Veranstaltung

Bürgermeister stärken

Der Erste Beigeordnete des Gemeindetags, Patrick Holl, berichtet von der Situation der Bürgermeister im Land. Bild: ralph-koch-photos.com

In Kooperation mit dem Gemeindetag bietet der Fachbereich Führungskräfte eine Online-Reihe für kommunale Führungskräfte an.

Mit einer speziellen Online-Reihe richtet sich der Fachbereich Führungskräfte der Diözese Rottenburg-Stuttgart an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Baden-Württemberg. Entstanden ist das Angebot in Kooperation mit dem Gemeindetag, der Erzdiözese Freiburg und dem K-Punkt Ländliche Entwicklung. Im Interview erläutert Stefanie Oeben vom Fachbereich Führungskräfte, warum die katholische Kirche ein Programm für Bürgermeister auflegt; der Erste Beigeordnete des Gemeindetags, Patrick Holl, wiederum berichtet, wie es um die Situation dieser besonders geforderten Führungskräfte bestellt ist.

Frau Oeben, „Ich. Wir. Alle“ so nennen Sie Ihre Online-Themen-Reihe für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Was erwartet die Teilnehmenden?

Im ersten Teil geht es um die Amtsträgerinnen und Amtsträger selbst und mit welchen Herausforderungen, aber auch Anfeindungen sie in ihrem Amt konfrontiert werden. Drei Bürgermeisterinnen und Bürgermeister berichten uns von ihrem Alltag und gemeinsam mit Experten des Landeskriminalamts und des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung gehen wir dann der Frage nach, welche Strategien es gibt, mit solchen Bedrohungslagen umzugehen. Im zweiten Teil geben uns Bürgermeister aus ihrer Praxis heraus Einblick, wie Sie auf unterschiedliche Art und Weise das Problem von verwaisten Ortsmitten lösen. Im dritten Teil geht es schließlich darum, welche Möglichkeiten die Gemeinwohlökonomie den Kommunen bietet. Alle drei Online-Veranstaltungen sind so angelegt, dass die Teilnehmenden bereichernde Anregungen und Ideen für ihren Berufsalltag mitnehmen können.

Und warum sieht es die Diözese Rottenburg-Stuttgart als Teil Ihrer Aufgaben an, für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister eine solche Themenreihe anzubieten? Um Glaubensvermittlung geht es dabei ja nicht.

Glaubensvermittlung ist eine zentrale Aufgabe von Kirche, aber nicht ihre ausschließliche. Grundsätzlich ist es die Aufgabe der Kirchen in all ihrem Tun, den Menschen und seine Bedürfnisse in den Blick zu nehmen. Und wir im Fachbereich Führungskräfte überlegen uns, an welchem Punkt Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger gerade stehen und was sie brauchen könnten.

Dabei ist uns auch wichtig, dass unsere Angebote eventuell bestehende Angebote ergänzen, wie wir auch in diesem Fall der Akademie des Gemeindetags keine Konkurrenz machen. Im Gegenteil: Durch die verschiedenen Blickwinkel der Kooperationspartner ist es uns gelungen, eine Reihe mit echtem Mehrwert auf die Beine zu stellen. 

 

Herr Holl, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind allseits gefordert: Bürgerschaft, Verwaltung, Vereine, Gemeinderat. In den Medien wird zudem immer öfter von Übergriffen und Anfeindungen berichtet. Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Situation der Frauen und Männer in diesem Amt?

Nach unserer Wahrnehmung steigen die Anforderungen an die Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber aus verschiedenen Gründen kontinuierlich. Die Rahmenbedingungen in rechtlicher, fachlicher und nicht zuletzt oftmals auch finanzieller Hinsicht werden zunehmend komplexer und anspruchsvoller.

Nach wie vor genießen das Amt und die Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber unseres Erachtens eine große Anerkennung und die Wertschätzung einer großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Gleichwohl lässt sich bedauerlicherweise zunehmend beobachten, dass der Umgangston oftmals rauer wird und die Hemmschwelle auch zu persönlichen Anfeindungen bisweilen sinkt. Die sozialen Medien und anderweitige digitale Kanäle spielen hierbei nicht zuletzt auch eine maßgebliche Rolle.

Wie haben sich die vier Kooperationspartner zusammengefunden und was macht das Angebot aus Ihrer Sicht besonders reizvoll, Herr Holl?

Die Kolleginnen und Kollegen des K-Punkts wurden mit dem Angebot initiativ. Wir haben hierfür rasch unsere Unterstützung und Kooperation in Aussicht gestellt, da die Themen von großer Aktualität und Praxisrelevanz sind. Insbesondere die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch untereinander und der Wissenstransfer mit den qualifizierten Referentinnen und Referenten sind hierbei sicherlich besonders reizvoll.

Frau Oeben, die Themen-Reihe greift auch die Gemeinwohlökonomie auf. Was verbirgt sich dahinter und warum ist das ein Thema für Bürgermeister, aber auch für uns alle?

Einige Kommunen in Deutschland haben sich nach Gemeinwohlökonomie-Kriterien zertifizieren lassen und in Nordrhein-Westfalen ist sogar eine ganze Gemeinwohl-Region entstanden. Auch in Stuttgart erstellen vier städtische Betriebe eine Gemeinwohl-Bilanz – es gibt also unterschiedliche Wege, sich als Kommune diesem Thema zu nähern. Im November berichten uns Bürgermeister aus erster Hand, welche Vorteile sie darin sehen, ihre Verwaltung nach Gemeinwohlökonomie-Kriterien auszurichten und welche Erfahrungen sie damit bislang gemacht haben. Dass sich Grundsätze der nachhaltigen Unternehmensführung – die Gemeinwohlökonomie kann man in ihrer Kernausrichtung hier dazu zählen – immer mehr durchsetzen, sehen wir ja auch in der Wirtschaft. Diese Entwicklung ist mehr als ein Trend, es ist vielmehr die Rückbesinnung auf unser Wertesystem.

Das Programm „Ich. Wir. Alle.“ in Kürze

Die Online-Themen-Reihe „Ich. Wir. Alle“ richtet sich an Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Baden-Württemberg. Kurzentschlossene haben die Möglichkeit, sich noch für die Auftaktveranstaltung am 15. Juli unter fk(at)bo.drs.de anzumelden. Die Themenreihe startet am 15. Juli mit dem Titel „Im Amt stark sein – und bleiben!“; fortgesetzt wird sie einen Monat später am 14. Oktober rund um die Frage „Wie das Wir gelingt – lebendige Ortsmitte gestalten“. Den Abschluss des jeweils eineinhalbstündigen Austauschs bildet am 10. November die Veranstaltung zu „Jeder für jeden, alle für alle – liegt die Zukunft in der Gemeinwohlökonomie?“. Weitere Informationen finden sich online unter https://kirche-und-gesellschaft.drs.de/fuehrungskraefte.html.

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