Den Blick schärfen für die Armen

Angesichts einer neu wachsenden Kluft zwischen Armen und Reichen infolge der Wirtschaftskrise sei mehr solidarisches Denken und Handeln in Kirche und Gesellschaft nötig, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat (BAG) am Donnerstag in Stuttgart mit. Fatalerweise werde zum Anfang des neuen Jahres bisweilen der Eindruck erweckt, die Krise sei überwunden. „Tatsächlich werden die sozialen Folgen aber erst richtig zu spüren sein“, sagte der BAG-Vorsitzende Peter Höfner bei der zweitägigen Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft unter dem Leitwort „Neue soziale Fragen als Herausforderung an den Diakonat“. An der Tagung nahmen rund 80 für den Diakonenberuf in den 27 deutschen Diözesen verantwortliche Führungskräfte teil.

Die Kirche ist laut Höfner durch die Folgen der Krise besonders herausgefordert. Sie müsse sich mit ihrer diakonisch-karitativen Kraft als glaubwürdig erweisen. Diakone hätten dabei die Aufgabe, Stellvertreter der Armen zu sein und im Geist des christlichen Evangeliums zu Solidarität anzustiften. Diakone machten als Anwälte die Not der Armen gegenüber Kirchengemeinden bewusst wie auch gegenüber den politischen Kräften. Höfner mahnte, dass Kirchengemeinden mehr zu Orten der Solidarität werden und sich stärker öffnen für die soziale Realität. Dabei hätten Diakone ein wichtige „Scharnierfunktion“ und erinnerten Gemeinden daran, „dass sie nicht aus sich selbst leben“.

Zum Abschluss ihrer Tagung verabschiedete die BAG Diakonat einen Entwurf mit zwölf Thesen zu Identität, kirchlicher Stellung und gesellschaftlicher Aufgabe der Diakone. Diese Thesen sollen in den einzelnen Bistümern beleuchtet und diskutiert werden. Dabei flossen auch Positionierungen mit Blick auf ein Ende des vergangenen Jahres von Papst Benedikt XVI. erlassenes Schreiben „Omnium in mentem“ ein. Mit diesem Schreiben änderte der Papst teilweise das Kirchenrecht zur Stellung der Diakone in der kirchlichen Weihehierarchie. Für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti sammelten die Diakone spontan und übergeben dem katholischen Hilfswerk Caritas international eine Spende in Höhe von rund 500 Euro.

Diakone sind in der katholischen Kirche in Deutschland die derzeit einzige wachsende Berufsgruppe. Ende des Jahres 2009 gab es in der Bundesrepublik rund 2.300 aktive Ständige Diakone, davon 1.450 mit Zivilberuf und 850 im Hauptberuf. Allein 2009 wurden bundesweit 90 dieser Geistlichen, die einen besonderen Auftrag für die diakonische Arbeit der Kirche haben, geweiht. Weltweit gibt es derzeit rund 36.000 Ständige Diakone in 130 Ländern, die meisten davon in Europa, USA und Kanada.

Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde das Amt des Ständigen Diakons in der katholischen Kirche wiederbelebt. Für den Dienst kommt nur in Frage, wer sich bereits in Ehe und Familie, in Kirche und Berufswelt bewährt hat. Bei verheirateten Männern, die bei der Weihe mindestens 35 Jahre alt sein müssen, muss auch die Ehefrau ihr Einverständnis zu Ausbildung und Weihe geben.

Näheres im Internet unter www.diakone.de.

Uwe Renz