Christentum ist Motivationskraft für eine Stadtkultur

Beim Sommerfest am Donnerstag an seinem Stuttgarter Dienstsitz betonte er vor rund 150 Männern und Frauen im Seelsorgedienst, die Stadt mit ihren vielen verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Milieus stelle Seelsorger vor besondere Herausforderungen. Ihr Auftrag sei, orientiert am Propheten Jesaja, „der Stadt Bestes zu suchen“. Einer engen „Kirchturmpastoral“ aus Gründen knapper werdender Kassen und sinkender Mitgliederzahlen erteilte der Bischof eine Absage. „Die Kirche lebt weiter von Begegnung und Kommunikation im Vertrauen auf den heiligen Geist Gottes.“

Bischof Fürst zeigte Verständnis für die Probleme der 145.000 Katholiken in 64 Gemeinden in Stuttgart. Er erinnerte an finanzielle Belastungen durch Liegenschaften, an demografische Strukturprobleme und Zukunftssorgen kirchlicher Einrichtungen. Er warnte aber vor einer Machermentalität. Der Apostel Paulus habe gezeigt, wie die christliche Botschaft auch in den Städten mit ihren vielen Strömungen gelassen verkündet werden kann. „Paulus ist davon überzeugt, dass es Gottes Kirche ist, für die er arbeitet.“ Die Seelsorger müssten nicht alles selber machen, sondern dürften auf den Geist Gottes vertrauen.

Allerdings dürfe die Religion nicht aus dem öffentlichen Diskurs ausgeklammert werden, betonte der Bischof. Auch eine säkulare Gesellschaft müsse sensibel bleiben für die Motivationskraft, die eine Stadtkultur zusammen halte. Dem Christentum müsse die Möglichkeit gegeben werden, sich zu artikulieren. Dort wo die Kirchen im sozialen Bereich, im Kulturleben oder in der Bildungsarbeit tätig seien, leiste sie einen wesentlich Beitrag zur Stadtkultur. Auch Kirchenräume gehörten dazu. Sie seien Orte der Sakralität und Zeichen für die Gegenwart Gottes in der Welt. Den Glauben in die Nische einer Privatangelegenheit abzudrängen, bedeute, für die Gesellschaft lebensnotwendige Sinnressourcen nicht mehr zuzulassen, so Bischof Fürst.

Uwe Renz