„Brücke zu Verständigung und Versöhnung“

Die vor 60 Jahren, im Dezember 1947 von 65 Personen gegründete Vertriebenen-Organisation, habe mit ihrer Versöhnungsbereitschaft Maßstäbe gesetzt für die Gestaltung der Zukunft, sagte Kreidler in seiner Predigt beim Jubiläums-Festakt am Sonntag in Stuttgart. Zur Versöhnung gehöre aber auch das Erinnern an die Vergangenheit. "Vergessen oder Verdrängen würde Menschen von ihrer Wurzel abschneiden", betonte der Weihbischof. Gleichwohl komme niemand um die Frage herum, wovon er sich in die Zukunft leiten lasse. Gott lade im privaten wie im politischen Leben dazu ein: "Seid keine Gefangenen der Vergangenheit, sondern Wegbereiter der Zukunft, indem ihr in die Zukunft schaut." Es gebe eine Schuld, sagte Kreidler, die "nur mit dem Gedanken an Gott überwindbar und versöhnbar ist".


Innenminister Rech hob in seiner Festrede hervor, die Ackermann-Gemeinde habe mit ihrem „ureigenen religiösen und kirchlichen Engagement“ wesentlich dazu beigetragen, dass die Eingliederung von Millionen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen zu einer der herausragendsten Leistungen der Nachkriegsgesellschaft werden konnte. Rech bescheinigte dem katholischen Vertriebenen-Verband, mit Bildungs- und Kulturarbeit im Sinne einer „permanenten Volkshochschule“ – so hatte es der erste Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde, Hans Schütz, formuliert – auch die Nachkriegsgeschichte Baden-Württembergs bleibend mitgeprägt zu haben. Auch im Wohnungsbau habe die Ackermann-Gemeinde Spuren hinterlassen.

Der CDU-Politiker stellte fest, dass derzeit das Interesse am Thema Flucht und Vertreibung Konjunktur habe, auch ausgelöst durch die so genannten ethnischen Säuberungen auf dem Balkan. Solche Katastrophen zeigten, so Rech, dass die Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa „kein singuläres Ereignis der Weltgeschichte war und leider auch nicht geblieben ist“. Der Minister dankte den katholischen Vertriebenen, dass sie sich für eine friedliche Zukunft Europas einsetzen. Sie hätten zusammen mit anderen Verbänden „Brücken der Verständigung zu unseren östlichen Nachbarn“ gebaut. Rech kündigte für 2009 eine Große Landesausstellung zum Thema Flucht und Vertreibung an.

Der Name der Ackermann-Gemeinde, deren Symbole Kreuz und Pflug sind, geht zurück auf die neuhochdeutsche Dichtung "Der Ackermann aus Böhmen". Aus Gram über den frühen Verlust seiner Ehefrau klagte er den Tod an, fügte sich aber letztlich der Vorsehung Gottes. Im Rottenburg-Stuttgarter Diözesanverband hat die Ackermann-Gemeinde nach eigenen Angaben rund 500 Mitglieder; zudem sind in den Kirchengemeinden mehrere tausend Katholiken in Ackermann-Gemeinden zusammengeschlossen. Deutschlandweit ist die Ackermann-Gemeinde unter dem Dach eines Bundesverbandes in Diözesanverbänden organisiert.