Den Gott des Kapitals oder den Gott der Liebe anbeten?

„Gott war im Gehen – Gott ist wieder im Kommen“, sagte Bischof Fürst. Gott spiele im Leben von immer weniger Menschen eine Rolle. Wer aber aufhöre, Gott zu ehren, fange früher oder später an, selbst Gott zu spielen und komme zu der Überzeugung, sich selbst retten zu müssen. Dies sei jedoch „ein verheerendes Spiel, das uns auf abschüssiger Bahn dem Abgrund unserer Existenz entgegentaumeln und unsere Menschenwürde verspielen“ lasse, betonte der Bischof.

Mit Hinweis auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise sagte Bischof Fürst, mancher habe „seine Rettung im big business und im großen schnellen Geld“ gesehen. Das gelte nicht nur für die Wirtschaftsmagnaten, sondern sei auch eine Frage der Konsumentenethik. „Wir alle haben über unsere Verhältnisse gelebt“, betonte Bischof Fürst. So sei es gekommen, dass „nicht die Hütten dieser Welt, sondern die in den Himmel gewachsenen Türme der Banken im Scheinwerferlicht dieses Weihnachtsfestes“ stünden. Allerdings zeigten die aktuellen Ereignisse jetzt die Konsequenzen eines falschen Menschenbildes und machten die Desillusionierung über die Möglichkeiten der Menschen deutlich, ihr eigenes Glück zu machen. Es sei bezeichnend, dass vorrangig von der Rettung der Banken und der Industrien die Rede sei, wenn heute von Rettung gesprochen werde.

Gott sei aber auch wieder im Kommen, betonte der Bischof. „Viele kommen zur Besinnung in diesen Tagen der furchterregenden Nachrichten“. Wie selten sähen sie sich an diesem Weihnachtsfest vor die Alternative gestellt: Gott oder der Mammon?, und fragten sich: „Von wem erwarten wir Rettung? Ist es der den Hirten auf den Feldern von Bethlehem verkündete Gott, der Gott für uns, der nichts für sich selbst haben will, sondern sich selbst mitteilen will? Oder ist es der von manchen Bankern verkündete Gott des Geldes und des Kapitals?“

Das Fest der Geburt Gottes in einem Kind im Stall von Bethlehem sei der Inbegriff des Glaubens an den kommenden Gott. Es mache auch dies deutlich: „Der Gott, der in Jesus ein Menschenkind geworden ist, ist alles andere als ein Gott der Habsucht. Er ist der menschenfreundliche, der menschendienliche, der die Menschen liebende Gott, der in verschwenderischer Liebe für uns da ist. Er ist ein Gott, der nicht habsüchtig sich bedient und rafft, sondern der das Leben mit uns teilt und sich hingibt für unser gutes Leben.“

Das stelle die Menschen vor die Frage, welchem Gott sie dienen wollten, sagte der Bischof, „dem liebenden Gott im Kind in der Krippe oder dem Götzen des Habens, des Raffens, der Egomanie, die über Leichen geht“. Habsucht verschlinge das Leben, Liebe schließe das Land des Lebens neu auf. Wo der Gott der christlichen Weihnacht in der Mitte stehe, da stehe auch der Mensch in der Mitte. „Der Vorrang Gottes vor Gewinn und Kapital beschert dem Menschen den Vorrang vor allem anderen, vor Geld, vor Erfolg, vor Leistung, vor Schönheit und Kraft“, betonte Bischof Fürst. Weihnachten beantworte die Frage, wer den Menschen wirklich retten könne: „Wo wir Gott den Ersten sein lassen, da retten wir den Menschen, denn da wird er nicht mehr auf dem Altar der eigenen Profitgier geopfert.“ Auf Jesus Christus, den Mensch gewordenen Gott zu schauen, habe Konsequenzen für das eigene Leben, sagte der Bischof und zitierte den Sozialheiligen Vinzenz von Paul: „Gottes Sohn ist Mensch geworden, nicht nur, damit er uns rette, sondern dass wir selbst Retter würden wie er, indem wir mitarbeiten am Heil des Menschen.“