„Christentum ist Garant der Vielfalt“

Die Idee eines auf christlichen Wurzeln gründenden humanen und sozialen Europa drohe in dessen größer gewordenen Gestalt Schaden zu nehmen, sagte Bischof Fürst am Wochenende bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen und Verbände (AKO) in Stuttgart.

Er warnte davor, die christlichen Ursprünge aus dem Blick zu verlieren. Das aus dem Judentum hervorgegangene Christentum habe in Europa tiefe und prägende Spuren in den geistigen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen hinterlassen. Der Islam habe die europäische Kultur auch beeinflusst, ohne dass man jedoch von einer Prägung Europas durch diese Religion sprechen könne.

Bischof Fürst nannte als Beispiel für die prägende Kraft des Christentums in Europa den in den Verfassungen festgeschriebenen Respekt vor der Menschenwürde. Dieser Respekt habe seinen Ursprung im biblischen Wort von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen; er gründe in Europa „weder in der griechisch-römischen Tradition noch in philosophischer Spekulation“. Dieses Menschenbild habe Europa zu einem Kontinent der Freiheit und der Pluralität geformt. „Europas plurales Christentum ist selbst Teil und Garant der Vielfalt in Europa“, so Bischof Fürst. Mit Blick auf die strukturell wachsende Not der Erwerbslosen sagte er, aus der Krise der Arbeitsgesellschaft führten allein auf ökonomischer Prinzipien reduzierte Strategien auf sozialverträgliche Weise nicht heraus. Ziel müsse sein, den Menschen konsequent als Mitte und Ziel der Wirtschaftsordnung zu sehen. In einem Gottesdienst erinnerte Domkapitular Rudolf Hagmann an die eindrucksvolle und in Teilen auch widersprüchliche Geschichte der Ausbreitung des Christentums durch den Apostel Paulus und seine Mitarbeiter. Durch den Mann aus Tarsus in der heutigen Türkei habe die christliche Botschaft die Grenzen des engen syrisch-palästinischen Raums überschritten, sei nach Europa gekommen „und zur belebenden Wurzel dieser Wertegemeinschaft geworden“. Nicht von ungefähr seien „viele der großen Anwälte eines geeinten Europas von diesen Wurzeln getragen und bestimmt“.