Das andere Lebensmodell: Liebe ohne Maß

Die 1882 geborene Franziska Nisch ist 1904 mit dem Ordensnamen Schwester Ulrika in den Orden der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz in Hegne eingetreten und dort im Jahr 1913 mit nur 31 Jahren gestorben. In Weierbach bei Offenburg, Bühl und Baden-Baden war sie zuvor als Küchenschwester tätig gewesen. Papst Johannes Paul II. hat die Franziskanerin 1987 selig gesprochen.

Schwester Ulrika, so Bischof Fürst habe sich von Gott rufen lassen und die Konsequenzen dieser Berufung durch ihre Lebensform gestaltet. „Die Liebe kennt kein Maß“, dies sei ihr Wahlspruch als Ordensfrau gewesen. Was ihrem Leben das „prägende Siegel“ gegeben habe, komme in der biblischen Erzählung von der Fußwaschung Jesu zum Ausdruck, sagte Bischof Fürst. Dass Jesus wie ein Knecht seinen Jüngern die Füße gewaschen habe, sei „Liebe bis zur Vollendung, Liebe, so wie Gott sie selbst ist, Liebe die kein Maß kennt“. Dass der Herr zum Knecht werde, stelle die Welt auf den Kopf, sagte der Bischof. Dies sei eine Geste, die den Menschen „eigentlich immer zuwider“ sei, da sie lieber anweisen wollten und dies für gut und richtig hielten. Jesus zeige aber ein anderes Lebensmodell. Es bestehe darin, „dass Liebe kein Maß kennt und gerade so die Welt heilsam verwandelt“. Jesus lade „zu dieser Praxis maßloser Liebe ein“. Das setze aber die Bereitschaft voraus, sich selbst von Jesus die Füße waschen zu lassen, sagte Bischof Fürst. Das bedeute, „sich an den niedrigsten Stellen des Lebens, dort wo wir schuldig geworden sind, von ihm reinwaschen zu lassen“. Wer das ohne Wenn und Aber an sich geschehen lasse, habe Anteil an Jesus Christus und werde „verwandelt zum liebenden Menschen ohne Wenn und Aber“. Das Ziel des Lebens und Sterbens und der Auferstehung Jesu sei es, „uns in seine Lebens- und Dienstpraxis hineinzunehmen“; dies sei „sein Dienst der Erlösung an uns“, betonte Bischof Fürst.

Die Hegner Ordensfrau Ulrika Nisch habe dies „zur Grundregel des eigenen Lebens werden lassen“. Die Menschen, die ihr begegnet seien, hätten „die Leuchtkraft und das Begeisternde eines solchen Lebens gespürt“, sagte der Bischof.