Das Kind ist zur Freude der Menschen der Retter des Lebens

Mit keinem Fest sei die tiefe Freude des Menschen so verbunden wie mit dem Weihnachtsfest, sagte der Bischof. Grund der Freude sei die Geburt Jesu. „Rettung ist uns zugesagt am Weihnachtsfest. Rettung aus Lebensängsten. Schutz vor Bedrohung. Verheißung neuen Lebens.“ Jesus Christus sei es, der Lebensbedrohliches abwende und der Furcht ihren Grund nehme. Leben werde durch ihn neu geschenkt. „In Jesus Christus war ein Leben, das auf andere übersprang, ein Leben, das in lebensmüden Menschen das Lebensfeuer neu entfachte. Er war so voller Leben, dass die anderen daran Anteil erhielten, dass er für sie zum Lebensspender und Lebensretter wurde.“


Jesus sei aufgestanden für das Leben, wo es bedroht, beschädigt oder zerstört wurde. Er sei gerade für die Menschen aufgestanden, die ihre Ehre, die Lebens-Gemeinschaft, den Respekt der Anderen, ihre Würde, den Sinn im Leben oder die Selbstachtung verloren haben. Es sei ihm um die in vielfacher Weise Verlorenen gegangenen: die Reichen und doch menschlich oft so armen, die körperlich Fitten und doch in der Seele oft Kranken, die Übersehenen und von Menschen Zertretenen. Für all die sei er gekommen, all diese Verlorenen habe er gesucht und gerettet. Der Glanz und die Freude von Weihnachten kommen von diesem späteren Leben und Handeln des erwachsenen Jesus her. „Das ist die Mitte der froh machenden Kunde zu Weihnachten“, so Bischof Gebhard Fürst.

Die Weihnachtsbotschaft rufe uns auf, auch durch unser Leben und Handeln, durch unser Zeugnis und unsere Praxis im Kleinen und Großen zu suchen und zu retten, was verloren ist. „Wir sind eingeladen, die heilsame Lebenspraxis Jesu aufzunehmen und die Menschen in unserer näheren und ferneren Umgebung auf diese Weise mit der Freude der Weihnachtsbotschaft anzustecken“, so Bischof Fürst.

In den Städten und Gemeinden, auf den Straßen und in den Häusern lebten viele Menschen, die auf rettende Begegnungen warteten. „Denken wir an die Vereinsamten, Vergessenen, Vernachlässigten, an die Verlierer in unserer Gesellschaft. Denken wir an die Verlorenen, dass sie wieder Heimat finden unter uns: einen Obdach für die Seele, einen Ort, wo sie hingehören“, so der Bischof.

„Wir, liebe Schwestern und Brüder, sind gerettet und heilsam befreit zu einem ganz neuen Handeln, das die Bewegung Gottes, die heilt, sucht und rettet, aufgreift und ebenso handelt“, sagte Bischof Fürst. „Gott ist Mensch geworden, leibhaftig. Glauben wir ihm seine Liebe und schenken wir diese Liebe weiter an unsere Mitmenschen.“ Jeder möge die Weihnachtsbotschaft leibhaftig erfahren und erfahren, dass er nicht verloren, sondern von Gott gefunden und geliebt sei.

„Suchen wir die Menschen in ihrer Verlorenheit, fördern wir ihr Leben, so wird sich die weihnachtliche Freude verbreiten und Leben entfalten und erneuern. Wir selbst werden schließlich zu noch mehr Freude finden durch die Art, wie wir wirken.“ Mit diesen Worten beschloss Bischof Gebhard Fürst seine Weihnachtspredigt in der Konkathdedrale St. Eberhard


Das Wort ist Fleisch geworden

Ausgangspunkt für die Weihnachtspredigt von Domkapitular Rudolf Hagmann am Ersten Weihnachtstag im Rottenburger Dom war das Johannes Evangelium, das von Jesus Christus als dem Wort spricht, das bei Gott war. Gott, so Hagmann, spricht zu den Menschen. Gott stehe nicht für das einsame Schweigen, sondern für das Wort, das allem Sinn gibt und eine Art Bauplan der Welt ist.

Damit der Mensch das Wort verstehen kann, ist Gott Mensch geworden. Gott spreche aus überströmender Liebe zu den Menschen und schaffe damit Gemeinschaft. Auf diese Weise komme der Mensch zu sich selbst und erliege nicht der Gefahr, ein „Leben im Monolog“ zu führen, bei dem er nur auf sich selbst schaue und sich selbst höre. „Gott macht sich klein, damit der Mensch Platz hat und lernt, seinen ihm zugehörigen Platz in der Welt einzunehmen“, so Hagmann. Gottes Liebe schaffe Raum für den Menschen und lasse ihn wachsen. Er zwinge ihn nicht in die Knie, sondern stelle ihn auf die Füße. „Das Wort Gottes wartet auf Antwort. Das ist unsere grundlegendste Berufung: von Gott angesprochen zu werden und ihm zu antworten“, so Domkapitular Rudolf Hagmann.