Bischof Sprolls Erbe ist Auftrag und Verpflichtung

Rottenburg. 23. Juli 2015. Als bleibendes Mahnmal für alle hat Bischof Gebhard Fürst die beiden Sproll-Gedenktafeln vor dem Portal des ehemaligen bischöflichen Palais in Rottenburg bezeichnet. Anlässlich des Jahrestags der Erstürmung des Palais am 23. Juli 1938 enthüllte der Diözesanbischof am Donnerstagabend (23.Juli) zwei Tafeln zum Gedenken an den siebten Rottenburger Bischof, Joannes Baptista Sproll.

Der Wahlspruch von Bischof Sproll, „Fortiter in fide“ (Standhaft im Glauben) sei sowohl Mahnung als auch Richtschnur in einer Zeit, in der Menschen in vielen Teilen der Welt wegen ihres Glaubens, ihres christlichen Bildes vom Menschen und ihrer Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Freiheit verfolgt, unterdrückt, vergewaltigt und getötet würden, sagte Bischof Fürst. „Der Mut des Rottenburger Bekennerbischofs zeigt, aufzustehen für das Leben im Namen Gottes und im Namen von Menschenwürde und Menschenrechten ist damals wie heute von höchster Aktualität“.

Der Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher ergänzte in seinem Grußwort, dass das geistige Erbe Bischof Sprolls Auftrag und Verpflichtung für die Stadt sei: „Unser stilles Aufbegehren ist in diesen Tagen die Aufnahme von Flüchtlingen mit offenen Armen. Wir wollen ihnen Schutz geben und mit vereinten Kräften dazu beitragen, dass in deren Herzen wieder Friede einkehren kann“.

Der Sprecher des Diözesanrats der Diözese, Johannes Warmbrunn, würdigte Sproll als einen, der früh erkannt habe, welche gesellschaftlichen Verführungen, gepaart mit Hass und Gewalt, die Kirche und die Menschen ins Verderben trieben. „Wenn unser Leben nicht mehr im gewohnten Gang verläuft, wenn wir, wie seinerzeit vor 77 Jahren, mit Gewalt, Terror und Übergriffen konfrontiert werden, dann muss sich unser Glaube bewähren. Das wird Kraft kosten und uns Mut abverlangen“, sagte Warmbrunn in seinem Grußwort.

In diesem Sommer jährt sich die Vertreibung des siebten Rottenburger Bischofs Joannes Baptista Sproll zum 77. Mal: Am Abend des 23. Juli 1938 stürmte eine aufgebrachte Menge, angestachelt durch Truppen der Nationalsozialisten, das Portal des Bischöflichen Palais. Vier Wochen später musste Bischof Sproll seine Diözese verlassen und konnte erst 1945 aus seinem Exil im bayerischen Krumbad nach Rottenburg zurückkehren. Sproll wurde am 2. Oktober 1870 in Schweinhausen bei Biberach geboren. Von 1927 bis zu seinem Tod am 4. März 1949 war er Bischof von Rottenburg.