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Brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte

Bischof Dr. Gebhard Fürst. Bild: DRS/Felix Kästle

Bischof Dr. Gebhard Fürst zum ARD-Themenabend Suizidbeihilfe: „Alles Bemühen sollte der Hilfe zum Leben gelten und nicht der Hilfe zum Sterben.“

Zum ARD-Themenabend „Suizidbeihilfe“ am 23. November erklärt der Vorsitzende der Publizistischen Kommission und der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst

„Der Fernsehabend im Ersten (ARD) zum Thema Suizidbeihilfe hat mich bewegt. Dass es vielen anderen genauso ging, zeigt ein Blick auf die Social Media-Kanäle. Bei den Überlegungen zur Neuregelung der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte. Deshalb bin ich der ARD dankbar. Die Inszenierung des fiktionalen Films ‚GOTT von Ferdinand von Schirach‘ war sehr eigenwillig: Ein Anwalt seziert souverän die Bedenken und Einwände der angehörten oder zitierten Gutachterpositionen und gewinnt seinen ‚Prozess‘. Von der Arbeit eines Ethikrates ist das natürlich weit entfernt. Da geht es vielmehr darum, möglichst sachlich und nüchtern auszuloten, abzuwägen und Bandbreiten zu differenzieren. Auch im anschließenden Gespräch bei Frank Plasbergs ‚Hart aber fair‘ wurde deutlich: Es gibt viele Aspekte, über die wir das Gespräch weiterführen müssen: Was bedeutet Selbstbestimmung an den Rändern des Lebens? Wie sehen Solidarität und menschenwürdige Begleitung im Sterben aus? Was passiert mit einer Gesellschaft, die das Leiden ausblenden und abspalten möchte?

Als Christen sind wir überzeugt, dass das Leben wertvoll ist. Dieses Leben ist dem Menschen geschenkt und zur Gestaltung aufgegeben. Er darf und soll in diesem Leben sein Glück suchen und er soll sich dem Leid entgegenstemmen. Aber die Grundlage für dieses Bemühen ist und bleibt das Leben selbst. Man kann letztlich nicht das Leben bejahen und es zugleich beenden. Deshalb sollte alles Bemühen der Hilfe zum Leben gelten und nicht der Hilfe zum Sterben. Es geht um eine Gesellschaft, in der nicht ein unterschwelliger Druck entsteht, der sagt: ‚Wenn es auf dein Ende zugeht, dann erspare doch deinen Mitmenschen die Last deiner Krankheit und deines Siechtums. Sei doch so rücksichtsvoll, von dir aus rechtzeitig ein Ende zu setzen.‘“