Das Adsum des Anfangs ein Leben lang nachbuchstabiert

Vier Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart feiern in diesem Jahr ihr 70-jähriges Priesterjubiläum. Am 19. März 1937 waren sie im Rottenburger Dom von Bischof Joannes Baptista Sproll geweiht worden. Von den vier noch lebenden Geistlichen dieses Weihekurses waren Pfarrer i. R. Karl Braun, Rottenburg-Ergenzingen, Geistlicher Rat und Pfarrer i. R. Gebhard Luiz, Schwäbisch Gmünd, und Geistlicher Rat und Pfarrer i. R. Anton Schmid, Wangen im Allgäu, der Einladung von Bischof Gebhard Fürst gefolgt. Pfarrer i. R. Josef Reutlinger, Isny, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen.

„Mitten in finsterer Zeit und kurz vor Beginn des verheerenden Weltkriegs“ seien sie geweiht worden, erinnerte Bischof Fürst. Der Wahlspruch des unvergessenen Bekennerbischofs Sproll, „Fortiter in fide – Tapfer im Glauben“, sei den Jubilaren auch ein Zuspruch in vielen schwierigen Herausforderungen gewesen. Der Bischof dankte ihnen, dass sie 70 Jahre ihrem Dienst und ihrer Berufung treu geblieben seien, und er sprach diesen Dank auch im Namen seiner Vorgänger Joannes Baptista Sproll, Carl Joseph Leiprecht, Georg Moser und Walter Kasper sowie der gesamten Diözese aus. In ihrer Lebens- und Glaubensgeschichte, so Bischof Fürst, sei wirksam geworden, was die jetzt hoch betagten Priester am Anfang ihres Weges versprochen hätten. Unter anderem sei in der Mitte ihrer Lebensgeschichte das Zweite Vatikanische Konzil gestanden, erinnerte der Bischof. „Erst im Laufe eines Lebens wird die Tragweite bewusst, die in jenem Adsum liegt, das Sie an Ihrer Priesterweihe gesprochen haben“, sagte Bischof Fürst und fügte hinzu: „Vieles, was darin umschlossen ist, mussten Sie erst im Laufe Ihres Lebens nachbuchstabieren.“

Pfarrer Karl Braun (94), geboren 1913 in Schwäbisch Gmünd, wurde nach insgesamt neunjähriger Vikarszeit in Biberach, Griesingen, Ebersbach, Stuttgart und Esslingen 1946 Stadtpfarrer in Mühlacker, 19551 Bischöflicher Kommissär und von 1965 bis zu seiner Pensionierung Ende 1987 Stadtpfarrer in Ravensburg. Heute lebt er auf den Liebfrauenhöhe in Rottenburg-Ergenzingen.

Geistlicher Rat Pfarrer Gebhard Luiz (93), geboren am 1913 in Ulm-Söflingen, war Vikar in Stuttgart, Ulm, Riedlingen, Göppingen und Kirchbierlingen. In den Jahren 1940 und 1941 wurde er insgesamt eineinhalb Jahre von den NS-Behörden wegen Abhörens fremder Sender inhaftiert. 1945, unmittelbar nach Kriegsende, wurde er Pfarrverweser in Langenschemmern, 1946 Kaplaneiverweser und dann Kaplan in Schussenried, Von 1954 bis zu seiner Pensionierung Ende 1989 war er Stadtpfarrer und Strafvollzugsseelsorger in Schwäbisch Gmünd; von 1971 bis 1981 war er zugleich Dekan in Schwäbisch Gmünd. Auch im Ruhestand hat er Schwäbisch Gmünd als Heimat behalten.

Pfarrer Josef Reutlinger (95), wurde 1911 in Enkenhofen geboren. Er war zwischen 1937 und 1944 Vikar in Salach, Justingen und Hochmössingen. 1944 wurde er Pfarrverweser, 1947 Pfarrer in Schnürpflingen, von wo aus er ab 1963 Steinberg mitversorgte. Von 1973 bis zu seiner Pensionierung 1978 war er Pfarrer in Sießen im Wald. Heute lebt er in Isny.

Geistlicher Rat Pfarrer Anton Schmid (95) wurde 1912 in Immenried geboren. Von 1937 bis 1945 war Vikar in Stuttgart, Unterboihingen, Saulgau, Buchau, Ludwigsburg und Spaichingen. 1945 wurde er Pfarrverweser und 1948 Pfarrer in Leinstetten..1956 wurde er Pfarrer in Herbertingen, 1970 Pfarrer in Ratzenried, wo 1972 Kammerer und ab 1975 zusätzlich Pfarrverweser in Siggingen wurde. Nach seiner Pensionierung 1983 lebte er zunächst in Markdorf, jetzt in Wangen im Allgäu.