Veronika-Stiftung

"Das Vorbild dieser Frauen ermutigt uns noch heute"

Dr. Alfons Maurer ist neuer Vorstand der Veronika-Stiftung.

Dr. Alfons Maurer ist neuer Vorstand der Veronika-Stiftung. Bild: Uta Rometsch

Dr. Alfons Maurer ist neuer Vorstand der Veronika-Stiftung, die Schwerkranken und Sterbenden beisteht und sich um ältere Menschen und Kinder kümmert.

Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens plant die Stiftung 2022 ein Symposium über „Solidarität in der Gesellschaft“, denn das Vorbild, das die Veronika-Schwestern in dieser Hinsicht geben, sei beispielhaft für Gegenwart und Zukunft, stellt Maurer fest.

Dabei datiert der Ursprung der heutigen Stiftung auf das Jahr 1925, in dem in Stuttgart sieben katholische Frauen zusammenkamen, um gegen das weit verbreitete Leid der Nachkriegszeit anzugehen. In der Folge betrieben die Schwestern ein Pflegeheim, eine Krankenpflege-Schule und über Jahrzehnte hinweg die Veronika-Klinik, die 1996 ans Marienhospital überging.

Als die Schwestern sich aus Altersgründen nicht mehr aktiv um die bedürftigen Menschen kümmern konnten, sicherten sie im Jahr 2002 ihr Lebenswerk mit der Gründung der Veronika-Stiftung. „Das Vorbild dieser Frauen ermutigt uns noch heute“, betont Maurer und stellt klar: „Ihr Zusammenschluss war in jener Zeit ein unglaublicher Akt. Heute würden wir das einen zivilgesellschaftlichen Aufbruch nennen und der wird aktuell an vielen Stellen gebraucht.“ 

Die Geschichte der Schwestern aufarbeiten und dokumentieren

Ein Schwerpunkt der Veronika-Stiftung liegt für Maurer in der nächsten Zeit daher darin, die Geschichte der Schwestern aufzuarbeiten und zu dokumentieren. „Wir wollen diesen Geist, der die Frauen zusammengeführt hat und der sie auszeichnet, besser erfassen, um ihn so in die Gegenwart und Zukunft zu tragen.“

Dies habe die Stiftung bereits zu einem für sie neuen Förderschwerpunkt geführt: der Unterstützung sich entwickelnder Solidargemeinschaften wie beispielsweise des Vereins „Solidarische Gemeinde“ in der oberschwäbischen Gemeinde Reute-Gaisbeuren, der unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ ein vielfältiges Angebot für junge Eltern und Menschen mit Demenz anbietet. „Das geht von pflegerischen Angeboten über die Chor- und Kulturarbeit bis hin zu einem Begegnungscafé“, sagt Maurer. 

Demenzfreundliche Gemeinden und digitale Früherziehung

Förderschwerpunkte sieht der neue Stiftungsvorstand auch auf anderen Gebieten: In Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden wolle man bei der Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen die Entwicklung hin zu so genannten „demenzfreundlichen Gemeinden“ weiterentwickeln, in denen Integration auf unterschiedliche Weise erfolgt. Die Arbeit von Besuchsdiensten sei hier ebenso ein Stichwort wie die oft dringend benötige Aufklärungsarbeit.

Ein weiteres großes Thema sei die digitale Früherziehung im Kindergarten- und Grundschulalter; hierzu gab es ein großes Projekt, das die Veronika-Stiftung gemeinsam mit dem Stiftungsschulamt der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Auerbach-Stiftung erfolgreich durchgeführt hat. 

Unterstützung in der Palliativpflege und im Hospizbereich

Zum Kerngeschäft der Veronika-Stiftung, die Maurer gemeinsam mit Elke Zimmermann als der geschäftsführenden Vorständin führt, gehört es indes auch nach wie vor, Maßnahmen in der Palliativpflege oder im Hospizbereich zu unterstützen, die nicht über die Regelfinanzierung abgedeckt sind. Dabei gebe es eine große Vielfalt denkbarer Ansätze; beispielsweise, wenn ein musik- oder kunsttherapeutisches Angebot eröffnet werden soll, sagt der Stiftungsvorstand. „Wenn neue Dinge gefragt sind, kann die Veronika-Stiftung helfen.“

Im Jahr 2020 wurden von der Veronika-Stiftung 22 Projekte mit insgesamt 503.000 Euro unterstützt und im laufenden Jahr 2021 werden 21 Projekte mit einem Betrag von 365.608 Euro gefördert. Die Projekte beinhalten beispielsweise Angebote für krebskranke Kinder und für Personen mit Demenz und ihrer Angehörigen, Unterstützung der Arbeit von Pflege- und Betreuungskräften sowie Entwicklungsangebote im Rahmen einer digitalen Früherziehung in Kindertagesstätten und Grundschulen.

Mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum assistierten Suizid ergänzt der Stiftungsvorstand: „Wir möchten auch künftig solche Vorhaben unterstützen, die verhindern, dass sich der Bedarf an Suiziden verbreitert.“

Zuvor schon 20 Jahre Vorstand der Keppler-Stiftung

Vor seiner Tätigkeit für die Veronika-Stiftung war der 64-jährige promovierte Theologe, der auch ein Diplom in Psychologie hat, für rund zwei Jahrzehnte Vorstand der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung, die auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart rund 3.500 Menschen in der Altenhilfe betreut.

In dieser Zeit habe es bereits vielfältige Kontakte zwischen den beiden Stiftungen gegeben, aus denen sich viele gute und nachhaltige Projekte entwickelt haben, sagt Maurer. Und vor diesem Hintergrund sei dann auch die Anfrage an ihn erfolgt, die Nachfolge von Robert Antretter als ehrenamtlich tätiger Stiftungsvorstand zu übernehmen.

Die Veronika-Stiftung

Die Veronika-Stiftung ist eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und wurde 2002 von Bischof Dr. Gebhard Fürst gegründet.

Nach den Förderrichtlinien der Stiftung stehen kranke Kinder und alte Menschen im Fokus. Damit Kinder, die unter Schmerz leiden und deren Angehörige entlastet werden, fördert die Stiftung persönliche und behutsame Betreuungen. Diese positiven und seelsorgerlichen Projekte finden in Kinderstationen, Pflegediensten für Kinder und Kinderhospizen statt.

Für ein würdiges Altern unterstützt die Stiftung Altenpflegeheime und die qualifizierte Begleitung von Schwerkranken in Palliativ- und Hospizstationen.
 

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