. Deshalb kündigte er an, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart im Jahr 2007 ein „Jahr der Berufung“ durchführen werde. Es soll die Menschen ermuntern, ihren Berufungen nachzuspüren. Unsere Zeit warte auf „zeichenhafte Existenzen“, Mensche, die sich fragten, wozu sie berufen sind und wo sie in Gesellschaft und Kirche mit ihren Begabungen Verantwortung übernehmen könnten.

„Ich möchte die Diakonia – neben Leiturgia und Martyria einer der drei Grunddienste der Kirche – in der missionarischen Situation unserer Zeit neu verlebendigen“, kündigte der Bischof an, „Christen sind Anwälte für Heil und Heilsein des Menschen.“ Heute stehe und falle die anstiftend-missionarische Kraft der Kirche damit, ob sie den Bedürftigen beistehe oder nicht. Sie müsse ihnen zu ihrem Recht, zu einem Lebens-Ort verhelfen und ihnen eine Stimme geben.

„Ich möchte mein Bischofsamt so wahrnehmen, dass die diakonische Identität und Wirkung der katholischen Kirche Rottenburg-Stuttgart in ihren Organisationsformen und Einrichtungen weiter erhalten und wo irgend möglich gestärkt wird“, versprach der Bischof. Die Einrichtungen der Caritas, der kirchlichen Verbände und Stiftungen seien “zeichenhafte Repräsentanzen“ für christkatholisches Leben im Sinne der Nächstenliebe. Dort könne Kirche als Raum für Heilung und Heil erfahrbar werden und ihre missionarische Kraft entfalten.

Der Bischof hob die Familie als zentrale Trägerin und „Biotop“ des christlichen Lebens hervor. Sie entfalte missionarische Kraft und müsse gestärkt werden. Nicht allein die äußeren Bedingungen spielten beim Geburtenrückgang eine Rolle. Christen lebten aus der Hoffnung auf die Zukunft, auch wenn nicht alles selbst machbar oder abgesichert ist. „Wir benötigten eine familienfreundliche Grundeinstellung und konkrete familienfreundliche Maßnahmen“, betonte der Bischof. „Die Stärkung der Familie ist eine klare Priorität für die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ehe und Familie ist das Zukunftskapital einer Gesellschaft.“

Ursula Utz spricht sich für die Begleitung Sterbender aus

In ihrem Grußwort zum Neujahrsempfang hob die Sprecherin des Diözesanrats Dr. Ursula Utz die Begleitung Sterbender als eine genuine und wichtige Aufgabe der Kirche hervor. „In den Gemeinden ist es notwendig, die Mitsorge um die kranken, alten und einsamen Menschen zu verstärken“, betonte Utz. Auch müsse die Hilfe für Familien, die zuhause Angehörige pflegen, verbessert werden.

Ursula Utz blickte auch auf andere Themen des Laienrates im vergangenen Jahr zurück. So regte der Diözesanrat gemeinsame Initiativen von Schulen und Kirchengemeinden an und setzte sich mit der steigenden Armut nach der Umsetzung von Hartz IV besonders in den Familien auseinander. Sie hob auch das klare Bekenntnis von Bischof Gebhard Fürst zur Mitverantwortung der Laien hervor. Ernüchternd sei jedoch, dass einer Auflösung des Diözesanrats, wie im Bistum Regensburg geschehen, kirchenrechtlich nichts entgegenstünde. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wehe jedoch der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils auch heute.