Caritas muss wie ein Unternehmen handeln

Die Arbeit des Deutschen Caritasverbandes (DCV) müsse den Geboten der Wirtschaftlichkeit, der Nachhaltigkeit und der Transparenz verpflichtet sein, sagte Roth, der Finanzvorstand des in Freiburg ansässigen DCV ist, am Mittwoch in Stuttgart vor Aufsichtsratsvorsitzenden kirchlicher Einrichtungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Was passiere, wenn „Prinzipien des ordentlichen und soliden Kaufmanns“ nicht eingehalten werden, zeige die gegenwärtige Finanzkrise.

Diese Prinzipien erfordern nach Roth zufolge Instrumente und Strukturen, wie sie in ordentlichen Unternehmen mit Blick auf ein ökonomisches und marktgerechtes Handeln eingesetzt werden. Als Beispiele nannte er ein Finanz-, Personal- und Dienstleistungsmanagement, ein Risiko-, ein Qualitäts- und ein Beschwerdemanagement sowie Aufsichts- und Kontrollstrukturen. Der Unterschied zwischen Caritasverbänden und anderen Unternehmen bestehe zum einen in der Bindung an einen Ortsbischof und zum anderen in der Verpflichtung, Überschüsse im Sinne der Gemeinnützig zu verwenden, statt sie etwa an Investoren auszuschütten. Insgesamt 15 Leitlinien schrieb Roth den Aufsichtsratsvorsitzenden ins Stammbuch, von der strikten Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Menschen über das Profil einer lernenden Organisation bis zum Selbstverständnis einer gelebten Dienstgemeinschaft im kirchlichen Ordnungsrahmen mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen.

Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp, Hauptabteilungsleiterin Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart, attestierte dem DCV, dass er sich „angesichts einer anhaltenden Spannung zwischen ökonomischen Rahmenbedingungen und ethischen Herausforderungen auf Leitlinien für unternehmerisches Handeln verständigen“ habe können. Sie betonte, Caritasunternehmen hätten Anteil am Sendungsauftrag der Kirche. Sie seien als Orte der heilsamen Nähe Gottes und als Ausdruck einer missionarisch-diakonischen Kirche zu verstehen.

Die karitative Arbeit der Kirche müsse auch verhindern, so die Ordinariatsrätin, „dass der so genannte Markt noch mehr Reste produziert, die auf eine Caritas der Armen abgeschoben werden“. Die Entwicklung der Suppenküchen und Tafelläden wie auch der anhaltende Diskurs zwischen den Kirchen und der Landesregierung zu einem Armut- und Reichtumsbericht ließen erahnen, dass Fragen der sozialen Gerechtigkeit in den nächsten Jahren an Brisanz zunehmen.