Persönliches

Das Evangelium durch mein Sein verkünden

Informationsweitergabe, Beratung und Begleitung von Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorgern sowie die Vernetzung von Schulen, Kirchengemeinden und kirchlicher Jugendarbeit bilden das neue Aufgabengebiet von Schwester Marlies Göhr als Dekanatsbeauftragte für Schulpastoral im Dekanat Ehingen-Ulm. Foto: DRS/Jerabek

Schulseelsorger zu vernetzen, beraten, begleiten – das ist die Aufgabe von Sr. Marlies Göhr als Ulmer Dekanatsbeauftragte für Schulpastoral.

„Erstmal werde ich hören und Kontakte knüpfen, mich vortasten und schauen, was nötig und was sinnvoll ist“, sagt Schwester Marlies Göhr. Anfang Februar hat die Vinzentinerin aus Untermarchtal ihre neue Aufgabe als Dekanatsbeauftragte für Schulpastoral begonnen – mitten im Lockdown. „Viele Lehrer sind im Homeschooling, aber ich hab‘ mich trotzdem einen Tag ins Lehrerzimmer gesetzt für diejenigen, die vielleicht doch mal vorbeikommen, und so schon einzelne Gespräch geführt“, berichtet Schwester Marlies aus den ersten Tagen ihrer Arbeit. „Und auf der Schulplattform, auf der sonst Online-Unterricht und Videokonferenzen stattfinden, habe ich einen Raum erstellt, in dem man mich virtuell besuchen und mit mir sprechen konnte. Da waren dann auch drei Kolleginnen da. So versuche ich den Kontakt über die modernen Medien zu haben.“

Mit lebendigen und tragfähigen Netzwerken, die den Menschen im Lebensraum Schule dienen, will die Diözese Rottenburg-Stuttgart ihr Profil als Teil einer „bildungsstarken Kirche“ schärfen und weiterentwickeln; Grundlage sind die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der „Modellphase Schulpastoral 2015-2020“. Bei den Dekanatsbeauftragten Schulpastoral / Kirche und Schule, deren Stellen in den meisten Dekanaten eingerichtet wurden oder werden, sollen die Fäden dieser Netzwerke zusammenlaufen. Mit Schwester Marlies gewinnt das Dekanat Ehingen-Ulm für diese 50-Prozent-„Profilstelle“ eine erfahrene Pädagogin und Seelsorgerin, die über vielfältige Erfahrung in der Bildungsarbeit, als Religionslehrerin und Gemeindereferentin verfügt.

Interessante Schnittpunkte

Die aus einer Handwerkerfamilie in Mutlangen bei Schwäbisch Gmünd stammende Marlies Göhr hat Religionspädagogik studiert und nach ihrer Ordensausbildung und Profess im Jahr 2002 die Ausbildung zur Gemeindereferentin absolviert. Nach ihrer Assistenzzeit in Rottweil und in Altshausen arbeitete die Vinzentinerin als Gemeindereferentin in Ehingen; ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war der Religionsunterricht.

Ab 2015 war Schwester Marlies vor allem in der Bildungsarbeit in Untermarchtal tätig. „Aus der Begleitung von Menschen, oft sind das ganze Schulklassen oder Firmgruppen, ergeben sich interessante Schnittpunkte für mein neues Aufgabenfeld“, sagt die 47-Jährige. Mit einer halben Stelle bleibt sie in diesem wichtigen Tätigkeitsfeld ihres Ordens weiterhin engagiert. Seit 15 Jahren gehört Schwester Marlies der Jugendseelsorgekonferenz im Dekanat Ehingen-Ulm an.

Den Blick weiten

„Was brauchen die Kolleginnen, die in der Schulseelsorge tätig sind, konkret, um ihre Aufgabe erfüllen zu können? Wo lassen sich Ressourcen bündeln? Welche Ideen kann ich in die Vernetzung reintragen?“ So umschreibt Schwester Marlies die zentralen Inhalte der neuen Stelle. „Es ist eine spannende Aufgabe, den Blick zu weiten – zu schauen, was an Unterstützung nötig ist“, sagt sie über die Vernetzungsarbeit. Wichtig ist ihr dabei, nicht nur die beauftragten Schulseelsorgerinnen und -seelsorger im Blick zu haben, sondern auch die Religionslehrer. „Ich finde, dass man als Religionslehrer immer auch irgendwie Schulseelsorger ist.“

Mit einem kleinen Stundendeputat gehört auch die konkrete Schulseelsorge zum Profil der neuen Stelle: Schwester Marlies ist Schulseelsorgerin an der Max-Gutknecht-Schule, einer Berufsschule der Stiftung Liebenau für Schüler mit Förderbedarf in der Ulmer Schillerstraße. „Ich finde es schön, für die jungen Menschen so da zu sein, wie sie es brauchen.“

Wenn die merken, da ist jemand, der ‚echt‘ ist, der glaubhaft, transparent und wertschätzend versucht, seinen Glauben zu leben, dann kommt da auch was rüber.

Ihre Devise laute dabei: „das Evangelium durch mein Sein zu verkünden“, erklärt Schwester Marlies. „Fromme Sprüche brauche ich beim Großteil nicht zu machen. Aber da zu sein. Und wenn die merken, da ist jemand, der ‚echt‘ ist, der glaubhaft, transparent und wertschätzend versucht, seinen Glauben zu leben, dann kommt da auch was rüber“, ist sie überzeugt und zitiert gern den französischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel: „Rede (über Christus)nur, wenn du gefragt wirst. Aber lebe so, dass man dich fragt!“ Bei jungen Menschen komme es nicht so sehr darauf an, „was ich Schlaues sage oder tue, sondern dass sie merken: da lebt jemand die Werte. Und ich kann dann sagen: das sind meine christlichen Werte.“ Oft habe sie die Erfahrung gemacht, dass sich dann Menschen an sie wenden, um über etwas zu sprechen – sowohl Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer, für die eine Schulseelsorgerin ja auch da sei. „Zum Lebensraum Schule gehören ja auch der Hausmeister, die Reinigungskraft, die Sekretärin.“

Den Menschen auf Augenhöhe begegnen

Schwester Marlies Göhrs Spiritualität ist stark durch den heiligen Vinzenz geprägt, der ja immer geschaut habe: Was brauchen die Menschen? „Er hat auch immer gesagt: Ihr müsst den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Und ihr müsst das leben, was euch wichtig ist. Ähnlich wie Ignatius hat auch Vinzenz von Paul immer geschaut: Was würde Jesus in dieser Situation tun?“

Derzeit sei noch nicht absehbar, wie sich der Lebensraum Schule durch Corona verändert. „Wenn es mal wieder einen normalen Rhythmus gibt, dann müssen wir gucken, was Corona mit den Schülern und mit den Lehrern gemacht hat, und auch, wie sich das auf die kirchliche Jugend- und Bildungsarbeit ausgewirkt hat.“ Bei den Anknüpfungspunkten für das Evangelium werde es wohl nie mangeln, ist de Vinzentinerin überzeugt. „Egal, wie cool sie sonst sind und wie wenig in der Kirche in unserer Sprache sie sozialisiert sind – es gibt Themen, wo auch junge Menschen ein feines Gespür dafür haben, dass es Grenzsituationen im Leben gibt, wo es gut ist, irgendwas von diesem Gott zu wissen, einen Anhaltspunkt zu haben, um mit diesem Gott ins Gespräch zu kommen.“