Christliches Zeugnis beginnt mit einem neuen Sehen

Wer lange genug verweilend schaut, lässt Menschen und Ereignisse an sich heran. Sie beginnen zu sprechen und werden so zum Anspruch“. Dies sei lebensnotwendig in einer Zeit, in der immer schnellere Wandlungsprozesse auch vor den Dörfern nicht halt machten, sagte Weihbischof Kreidler. Zwar sei im überschauberen Bereich der Dörfer der „Rückgriff auf gewachsene nachbarschaftliche Nähe und Verbundenheit“ noch leichter als anderswo. Doch auch die ländliche Bevölkerung komme nicht daran vorbei, sich auf mehr Flexibilität und Offenheit für Neues einzustellen. Mancher Mensch komme bei den Veränderungsprozessen nicht mehr mit; da gelte es, einander in einem Netz von Solidarität und Verständnis aufzufangen.

Weihbischof Kreidler verwies auf das Beispiel Jesu: Er sei an der Not der Menschen nicht vorbei gegangen; „sein Mitleid hält ihn fest und lässt ihn handeln“. Heute überfordere die in den Medien allgegenwärtige Not die Menschen. „Der Weg vom Sehen mit den Augen zum Sehen mit dem Herzen“ könne unendlich weit sein, sagte der Weihbischof. Neben einer neuen Sehweise, fügte er hinzu, bräuchten die Menschen „Auferstehungsworte und Auferstehungserfahrungen“. Oft gebe es Erfahrungen von „schleichendem Tod“ mitten im Leben. Es gehe angesichts vieler ausweglos erscheinender Situation im persönlichen und im gesellschaftlichen Leben um eine „österliche Lebensspur“, betonte der Rottenburger Weihbischof. „Österliches Zeugnis beginnt mit der Wahrnehmung von Leid und Not, es beginnt mit unserem Sehen“; es zeige sich dann aber in den zwischenmenschlichen Begegnungen sowie im persönlichen Engagement für das Gemeinwohl. Gerade für die ländliche Bevölkerung komme es auch darauf an, „eine starke und sensible Kraft für die Bewahrung der Schöpfung“ und für ein „nachhaltiges Leben“ herauszubilden“, sagte Weihbischof Kreidler.