Veranstaltung

Das Wirken des Geistes im Werk Sieger Köders

Vollendung: Der Geist der Liebe verbindet Himmel und Erde zur Vollendung der Welt. In dem Glasfenster von Sieger Köder an der Nordwand der Heilig-Geist-Kirche in Ellwangen bilden Rosen eine riesige kosmische Rose. Foto: Steffel

Mit Werken von Sieger Köder in pfingstlicher Perspektive befasst sich ein Online-Vortrag am Sonntag, 16. Mai.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der Glas-Fenster-Zyklus in der Heilig-Geist-Kirche in Ellwangen, das zu den herausragenden und theologisch kohärentesten Werken im Schaffen des Pfarrers und Malers Sieger Köder (1925-2015) zählt. Das pfingstliche Leuchten führt hier in einem großen Bogen von der Schöpfung durch den Alten und Neuen Bund und die Kirchengeschichte bis zur Voll­endung. Jenes letzte Bild zählt überhaupt zu den bekanntes­ten und beliebtesten: eine Rose aus lauter Rosen. Die Rose ist alles und nichts, die Rose ist die ganze Welt, ist ein Zeichen im Kosmos und der Kosmos selbst. In der Rose von Sieger Köder fliegen gar Planeten herum!

„Die Ros‘ blüht ohn‘ Warum“ (Angelus Silesius): Selbst­genügsamkeit, ohne nach Gründen zu fragen, ohne zu erklären, ohne verstehen zu müssen oder zu wollen; Ent-Haltung, die eine Bedingung für eine echte Überraschung ist, während die Vorstellungen, die wir uns im Voraus machen, etwas vor uns hinstellen, wie eine vor uns hin­gestellte Mauer, durch die wir nichts mehr sehen – und wir können nur noch mit dem Kopf durch die Wand. Das wäre nicht nach der Art des Heiligen Geistes!

Im ganzen Fensterzyklus Sieger Köders geht es um Wach­senlassen und Geschehenlassen, um die Überwindung der bloßen Gesetzlichkeit, darum, sich von Gott den Kopf ver­drehen lassen: eine besondere Einsicht im Beten um den Geist erwarten. Aber auch sich durchkreuzen lassen, denn das Kreuz schafft Raum. Das Fenster des Herzens weit aufmachen, Luft hereinlassen, um im inneren Verspüren mit Teilhard de Chardin das Antlitz Christi mehr und mehr zu enthüllen – im Credo, das bleibt in Ewigkeit. Und dann eben jene Geborgenheit im Letzten der Vollendung, die uns Gelassenheit gibt im Vorletzten unseres Stückwerks: Geborgenheit in Gottes Hand, Gelassenheit im Lebensland!

Das Feuer als zentrales Motiv

Der Online-Vortrag möchte anknüpfen an viele persönliche Begegnungen mit Sieger Köder und an viele Exkursionen im Ellwanger Bergland auf seinen Spuren, die das Dekanatsprogramm von Ehingen-Ulm prägten und prägen. Freunde und Weggefährten des Malers und Katecheten von der Ostalb unterstützten und inspirieren die Begegnung mit Köders Bilderwelt: etwa der 2018 verstorbene Kirchenmusiker Willibald Bezler, Begründer des Sieger-Köder-Museums in Ellwangen, und seine Frau Annette; der Gründungsvorsitzende der Stiftung "Kunst und Kultur in Rosenberg", Hermann Sorg, Autor verschiedener Publikationen über Köders Werk; der Maler Ulrich Brauchle, der mit Köder am Pfarrhaus am Hohenberg malte.

Der Vortrag will aber auch neue Interessenten mit der Botschaft Köders vertraut machen. Das Dekanat möchte dazu beitragen, das reiche katechetische Erbe Köders, seine Botschaft der Geborgenheit in Gott und den unglaublichen Glaubensschwung, zu dem seine Bilder einladen, lebendig zu halten - das Feuer am Brennen halten, neu entfachen.

Apropos Feuer, es nimmt im Schaffen Köders eine zentrale Stellung ein. Der Emmausweg auf dem Rosenberger Altar führt die beiden Jün­ger nicht nur ins Wirtshaus, sondern geradezu schon nach Pfingsten. Das liegt natürlich in der Natur der Sache und in der Logik des Kirchenjahres, das in 7 x 7 Tagen den Bogen von Ostern bis zum 50. Tag spannt.

Glaubensfreude und Glaubensschwung

Das Feuer steht auch für Glaubensfreude und Glaubens­schwung. So malte Köder den Messdiener wie einen Stabhoch­springer, der mit einem Kerzenleuchter ein Hindernis überwindet: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!“ Oder der brennende Dornbusch, unzählige Male ins Bild gesetzt. Zum Beispiel auf einer Medaille, die Sieger Köder einst für das Ellwanger Dekanatsministranten-zeltlager gestaltete: Aus den Feuerzungen erhebt sich das Kreuz, das der auferstandene Christus überwunden hat.

Köders letztes Bild, wenige Wochen vor seinem Tod gezeichnet, zeigt wiederum einen brennenden Dornbusch und den gekreuzigten Christus mitten in den Flammen. Die Zusage Gottes an Mose, die Offenbarung des Namens „Ich bin der ich bin da“, vollendet sich im Dasein Jesu für jeden Menschen – durch das Feuer des Leidens zum Osterlicht und den Flammen von Pfingsten.

INFO

Link zum Online-Vortrag von Dr. Wolfgang Steffel am Sonntag, 16. Mai, um 19 Uhr:
https://zoom.us/j/8852699290?pwd=OHpQZ05VVW80dUU1d1pZT3BCSHc1QT09
oder über „An einem Meeting teilnehmen“ mit Meeting-ID: 885 269 9290, Kenncode: 196365.
Tel.: 0695 050 2596, 069 7104 99222 oder 069 3807 9883 mit obiger Meeting-ID und Kenncode