Caritas ehrt bei Festakt zum 90. Geburtstag innovative Projekte von Ehrenamtlichen

Drei außergewöhnliche Projekte von Ehrenamtlichen erhielten den mit insgesamt 9.000 Euro dotierten Preis: die „Initiative Lesewelt“ (Ravensburg), „Kultur für Arme“ (Stuttgart) und „Ausweg“ (Friedrichshafen). Bischof Gebhard Fürst würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des Caritasverbandes in seiner Diözese und dankte „für 90 Jahre vielfältiges karitatives Engagement“ von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Gerade die Caritas“, so Bischof Fürst, „baut unsere Kirche grundlegend auf; ohne die karitative Dimension fehlt ihr der eigentliche Grund und ihre Glaubwürdigkeit.“

„Mit ihren sozialen Einrichtungen, Hilfsdiensten und Projekten ergänzt die Caritas die staatlichen Hilfen auf hervorragende Weise. Die Caritas ist und war dabei stets ein verlässlicher Partner“, sagte Arbeits- und Sozialministerin Monika Stolz bei der Feier. Dass es dem Verband immer wieder gelinge, in der Politik und Öffentlichkeit als Anwalt für Benachteiligte klare Positionen zu vertreten und auf Gesetzesvorhaben einzuwirken, machte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, deutlich.

Mit der Gründung des Verbandes vor 90 Jahren sollten zahlreiche bestehende karitativen Vereinigungen unter einem Dach gebündelt werden, erklärte Diözesan-Caritasdirektor Wolfgang Tripp. „Ein gemeinsames Dach, um auch nach außen für die Notleidenden mit starker Stimme aufzutreten.“ Dieser Grundauftrag gelte noch heute. Verändert hätten sich aber die Rahmenbedingungen. „Es gilt Hilfe für Menschen in Not zu organisieren und Solidarität zu stiften.“ Ein solcher Gemeinschaftssinn geht beispielhaft von den drei Initiativen aus, die beim Festakt mit dem Caritas-Preis ausgezeichnet wurden. Der Preis wurde zum neunten Mal vergeben. Er würdigt Projekte von Ehrenamtlichen, die auch jenseits des traditionell kirchlichen Sektors durch innovative Ideen herausragen.

Vorlesen – der erste Schritt in eine bessere Zukunft

Die Initiative „Lesewelt Ravensburg“ des gleichnamigen Vereins gewann den mit 3.000 Euro dotierten Preis in der Dimension der Selbstbestimmung und Teilhabe. Das Projekt wendet sich an Kinder im Alter von zwei bis 12 Jahren, insbesondere auch an Kinder mit Sprachdefiziten und Migrationshintergrund. In Ravensburg, Weingarten und Umgebung kommen derzeit 44 Vorleserinnen und Vorleser in Kindergärten und Schulen, Stadtbüchereien, Familientreffs und Seniorenheimen zum Einsatz. Die Initiative engagiert sich über das regelmäßige Vorlesen hinaus an verschiedenen Aktionen wie dem Ravensburger Vorlesetag oder dem Sommerferienprogramm.

Die Initiative “Lesewelt” überzeugte die Jury, da das Engagement des Vorlesens den beteiligten Kindern neue Spiel- und Entwicklungsräume eröffnet. Mit dem Dienst des Vorlesens investiert die Initiative in die Bildungschancen der Kinder. Das Vorlesen stärkt die Kinder im Spracherwerb und im Begreifen der Welt. Es fördert ihre emotionale und psychische Entwicklung und erhöht ihre Chancen, ein gutes Bildungsniveau zu erreichen. Die Initiative setzt ein deutliches und charmantes Signal in der Öffentlichkeit.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Den 2. Preis, ebenfalls mit 3.000 Euro dotiert, erhielt die Initiative „Kultur für Arme“ des Caritasverbands für Stuttgart mit seiner Regionalen Beratungsstelle und Tagesstätte „Olga 46“ in der Dimension Spiritualität. Täglich suchen rund 140 Menschen den Treff „Olga 46“ auf. Hier erhalten sie eine materielle Grundversorgung wie Essen, Kleidung und eine Waschgelegenheit. Wissend, dass der Mensch nicht vom Brot alleine lebt, initiierte die Tagesstätte unter diesem Motto das Projekt „Kultur für Arme“. Potentielle Spender und Sponsoren werden gesucht, die zur kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen in Armut beitragen. Mitarbeiter und Besucher der Tagesstätte entwickelten hierfür gemeinsam mit einer Werbeagentur und einem Fotografen die Idee einer Werbekampagne. Fotoshooting, Texte, Werbematerialien entstanden in gemeinsamer Verantwortung.

Das Projekt imponierte der Jury, da es auf überzeugende und sympathische Weise die kulturelle Integration von Menschen in Armut thematisiert. Es setzt ein Zeichen, dass der Armutsbegriff nicht nur auf die materielle Ebene reduziert wird. Deutlich wird: Armut hat vielseitige Aspekte. Das Bedürfnis nach Kultur, sinnvollen Freizeitaktivitäten uns sozialen Kontakten ist so groß wie materielle Grundbedürfnisse. Ein weiteres Plus: Der Initiative gelingt es vorbildlich, die christliche Botschaft „Der Mensch lebt nicht vom Brot allen“ mit konkreter Praxis zu erfüllen.

 

Weg aus der Schuldenfalle gehen

Der 3. Preis ging verbunden mit 3.000 Euro für die Dimension politisches Handeln an die Initiative „Ausweg“ in Friedrichshafen. Diese Initiative wendet sich an überschuldete Menschen und wird von der Caritas Bodensee-Oberschwaben und der katholischen Kirchengemeinde in Friedrichshafen getragen. Die Überlastung der Schuldnerberatungsstelle war Anstoß zu diesem Projekt. 16 Ehrenamtliche begleiten überschuldete Menschen, indem sie etwa eine Schuldenübersicht erstellen oder die Antragsteller bei Behördengängen unterstützen. Seit Beginn der Initiative im November 2007 konnten 25 Menschen begleitet und in den meisten Fällen ein Ausweg aus der Schuldenfalle gefunden werden. Mit der professionellen Schuldnerberatungsstelle, den städtischen Behörden und Trägern anderer sozialer Dienste und Kirchengemeinden findet eine enge Zusammenarbeit statt.

Die Initiative „Ausweg“ beeindruckt vor allem durch die fundierte Analyse der Thematik im örtlichen Gemeinwesen und dem komplementären Ansatz. Der Auf- und Ausbau ehrenamtlicher Schuldnerbegleitung ist ein konsequenter Schritt, Menschen in dieser Lebenssituation Hoffnung auf einen Ausweg zu vermitteln und konkrete Schritte mit den betreffenden Menschen begleitend zu gehen. Im Aufgreifen dieser Thematik in Form des Öffentlichmachens dieser Not von Menschen wird die sozialpolitische Anwaltschaft von Caritas unmittelbar sichtbar, so die Jury.

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Hinweis an die Redaktionen:
Gleichlautende Pressemitteilung wird heute auch von der Pressestelle des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart herausgegeben.