Blick auf die Not weit halten

Das Papier dürfe nicht in einem innerkirchlich engen Sinn falsch interpretiert werden, sagte die für die Caritasarbeit in der württembergischen Diözese zuständige Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp am Freitag in Stuttgart. In Zeiten von Entsolidarisierung und parteipolitisch motivierter Umverteilung von unten nach oben zeige das Schreiben vielmehr, dass christliches Handeln „nicht bei sich selbst und einer ‚kleinen Herde’ stehen bleibt, sondern jeden Menschen in Not als den Nächsten versteht“.

Das Wort der Bischöfe sei, betonte Stetter-Karp, als Anregung auch an die Gemeinden in der Diözese zu verstehen, „das vorhandene Netzwerk der helfenden Hände weiter auszubauen“. Es gehe darum, die Kirche „als Bewegung im Interesse der Menschenwürde“ erfahrbar zu machen. Gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Sorge vieler Bürger um soziale Gerechtigkeit in Deutschland erinnern die deutschen Bischöfe laut Stetter-Karp an die Herausforderung durch Menschen verschiedener Generationen, Einkommensschichten, Lebens- und Krisensituationen und Milieus. Das Schreiben der Bischöfe sei auch für die Christen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Würdigung breit gefächerten Engagements in vielen Gemeinden, Initiativen und Projekten sowie in den mehr als 1.900 karitativen Einrichtungen in der Diözese.

Es wäre nach Auffassung der Ordinariatsrätin ein Missverständnis, die von den Bischöfen betonte spirituelle Dimension der Caritas „eng zu führen mit dem Wunsch, die karitativ Tätigen kirchlicher oder ‚frömmer’ machen zu wollen“. Das Papier der Bischöfe dürfe verstanden werden als Mahnung an Politik und Gesellschaft zu sozialer Gerechtigkeit und Solidarität mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Auf sie das Augenmaß zu richten, „wird im wahrsten Sinn des Wortes not-wendig in einer Landes- und Bundespolitik, deren Protagonisten zum Jahresbeginn 2010 nicht müde werden deutlich zu machen, was eben alles nicht leistbar und finanzierbar sei“, so Stetter-Karp. Beim Beschluss, die großen Banken abzusichern sowie Steuererleichterungen zu gewähren sei davon allerdings nicht die Rede gewesen.

Die Ordinariatsrätin rief Kirchengemeinden im Vorfeld der Kirchengemeinderatswahlen im März 2010 dazu auf, Caritasausschüsse zu bilden beziehungsweise sich in der jeweiligen Seelsorgeeinheit gemeinsam in karitativen Handlungsfeldern zu engagieren. Sie dankte allen rund 28.000 hauptberuflich und den 33.000 ehrenamtlich in der Caritas in Württemberg Engagierten. Ohne sie wäre das Land sozial kälter und menschlich ärmer, betonte die Ordinariatsrätin.

Katrin Weiß