Christsein im Zeichen der Verfolgung

Über die bedrängte Lage der Christen in dem von Bürgerkrieg, Christenverfolgung und Hungerkatastrophen geschundenen Land berichten sie u. a. bei Unterrichtsbesuchen in Rottenburger katholischen Schulen, bei einer Sitzung des Diözesanrats sowie des Diözesanratsausschusses Eine Welt, bei Gemeindegottesdiensten und –Besuchen in Erbach-Dellmensingen, Esslingen-Mettingen und Winterbach oder beim Priestertag der Diözese in Rottenburg. Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart veranstaltet mit den Gästen aus dem Sudan eine Abendveranstaltung unter dem Thema „Friede im Sudan – eine Utopie? Zur Lage im Sudan und zur Situation sudanesischer Flüchtlinge in Deutschland“. Auch ein Gespräch mit Vertretern des baden-württembergischen Landtags steht auf dem Programm (nähere Informationen s. Anlagen).

Hilfe zum Überleben und Zeichen der Solidarität

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt die Kirche im Sudan seit 1970 mit knapp acht Millionen Euro. Direkte Beziehungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur katholischen Kirche des Sudan bestehen seit 1980, als der damalige Bischofsvikar Prälat Eberhard Mühlbacher den Erzbischof Zubeir Wako von Khartoum in Tübingen traf. 1982 konnte sich Mühlbacher selbst vor Ort ein Bild von der bitteren Not der Priester und Katechisten in dem afrikanischen Staat machen. Daraufhin wurde 1983 die Aktion PRIM für den Diözesanklerus im Sudan initiiert, in deren Rahmen Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart ihre sudanesischen Mitbrüder mit rund 3,65 Millionen Euro unterstützt haben. 1984 folgte eine Aktion zur Unterstützung der Katechisten mit einem Ertrag von 1,4 Millionen Euro, die 1996 von missio Aachen übernommen wurde.

Die Projektförderung der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die katholische Kirche im Sudan belief sich in den vergangenen zehn Jahren auf rund 3,1 Millionen Euro. Etwa 2,1 Millionen Euro entfallen davon auf die Aktion PRIM, den Rest steuerte die Diözese aus Haushaltsmitteln und Spenden bei. Allein im Jahr 2009 beteiligten sich 345 Priester der Diözese an der Aktion. Von den rund 283.850 Euro, ergänzt durch diözesane Mittel in Höhe von etwas über 124.000 Euro, konnten neben Priestern in Äthiopien und Eritrea 280 Priester im Sudan unterstützt werden. Die Priester in diesen Ländern beziehen in der Regel kein festes oder nur ein sehr geringes Grundgehalt. Für sie ist die PRIM-Hilfe ein wichtiger Beitrag zu ihrer Existenzsicherung. Für den Sudan wurde er auf 750 Euro pro Person festgelegt. Die Zuwendungen helfen ihnen, Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung oder medizinische Versorgung zu befriedigen. Nicht selten können sie damit auch ihrer Verantwortung für bedürftige Familienmitglieder nachkommen. Ein Teil der Gelder aus der Aktion PRIM wird in Absprache mit den einheimischen Kirchen auch in einem Fonds angelegt, um die Zusatzversorgung der Priester nachhaltig sicherzustellen. Über den materiellen Aspekt hinaus ist die Aktion PRIM für die unter schwierigsten Bedingungen lebenden und arbeitenden Priester vor allem auch ein starkes Zeichen der Solidarität und der Ermutigung. Zahlreiche Briefe zeugen davon.

Über die unmittelbaren Hilfen aus der Aktion PRIM hinaus hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart über ihre Hauptabteilung Weltkirche den sudanesischen Diözesen auch für eine Reihe von Projekten Finanzmittel zur Verfügung gestellt: so beispielsweise für den Wiederaufbau von Kirchen und Gemeindezentren, für Schulungs- und Bildungseinrichtungen, für die Flüchtlingshilfe, die Gesundheitsversorgung oder allgemein für die Unterstützung der Seelsorge. In jüngster Zeit wurde besonders der Aufbau einer katholischen Universität im Südsudan gefördert. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart beteiligte sich daran in den Jahren 2008 und 2009 mit 70.000 Euro. Für die Ausbildung von Priestern und Laien zu Trauma-Beratern („Healing the Healers“) stellte sie 50.000 Euro zur Verfügung.

Dr. Thomas Broch