Bistumsüberschuss für Bedürftige und Klosterkultur

Rottenburg. 16. Juli 2015. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart hat für 2014 den Jahresbericht über seine Finanzen und deren Verwendung vorgelegt. Dem Bericht zufolge wurde je die Hälfte der 2014 nicht ausgegebenen 734.842 Euro dem Franziskusfonds für sozial bedürftige Menschen und für die Weiterentwicklung der Klosteranlage im oberschwäbischen Weingarten zur Verfügung gestellt. Der Bistumshaushalt beträgt im langjährigen Schnitt drei bis fünf Prozent des Diözesanhaushalts. Er wird gespeist in erster Linie aus Erträgen von Stiftungen, Immobilien, Kapitalanlagen und Beteiligungen.

Der unter dem Dach des Bistums verwaltete Franziskusfonds unterstützt neben Wohnungslosenhilfe Hilfeangebote von Kirchengemeinden und Caritasverband der Diözese. 2015 stehen ihm rund 900.000 Euro zur Verfügung. Aus dem Bistumsetat ebenfalls gefördert wird beim Kloster Weingarten die Einrichtung eines Cafés mit Außenbewirtschaftung. Damit soll ein Ort für die Integration vor allem behinderter Menschen entstehen. Dazu kommen sollen eine Anlaufstelle für Pilger sowie ein Zentrum für Dekanat und Kirchengemeinde. Ziel ist die Stärkung der Klosteranlage Weingarten insgesamt. Zum Konzept gehört, dass der bedeutende Kreuzgang des Kloster öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Dafür wird er saniert und mit dem notwendigen Brandschutz ausgestattet.

Projekte und Einrichtungen, die mit Mitteln des Bistums finanziert werden, verfolgen dezidiert kirchliche Zwecke. Als Beispiele werden im Bericht genannt Hilfen für Mütter in Not oder sozial Bedürftige. Finanziert werden aus Bistumsmitteln auch kirchliche Internate, die Liturgie im Dom in Rottenburg und der Konkathedrale in Stuttgart oder die kürzlich abgeschlossene Sanierung der Konviktskirche Ehingen. Ein Großteil der Mittel in Stiftungen und Zweckvermögen ist pastoralen und karitativen Aufgaben gewidmet.

Der Bericht stellt die unter dem Dach des Bistums verwalteten Stiftungen als Dienst für die Gesellschaft vor. So engagiere sich die Stiftung "Mütter in Not" mit einem Volumen von vier Millionen Euro für bessere Lebensbedingungen von Kindern und Familien. Die Stiftung "Marchtaler Internate" mit einem Volumen von rund einer Million Euro diene der Förderung der vier Marchtaler Konvikte und Internate der Diözese.

Treuhänderisch verwaltet das Bistum auch die Mittel der kirchlichen "Veronika-Stiftung" mit einem Volumen von 32 Millionen Euro. Deren Stiftungszweck ist die Förderung von Maßnahmen zur Linderung von Schmerz und Leid kranker, pflegebedürftiger und sterbender Menschen. Sie unterstützt Alten- und Pflegeheime, Hospize und Palliativstationen. Aktuell fördert die Veronika-Stiftung den (Um-)Bau eines Kinderhauses für dauerbeatmete Kinder.

Um über Stiftungen wirksam helfen zu können, sind möglichst hohe Volumina nötig, um daraus Zinsen zu erhalten. Den Planansatz für den Bistumshaushalt 2015 mit Erträgen aus Finanzanlagen, Beteiligungen und Liegenschaften setzen die Fachleute des Ordinariats insgesamt mit neun Millionen Euro an. Davon würden 4,1 Millionen Euro an Zinserträgen direkt an kirchliche Stiftungen und Zweckvermögen für pastorale, karitative und weitere kirchliche Aufgaben fließen. An Aufwendungen für Liegenschaften seien rund eine Million Euro vorgesehen. Davon fließt laut Bericht der größte Posten in die Sanierung der Sülchenkirche. Für Zuschüsse sind demnach 2,1 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen für die Deckung der Altersversorgung 1,2 Millionen Euro. Weitere 300.000 Euro sind für den Franziskusfonds sowie 100.000 Euro für die Gestaltung des Martinusjubiläum im kommenden Jahr vorgesehen. Für Personal-, Verwaltungs- und Geschäftsbedarf sind 600.00 Euro geplant. Erwartet wird ein Jahresüberschuss von 500.000 Euro.

Zur langfristigen Sicherung kirchlicher Aufgaben verfügt das Bistum laut Darstellung über einen Geldgrundstock und nicht zweckgebundene Rücklagen von 29,6 Millionen Euro. Als Rücklage für die Altersversorgung seien 41 Millionen Euro über viele Jahre überwiegend durch Gehaltsverzicht der Priester aufgebaut worden. Die Zinsen daraus würden in den Diözesanhaushalt für die Altersversorgung fließen. Im Vorwort zum Bericht betont Bischof Gebhard Fürst die Wichtigkeit von Transparenz darüber, welche Vorhaben das Bistum finanziell fördert. Auf Nachhaltigkeit angelegte kirchliche Aufgaben erforderten nachhaltige Finanzierung. Die Diözese orientiere sich dabei an ihrem Patron, dem heiligen Martinus als Vorbild für Barmherzigkeit und Nächstenliebe.