Christliche Gemeinde: Willkommensgemeinschaft, Ort der Barmherzigkeit und der Gottsuche

Zugleich würden Gemeinden „dann zu bedeutenden Alternativen in einer oft kalten Gesellschaft, wenn sie besonders die willkommen heißen, die sonst niemandem willkommen sind". Dies hat der Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler anlässlich des Jubiläums zum 500-jährigen Bestehen der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes in Wäschenbeuren (Kreis Göppingen) betont. Die Kirche in Wäschenbeuren wurde am 7. Juli 1507 durch den Augsburger Weihbischof Heinrich Negelin zu Ehren des heiligen Johannes des Evangelisten geweiht. Negelin war bis 1505 Pfarrer in Schwäbisch Gmünd gewesen.

Die Erinnerung, die mit diesem Jubliäum verbunden sei, bedeute, dankbar zu sein, betonte Weihbischof Kreidler – „dankbar füreinander, für die, die mit uns Gemeinde bilden, die heute neben uns beten und zur Gemeinde gehören, aber auch für die, die die Geschichte Ihrer St.-Johannes-Gemeinde prägten und heute nicht mehr unter uns sind“. In diese Dankbarkeit müssten auch die „Kleinen“ einbezogen werden, deren Namen nie in der Öffentlichkeit gestanden seien, sagte Kreidler. Erinnerung bedeute aber auch „Er-innerung unserer Identität vor Gott“, so der Weihbischof.

Das 500-jährige Jubiläum binde Vergangenheit und Zukunft zusammen, sagte Weihbischof Kreidler. Wer nur die Vergangenheit betone, „lebt bald aus dem Archiv“. Es gehe aber auch darum, nicht von jedem schnelllebigen Trend überholt zu werden. Das Evangelium sei dauerhaft und gebe dennoch Raum für neue Aufbrüche, betonte Kreidler. Es motiviere eine Gemeinde, Ort der Gottsuche und „Willkommensgemeinschaft für Jugendliche und ältere Menschen, Gesunde und Kranke, Zugezogene und Eingesessene, Arme und Reiche, Aktive und Passive, Familien und Alleinlebende“ zu sein. Das Evangelium stelle eine Gemeinde angesichts einer Leistungsgesellschaft und „Null-Fehler-Mentalität“ auch vor die Frage, ob sie ein „Ort der Barmherzigkeit“ sei. „Worauf schauen wir: auf Vollkommenheit oder auf Gottes Barmherzigkeit?“, fragte der Weihbischof und fügte hinzu: „Machen wir unsere Gemeinden nicht zu Leistungsgesellschaften im Kleinen! Sehen wir einander wieder mehr mit den Augen der wohlwollenden Barmherzigkeit Gottes und denken wir manchmal daran, Jesus ist bei einem Sünder eingekehrt.“