Brückenschlag im Geiste des Heiligen Franz

"In einem vereinten Europa wirkt der Austausch der Kulturen beziehungsstiftend auf die Menschen", sagte der Bischof Fürst vergangenen Mittwoch, dem 5. Oktober, anlässlich eines Pressegesprächs in der umbrischen Hauptstadt Perugia. "Die Kirchen, Länder und Kommunen haben den wichtigen Auftrag, Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu schlagen. Als integrative Vermittler wirken sie beziehungsstiftend auch über Ländergrenzen hinweg und fördern den Austausch der Kulturen", so Fürst weiter. Im Beisein der Oberbürgermeister der Partnerstädte Perugia und Tübingen, Renato Locchi und seiner deutschen Amtskollegin Birgitte Russ-Scherer regte der Bischof an, die bestehenden partnerschaftlichen Beziehungen der Kommunen auf die Kirchengemeinden hin auszuweiten.

Dass der Brückenschlag über Ländergrenzen hinweg besonders die Jugendlichen zusammenführe, darüber verständigten sich der Rottenburger Bischof und sein Amtsbruder der Erzdiözese Perugia, Monsignore Giuseppe Chiaretti, bei einem Treffen im erzbischöflichen Palazzo. Beide hatten im August am Weltjugendtag in Köln teilgenommen. Sie äußerten den Wunsch, dass sich die Erfahrungen und die dort erfahrene Spiritualität der Jugendlichen bis hinein in die Gemeinden der verschiedenen Länder wirken. Besorgt zeigten sich beide Hirten über die Entwicklungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Globalisierung und Arbeitsmarktverschiebungen führten in den einigen Ländern zu einer Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Die soziale Frage verstärkt in den Kirchengemeinden zu verankern, auf strukturelle Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen und Initiativen für Benachteiligte zu entwickeln, dazu könnten die Kirchen einen wichtigen Beitrag leisten.

Einen Tag zuvor, am 4. Oktober, hatte Bischof Fürst die Kongregation der Franziskanischen Schwestern von Sießen in Assisi besucht. Der Bischof lobte das Engagement der Schwestern, die in der Heimatstadt ihres Ordensgründers ein Haus für Jugendliche, die eine Auszeit vom Alltag nehmen möchten, unterhalten. Sie laden junge Erwachsene ein, mit ihnen im "Casa della Pace" ihr Leben im Geist des heiligen Franziskus zu teilen. Dort haben sie die Möglichkeit, für einige Tage die gemeinsam mit den Schwestern zu beten und zu leben. So erfahren die jungen Menschen den Geist des Heiligen Franziskus an seinem Wirkungsort.

Wie sehr Franzikus, der bis heute als einer der bedeutendsten Heiligen in der katholischen Kirche bewegt, zeigte sich besonders in den Feierlichkeiten rund um das Franziskusfest, den die Italiener als ihren Nationalheiligen verehren. Mit der Teilnahme an dem feierlichen Gottesdienst in der Basilika San Francesco, den Bischof Fürst mit dem Bischof von Assisi und Bischöfen aus verschiedenen Regionen Italiens feierte, war der Geist, der die Schwestern und Brüder der Franziskanischen Gemeinschaft berührt, besonders spürbar. Am Todestag des Franziskus, dem 3. Oktober, nahm Bischof Fürst mit der Reisegruppe der Tübinger Journalisten am feierlichen Einzug in die Basilika Santa Maria degli Angeli und an der liturgischen Feier des Transitus des Heiligen teil.

Zu den Feierlichkeiten war eigens eine Gruppe von Fahrradfahrern aus Stuttgart angereist. Bei ihrem Empfang in Assisi lobte Bischof Fürst ihr Engagement und ihren Einsatz für die franziskanische Idee. Die Radfahrer, Eltern von Schülerinnen des Stuttgarter Mädchengymnasiums St. Agnes, hatten zugunsten der Aktion "Ein Haus in Assisi" 1200 Kilometer durch drei Länder zurückgelegt. Die Idee zu der Sponsoren-Radtour geht auf die Initiative von Schülerinnen, Eltern und Förderern der Schule zurück. Mit der Initiative "Ein Haus für Assisi" möchten sie am Wirkungsort des Heiligen Franziskus ein Haus erwerben, an dem junge Menschen die christliche und franziskanische Spiritualität leben und erfahren können. Dass der Geist von Assisi und das Wandeln auf den Spuren des Heiligen Franziskus zur Entdeckung der eigenen Persönlichkeit beiträgt, davon sind die Initiatoren überzeugt. Um die Aktion "Ein Haus in Assisi" mit Spendengeldern zu fördern, gründeten die Initiatoren eine Stiftung, für die die Baden-Württembergische Kultusministerin Annette Schavan die Schirmherrschaft übernommen hat. Derzeit verhandeln die Initiatoren mit der Kommune Assisi über ein geeignetes Objekt.

Veranstaltet wurde die Reise nach Assisi vom Tübinger Presseclub in Zusammenarbeit mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nach einer Fahrt nach Rom im Jahr 2002 war dies die zweite Reise mit den Journalisten.