Das Leben der Armutsbevölkerung kennenlernen

Die 16 Frauen und Männer sind haupt- oder ehrenamtlich in der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit der Diözese engagiert. Begleitet wird die Gruppe von Brigitte Willbold-Mulach aus Untermünkheim bei Schwäbisch Hall, der Vorsitzenden des Eine-Welt-Ausschusses des Diözesanrats, sowie von Klaus-Jürgen Kauß, Mitarbeiter der Hauptabteilung Weltkirche in Rottenburg.

Die Reise führt die Katholiken aus der schwäbischen Diözese nicht an die Touristenorte Brasiliens, sondern zu den Lebensumständen der Armutsbevölkerung. So sind etwa in Porto Alegre im Süden Brasiliens und in der umliegenden Region Besuche in Favelas, bei Müllsammlern und Straßenkinderprojekten vorgesehen, ebenso bei einem „accampamento“, wo landlose Familien brachliegendes Land von Großgrundbesitzern besetzt haben, damit es entsprechend der brasilianischen Gesetzgebung nach fünfjähriger Bewirtschaftung in ihren Besitz übergehen kann – mit aller Gefährdung, die damit verbunden ist. Auch der Besuch der Doppelstadt Foz do Iguaçu auf brasilianischer Seite und Cuidad del Este in Paraguay steht auf dem Programm. Schwestern vom Orden der Scalabrini, zumeist Rechtsanwältinnen, betreuen dort brasilianische Arbeitsmigranten, die nach längerem Aufenthalt in Paraguay ihre Staatsangehörigkeit verlieren und dann Willkür und Ausbeutung schutzlos ausgeliefert sind. Nicht zuletzt besuchen die Gäste aus Deutschland Kirchengemeinden und Bischöfe, um im Gespräch mit diesen zu erfahren, mit welchen pastoralen Konzepten und Initiativen die brasilianische Kirche auf die Lebensbedingungen der Armutsbevölkerung antwortet.

Zum ersten Mal hat die Diözese derartige Reisen zur Nord-Süd-Begegnung offen ausgeschrieben und wird sie künftig im zweijährigen Turnus wiederholen. Im Fachjargon werden sie als „Exposure-Reisen“ bezeichnet, das heißt, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bleiben nicht in touristischer Distanz zu Land und Leuten, sondern setzen sich unmittelbaren Erfahrungen und Begegnungen aus, teilen die Wohnsituation der Menschen im Land und bewegen sich weitestgehend mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort. So kann das Erlebte zum vertieften Verstehen und womöglich zur Veränderung eigener Einstellungen und Lebensgewohnheiten führen, betont Klaus-Jürgen Kauß, der auf eine langjährige Erfahrungen mit Begegnungen rund um den Globus zurückblicken kann.

Am 22. Oktober kehrt die Gruppe wieder nach Deutschland zurück.

Dr. Thomas Broch